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Konflikt um den Ausbau der A49 in Hessen: Die Menschen und die Autobahn

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Bild aus Dezember 2020. Polizisten räumen den Dannenröder Forst. Sie schleifen einen Umweltaktivisten weg und räumen auf der Trasse der A49 das letzte Baumhausdorf. Wochenlang hatten Umweltaktivisten gegen die Teilrodung des Waldes für die Autobahn protestiert.
Bild aus Dezember 2020. Polizisten räumen den Dannenröder Forst. Sie schleifen einen Umweltaktivisten weg und räumen auf der Trasse der A49 das letzte Baumhausdorf. Wochenlang hatten Umweltaktivisten gegen die Teilrodung des Waldes für die Autobahn protestiert. © Nadine Weigel/dpa

Ein Dokumentarfilm zum Ausbau der A49 gewährt Einblicke in gant unterschiedliche Perspektiven. Einer der Macher stammt aus der Region.

Andreas Scheuer gibt sich betont desinteressiert. Wer im Dannenröder gegen die Zerstörung von 85 Hektar Forst demonstriert, sei ihm schnuppe. „Über die Leute mach ich mir keine Gedanken“, sagt der einstige Bundesverkehrsminister von der CSU. Im Kontrast dazu Tarek Al-Wazir, der sich vor der Kamera sehr emotional zum Konflikt um den Ausbau der A49 äußert. Der Grünen-Politiker ist sichtlich angefasst davon, dass ausgerechnet er als Hessischer Verkehrsminister in die Verantwortung genommen wird für ein Projekt, das seine Partei stets bekämpfte. Dass die Parteizentrale der Grünen in Wiesbaden mit Parolen besprüht, das Carsharingauto im Hof zerstört wurde. „Da zweifelst du schon am Hirn der Ausbaugegner.“

Historischer Einsatz für junge Polizeikräfte

Sätze, die unkommentiert stehen bleiben. So wie die aller Protagonistinnen und Protagonisten in dem Dokumentarfilm „Die Autobahn – Kampf um die A49“, den der WDR am Mittwoch, 21. September, ausstrahlt.

Ein Streifen, der nicht die Umweltzerstörung vor eineinhalb Jahren in den Mittelpunkt stellt, sondern Menschen, die unterschiedlich davon tangiert sind und waren: etwa den Polizisten, der den historischen Augenblick des bisher größten und teuersten Einsatzes der Republik hervorhebt. „Eine gute positive Erfahrung für die jungen Kollegen.“ Oder den Lehrer, der seit 40 Jahren gegen das Projekt kämpft. Den Anwohner, der sich vom Ausbau Entlastung vom nervigen Durchgangsverkehr erhofft.

Der Film

„Kampf um die A49“ heißt der Dokumentarfilm von Frank Marten Pfeiffer und Klaus Stern, der am Mittwoch, 21. September, um 23 Uhr im WDR zu sehen ist. Redaktion: Jutta Krug. Seit Montag ist er in der ARD-Mediathek zu finden.

Nach der Premiere im Mai auf dem Dokfest München lief er in diversen Programmkinos, besonders häufig in in Hessen. jur

www.die-autobahn-derfilm.de

Der Kasseler Filmemacher Klaus Stern und sein Partner Frank Marten Pfeiffer lassen nicht die bekannten Gesichter des Protestes sprechen, sondern die normalen Menschen. Den alten Mann, der für ein hartes Regiment gegen die Baumbesetzenden plädiert. Den Mann, der mit mulmigen Gefühlen die Baufortschritte vor seiner Haustür verfolgt. Dass die Filmemacher den Menschen so nahekommen konnten, liegt an der Vita Sterns. Der elterliche Bauernhof steht in dem mittelhessischen Dörfchen Wiera. Die Autobahn geht demnächst 700 Meter an dem Gebäude vorbei. „Jeder 25. Baum, der dort dafür gefällt wurde, war unserer“, sagt der 53-Jährige, der sich als „Spezialist für nordhessischen Größenwahnsinn“ versteht. Stern hat unter anderem „Henners Traum – Das größte Tourismusprojekt Europas“ über den einstigen Bürgermeister von Hofgeismar gedreht. Oder „Versicherungsvertreter – die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“, einen Film über Aufstieg und Niedergang des Kasseler Unternehmers, der auf dem Höhepunkt seines Erfolgs mehr als 1000 Beschäftigte hatte.

Beispiel von Größenwahnsinn

Ein völlig anderes Sujet als der Ausbau der A49. Aber auch so etwas wie Größenwahnsinn, meint Stern. Persönlich positioniert er sich als Gegner des Projekts. Als Filmemacher wahrt er die professionelle Distanz. Lässt die Menschen reden. Das sei sein Markenzeichen. „Ich bin immer nah an den Leuten.“

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