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Hermann Schefers ist Leiter der Welterbestätte Kloster Lorsch an der Bergstraße.
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Hermann Schefers ist Leiter der Welterbestätte Kloster Lorsch an der Bergstraße.

30 Jahre Unesco-Welterbe Kloster Lorsch

Leiter des Welterbes Kloster Lorsch: „Natürlich ist das ein Prestigegewinn“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Welterbe zu sein, das ist in erster Linie eine große Herausforderung, sagt Hermann Schefers, Leiter des Klosters Lorsch, Hessens erstem Weltkulturerbe.

Herr Schefers, was hat man davon, Welterbestätte zu werden?

Die Annahme, der Welterbe-Status würde automatisch einen Besucheraufschwung und Tourismus mit sich bringen, ist eine Illusion. Dieser Status bringt in erster Linie besondere Anforderungen und die Notwendigkeit zu Investitionen mit sich.

Welche Anforderungen sind das?

Ein Weltkultur-Denkmal ist vor allem eine denkmalpflegerische Herausforderung. Das kann auch für das Umfeld ganz erhebliche Konsequenzen haben. Da spielen plötzlich Sichtachsen eine Rolle…

…man darf im Umfeld nicht einfach etwas Neues bauen?

Ja genau, ein markantes Beispiel ist da die Waldschlößchenbrücke in Dresden, die die Stadt den Status gekostet hat. Am Kölner Dom durften auf Deutzer Seite keine Bürotürme entstehen. Und es gibt heute keine Welterbestätte mehr, die ohne Besucherzentrum auskommt, da muss auch in Infrastruktur investiert werden.

Bekommt man denn wenigstens Geld?

Also von der Unesco, die die Welterbestätten ja benennt, kommt kein Geld. Die haben selbst nur den Jahresetat einer Behörde. In der finanziellen Pflicht ist in Deutschland zunächst der Bund, der diese aber an die Länder abgibt, die ja die kulturelle Hoheit haben. Das Land wiederum nimmt dann zumeist wiederum die Kommunen selbst mit in die Pflicht.

Zur Person

Hermann Schefers ist Leiter der Welterbestätte Kloster Lorsch. In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt er sich mit Kunst und Kultur der Karolingerzeit und hat unter anderem ein Buch zum Seligenstädter Evangeliar veröffentlicht, das vermutlich in Lorsch geschrieben wurde. pgh

Jetzt ist das Kloster Lorsch in einer eher kleinen Kommune angesiedelt. Was heißt das für das Umfeld?

Wir haben hier zwei Kernzonen, der alte Gründungsort des Klosters, der später Altenmünster genannt wurde, etwa 600 Meter vom jetzigen Standort entfernt. Der gehört der Stadt, die in auch pflegt und präsentiert. Die größere und bedeutendere Kernzone auf dem Klosterhügel liegt schon seit der Säkularisation in der Obhut des Landes. Es wird also kooperiert, und das recht gut, wie ich finde. Wir teilen uns etwa das Marketing, wir gehören auch zusammen einem Arbeitskreis der hessischen Welterbestätten an.

Welterbe zu sein wird doch wohl nicht nur Arbeit machen und Geld kosten. Es wird doch sicher auch Vorteile bringen?

Es ist natürlich ein Prestigegewinn. Welterbestätten werden als Alleinstellungsmerkmale gesehen. Und inzwischen auch, wie wir hier in Lorsch sehen können, als Standortfaktor. Infolge der Investitionen in die Welterbestätte und die Anstrengungen, diese immer attraktiver für Besucher zu machen, hat der Tourismus natürlich zugenommen. Als ich hier 1992 angefangen habe, also im Jahr nach der Ernennung, hatten wir 3600 Besucher im Jahr. 2016 waren es 60 000. Das spürt man natürlich auch in der Innenstadt. Gab es da früher ein Wirtshaus, haben wir heute drei gute Restaurants und zwei Eisdielen. Ein großer Bereich wurde verkehrsberuhigt. Und auch, wenn es mit dem Einzelhandel wie fast überall schwierig ist, sind wir von einer öden Innenstadt doch glücklicherweise weit entfernt. Man hört auch immer öfter, dass das kulturelle Angebot, das von der Welterbestätte ausgeht, Lorsch als Wohnort attraktiver macht.

Kloster Lorsch war die erste Welterbestätte in Hessen. Inzwischen sind es sieben. Sie haben also Ihr Alleinstellungsmerkmal verloren.

Viele Kollegen würden vielleicht sagen, man sollte nicht so viele Stätten ausweisen, das Ganze etwas exklusiver halten. Weltweit sind wir bei mehr als 1100 Welterbestätten. Ich denke, es kann gar nicht genug solcher Orte geben. Jede Stätte für sich ist das Portal zu einem Kapitel unserer Geschichte, exemplarische Orte für bestimmte Epochen und historische Zusammenhänge.

Also ist Lorsch durchaus gesegnet mit dem Kloster?

Das kann man durchaus sagen.

Interview: Peter Hanack

Siehe dazu: „Sensationsfunde aus dem Kloster Lorsch sind nun zu sehen“

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