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Präsenzunterricht oder Homeschooling, Impfen oder Nicht-Impfen? Die Eltern sind uneins.
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Präsenzunterricht oder Homeschooling, Impfen oder Nicht-Impfen? Die Eltern sind uneins.

Schul-Interview

Landes-Elternbeirat: „Es gibt viel zu wenig Geld für die Schulen“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Volkmar Heitmann, Hessens oberster Elternvertreter, frisch ins Amt gewählt, vertritt in Hessen die Interessen der Elternschaft – eine mehr als schwierige Aufgabe.

Eltern sind in den vergangenen 16 Monaten, seit die Corona-Pandemie auch Deutschland erfasst hat, vor allem als jene in Erscheinung getreten, die ihre Kinder zuhause betreuen und als Nachhilfekräfte versuchen, den Schulstoff im Homeoffice zu vermitteln. Jetzt geht es vor allem darum, Schule wieder ins Laufen zu bringen und Versäumtes nachzuholen. Dabei will der neugewählte hesssische Landeselternbeirat mitreden.

Herr Heitmann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum Vorsitzenden des Landeselternbeirats Hessen.

Vielen Dank.

Wir sind uns gar nicht so sicher, ob man Ihnen wirklich gratulieren kann. Sie und die anderen Vorstandsmitglieder übernehmen dieses Ehrenamt in einer sehr schwierigen Zeit.

Deshalb haben wir uns ja auch wählen lassen, um da etwas bewegen zu können.

Es scheint, als habe die Corona-Krise zu einer Lagerbildung unter den Eltern geführt. Es gibt die eine Gruppe, die sagt, lasst die Kinder zuhause lernen, die Schulen sind viel zu gefährliche Orte. Die anderen sagen, lasst bloß die Schulen auf, zuhause lernen viele Kinder fast nichts, sind isoliert, und gerade die ohnehin Benachteiligten fallen noch weiter zurück. Das gleiche beim Impfen. Die einen halten das für riskant und lehnen es ab, warnen vor Impfzwang und Stigmatisierung. Die anderen wollen ihre Kinder gerade angesichts neuer Mutanten geschützt wissen. Wie bringt man das zusammen?

Es gibt tatsächlich sehr unterschiedliche Meinungen in der Elternschaft, die unter einen Hut zu bringen ist wirklich nicht einfach. Aber man muss ja nicht immer schwarz-weiß denken. Vielleicht gibt es ja gute Kompromisse.

Wie können die aussehen?

Wir haben mit unserer Tochter selbst die Erfahrung gemacht, dass sie ein halbes Jahr lang überhaupt keinen Unterricht hatte, weil die Schulen für die siebten bis zehnten Klassen zu waren. Das war eine sehr schlimme Erfahrung. So etwas möchten wir nicht noch einmal erleben. Selbst wenn wieder einmal Wechselunterricht oder ein Lockdown nötig werden sollte, müsste es doch mindestens einen Tag in der Woche geben, in der ein Kind oder Jugendlicher mal die Schule von innen sieht und auch seine Lehrerin oder den Lehrer. Vielleicht müssen dann ja die unteren Klassen nicht jeden Tag in der Schule sein. Es braucht dafür jedenfalls flexible Modelle.

Wie groß ist der Frust auf Elternseite, wenn man sieht, dass die Pandemie nun schon 16 Monate dauert und es noch so viele Baustellen gibt. Die digitale Infrastruktur steht längst nicht überall, man hat auch das Gefühl, dass es keinen richtigen Plan gibt für Schule unter Corona-Bedingungen, sondern immer nur ein Fahren auf Sicht.

Es ist für Eltern nichts Neues, dass vieles eben nicht funktioniert. Die Probleme sind teils ja uralt, angefangen bei der mangelhaften Digitalisierung bis hin zu den baulichen Mängeln an den Schulgebäuden. Es hat schon immer zehn Jahre gedauert, bis eine Toilette saniert wird. Und die Forderung nach Lüftungsanlagen ist auch schon viel älter als die Corona-Pandemie.

Eltern sind da frusterprobt?

Genau. Als Elternvertreter weiß man, was man schafft, nützt nicht mehr den eigenen Kindern, sondern erst der übernächsten Schülergeneration.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich zusammen mit dem Vorstand des Landeseltenbeirats gesetzt?

Natürlich brauchen wir Sicherheit in den Schulen nach den Sommerferien, da muss endlich wirklich etwas getan werden. Zum Beispiel brauchen wir raumlufttechnische Anlagen oder wenigstens Luftreinigungsgeräte, die Mittel sind ja da. Die Digitalisierung muss wesentlich schneller vorangehen, wobei es nicht nur auf die Hardware ankommt, sondern vorangebracht werden müssen auch die Lehr- und Lernkonzepte. Ganz wichtig ist, die Bildungsgerechtigkeit zu fördern, denn die hat doch stark unter Corona gelitten. Insgesamt gibt es aber immer noch viel zu wenig Geld für die Schulen, wenn man sich ansieht, was für die Wirtschaft schon ausgegeben wurde.

Wie hat sich die Mitsprache von Eltern an Schule entwickelt? Hat die Beteiligung während Corona gelitten, oder hat die Politik im Gegenteil entdeckt, wie wichtig die Mitwirkung der Eltern auch jenseits von Homeschooling ist?

Die Mitbestimmung hat gelitten. Die Kommunikation zwischen den Eltern hat gut funktioniert, aber an den Schulen sind beispielsweise Schulkonferenzen ausgefallen, der persönliche Kontakt mit den Lehrkräften war nicht immer einfach. Da gibt es einiges aufzuholen.

Interview: Peter Hanack

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