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Luigi Brillante ist Spitzenkandidat der Europa-Liste Frankfurt für die Kommunalwahl in Frankfurt. Foto: privat
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Luigi Brillante ist Spitzenkandidat der Europa-Liste Frankfurt für die Kommunalwahl in Frankfurt.

Kommunalwahl Frankfurt

Frankfurt: „Unser Bildungssystem ist obsolet“

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Luigi Brillante kämpft als Spitzenkandidat der Europa-Liste Frankfurt für mehr Chancengerechtigkeit und Integration. Er sieht noch riesigen Verbesserungsbedarf.

Die Europa-Liste Frankfurt ist seit 2001 im Stadtparlament vertreten. Sie setzt sich vor allem für eine bessere Bildungs- und Integrationspolitik ein. Bei der Kommunalwahl 2016 kam sie auf 1,2 Prozent. Einziger Stadtverordneter ist Luigi Brillante, der als Geschäftsführer einer Beratungsstelle für Sozial- und Arbeitsrecht arbeitet. Er fungiert im Römer als Fraktionschef der Fraktion „Die Frankfurter“. Der 62-Jährige ist Spitzenkandidat der Europa-Liste zur Kommunalwahl. Ihm folgen auf der Liste fünf Frauen, darunter die ehrenamtliche Stadträtin Carmela Castagna Veneziano.

Herr Brillante, Sie kämpfen als Stadtverordneter seit 20 Jahren für Bildungsgerechtigkeit. Hat sich die Situation für Schüler:innen mit Migrationshintergrund inzwischen verbessert?

Natürlich gibt es Erfolge. Aber das liegt mehr an den Eltern, die immer mehr verstehen, dass Bildung für ihre Kinder wichtig ist. Seitens der Institutionen hat sich wenig verbessert. Ein Bildungssystem, das Kinder nach vier Jahren Schule trennt, ist obsolet. Denn das nimmt vielen Kindern die Chance auf einen guten Schulabschluss. Zudem hängt der Bildungserfolg immer noch stark vom Portemonnaie der Eltern ab. Im Westend gehen fast alle Kinder aufs Gymnasium, in Arbeitervierteln nicht mal 30 Prozent.

Hat die Corona-Krise die mangelnde Chancengerechtigkeit, die Sie beklagen, verschärft?

Ja. Kinder vom Eltern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, oder denen die Mittel für Computer fehlen, sind nun noch mehr benachteiligt. Das werden wir alle noch zu spüren bekommen, das ist eine Katastrophe.

Was müsste geschehen, damit Kinder mit Migrationshintergrund bessere Chancen haben?

Ich bin ein Anhänger der integrierten Gesamtschule. Dort haben Kinder, die in der vierten Klasse vielleicht nicht so gute Noten hatten, noch Chancen, das Abitur zu machen. Wenn ein Kind auf die Haupt- oder Realschule geht, ist der Weg zu einem guten Abschluss viel schwieriger.

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber?

Leider nicht sehr. Das heißt nicht, dass Frau Weber nicht fähig wäre. Die Zusammenlegung der Dezernate war ein Fehler. Das Thema Integration spielt seitdem eine geringere Rolle. Die Stadt sollte auch wieder einen eigenen Integrationsausschuss etablieren. Bisher wird im Ausschuss fast nur über Bildung gesprochen, Integrationsdebatten kommen zu kurz.

In der Stadtverwaltung gibt es fast keine Führungskräfte mit Migrationshintergrund, bei den städtischen Gesellschaften ist es ähnlich. Was müsste passieren, damit sich das ändert?

Ich kämpfe seit Jahren dafür, dass sich die Zahl der Beschäftigten mit Migrationshintergrund bei der Stadt erhöht. Leider hat sich an der Situation wenig geändert. Auch die Politik muss sich mehr für Migranten öffnen. Schauen Sie sich etwa die Kandidatenliste der CDU an. Wo sind dort die Migranten?

Die Europa-Liste setzt sich für mehr bezahlbaren Wohnraum ein. Was fordern Sie genau?

Es müssen viel mehr Sozialwohnungen gebaut werden. Angesichts des begrenzten Baulands in Frankfurt sollte die Stadt zudem versuchen zu erreichen, dass auch in den Nachbarkommunen mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht.

Sie fordern eine Verkehrswende. Sind Sie für eine autofreie Innenstadt?

Nein, aber für eine autoarme. Wir wollen, dass Radwege ausgebaut werden und es mehr Platz für Fußgänger gibt. Ich plädiere dafür, dass die Berger Straße und die Leipziger Straße zu Fußgängerzonen werden.

Bei der Kommunalwahl 2016 kam die Europa-Liste auf 1,2 Prozent. Was erhoffen Sie sich diesmal?

Ich hoffe natürlich, dass wir diesmal mehr als einen Sitz holen.

Wie schwierig ist es für eine kleine Wählergemeinschaft wie Ihre, derzeit Wahlkampf zu machen?

Alles läuft nur noch online, etwa über soziale Medien. Man kann sich ja nicht mehr treffen. Ich hoffe, das alles führt nicht zu einer schlechten Wahlbeteiligung. Ich denke, es wäre besser gewesen, die Wahl zu verschieben.

Interview: Christoph Manus

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