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Landtag in Hessen: Ruf nach einer Offensive für mehr Kita-Personal

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Von: Jutta Rippegather

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Mehr Zeit fürs Kind wünschen sich viele Erzieherinnen und Erzieher.
Mehr Zeit fürs Kind wünschen sich viele Erzieherinnen und Erzieher. © Julian Stratenschulte/dpa

SPD und FDP fordern von der Landesregierung, sich stärker zu engagieren. Die sieht Hessen auf einem guten Weg.

Eine Anhörung zum Fachkräftemangel in Hessens Kindertagesstätten fordert die SPD im Landtag. „Es braucht ein ganzes Maßnahmenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Berufsbilds“, sagte die sozial- und familienpolitische Sprecherin Lisa Gnadl am Donnerstag in der aktuellen Stunde ihrer Fraktion. Die FDP stimmte zu und brachte einen eigenen Antrag ein. Mit dem für 2026 beschlossenen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder bekomme das Thema zusätzliche Dringlichkeit, sagte Fraktionschef René Rock.

Die schwarz-grüne Koalition zählte auf, wie stark sich die Landesregierung auf diesem Feld engagiert. „Unsere Priorität in dieser Legislaturperiode ist die Steigerung der Qualität und der weitere Ausbau der Plätze“, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Um das dafür notwendige zusätzliche Personal zu gewinnen, fördere Hessen die vergütete, praxisintegrierte Ausbildung und investiere 73 Millionen Euro in die „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“. Immer mehr junge Menschen sowie Quereinsteiger:innen könnten für den Beruf begeistert werden. „Noch nie zuvor befanden sich so viele Menschen in der Ausbildung wie jetzt.“

Nach Ansicht der SPD-Landtagsabgeordneten Gnadl reicht das nicht aus. Als Beleg führte sie den Ländermonitor frühkindlicher Bildungssysteme der Bertelsmann-Stiftung an. Demnach fehlen schon heute rund 8400 Fachkräfte, bis 2030 sind es 26 700. Nach dem Kita-Personalcheck der Gewerkschaft Verdi litten die Beschäftigten unter einer hohen Belastung, die zu Unzufriedenheit führt. „Daran sieht man, wie stark die realen Betreuungsrelationen in der alltäglichen Kita-Arbeitswelt von den gesetzlich vorgegebenen Betreuungsschlüsseln abweichen.“

Ruf nach Befreiungsschlag

Wegen der hohen Arbeitsunzufriedenheit quittierten viele bald den Job, sagte Rock. Er stimme der SPD zu, dass eine Werbekampagne nicht die Lösung sei. „Wo ist der Befreiungsschlag?“, fragte der FDP-Fraktionschef.

Kritik übte er an dem Hinweis der Grünen-Abgeordneten Kathrin Anders, die Zuständigkeit für die Kitas liege in den Händen der Kommunen, nicht des Landes. Die Gesetzgebung von Bund und Land drücke den Kommunen immer mehr gesetzliche Verpflichtungen auf. Deshalb müssten sie sich auch an der Finanzierung beteiligten.

Die Rahmenbedingungen hätten sich in Hessen deutlich verbessert, versicherte Anders. Der Weg zu mehr Personal und Zeit fürs Kind werde weiter beschritten. Für Themen wie Werkswohnungen oder Jobtickets allerdings seien die Freien Träger oder Kommunen als Arbeitgeber zuständig, nicht das Land.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg bemängelte, dass es sich bei den Mitteln aus dem Gute-Kita-Gesetz von Ex-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) lediglich um eine Anschubfinanzierung handelt. „Das Land springt ein, wo der Bund nicht liefert.“

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