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Lehrkräfte fordern Maskenpflicht in Hessens Schulen

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Von: Peter Hanack

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Viele setzen die Maske noch freiwillig auf. Die Pflicht dafür hat Hessen abgeschafft. dpa
Viele setzen die Maske noch freiwillig auf. Die Pflicht dafür hat Hessen abgeschafft. dpa © dpa

Verbände warnen vor „Kollabieren des Schulsystems“. Das hessische Kultusministerium sieht für den Unterricht in den Schulen keinen Bedarf.

Lehrerverbände fordern einhellig, angesichts der rapide steigenden Corona-Infektionszahlen mehr auf den Schutz durch Masken zu setzen. Doch das Hessische Kultusministerium denkt nicht daran, an den Schulen die gerade abgeschaffte Maskenpflicht am Sitzplatz wieder einzuführen.

„Angesichts neuer Rekorde bei den Inzidenzwerten und dem ohnehin überproportional hohen Infektionsgeschehen unter Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter, ist es nicht zu verantworten, dass die Maskenpflicht in den Schulen entfällt“, schreibt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in einer aktuellen Pressemitteilung.

Personelle Ausfälle

Man stimme mit der Politik in der Einschätzung überein, dass Schule ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag am besten erfüllen könne, wenn Präsenzunterricht stattfinde. Um dies sicherzustellen, brauche es aber gerade jetzt den Schutz durch eine Maskenpflicht, heißt es bei dem Lehrkräfteverband.

Bereits jetzt arbeiteten die Schulen mit einer personellen Unterdeckung. Vor diesem Hintergrund könne man es sich nicht leisten, „wirksame Infektionsschutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht“ aufzugeben. Dies führe sonst „zwangsläufig“ zu zusätzlichen personellen Ausfällen. Der VBE warnt vor dem „Kollabieren des Schulsystems“, wenn die Maskenpflicht an den Schulen nicht mindestens bis zu den Osterferien gelte.

Virologe warnte

„Die Aufhebung der Maskenpflicht am Platz für die hessischen Schulen kam Anfang März deutlich zu früh“, sagt auch Thilo Hartmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen. Das Kultusministerium habe sich damit über die entsprechenden Warnungen aus Wissenschaft und Praxis hinweggesetzt. Inzwischen erreichten die Infektionszahlen neue Höchststände. Der Schulbetrieb leide unter zahlreichen krankheits- und quarantänebedingten Ausfällen, so Hartmann.

Auch wenn das Tragen der Masken gerade für die Jüngsten belastend sei, leiste es doch einen wirksamen Beitrag zur Eindämmung der Infektionen. Nötig seien ausreichende Maskenpausen, räumt der GEW-Vorsitzende ein. Dann aber handele es sich beim Maskentragen nach wie vor um ein angemessenes Mittel, um sich und andere, vor allem auch die Angehörigen von vulnerablen Gruppen, vor einer Corona-Infektion zu schützen. „In der aktuellen Situation wäre die Maskenpflicht am Platz nach unserer Einschätzung für alle Stufen angebracht“, sagt Hartmann.

Keine Normalität

Auch beim Hessischen Philologenverband ist der Unmut über den Wegfall der Maskenpflicht groß. „Die Lockerung der Corona-Auflagen kommt zu früh, denn aktuell werden Höchstwerte bei den Infektionszahlen erreicht“, sagt der Verbandsvorsitzende Reinhard Schwab. „Wir können daher nach wie vor in den Schulen nicht auf Normalität umstellen.“ Das Maskentragen auch am Platz sei „geübte Praxis“. Lockerungen suggerierten Normalität, die nachweislich nicht bestehe. Das Maskentragen sei zwar lästig, so Schwab, helfe aber, die Infektionszahlen niedrig zu halten.

Aus dem Hessischen Kultusministerium heißt es dazu auf Anfrage, man habe die Maskenpflicht am Platz ja gerade erst abgeschafft. Daher gebe es keine Pläne, diese wieder einzuführen. Zudem sei nach dem neuen Bundesinfektionsschutzgesetz eine Maskenpflicht nach der Übergangszeit bis 2. April formal auch gar nicht mehr möglich.

Siehe Kommentar „Falsche Freiheit“

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