Schüler einer 5. Klasse lernen mit iPads im Unterricht.
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Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien ist eine notwenige Grundlage für das Lernen im 21. Jahrhundert.

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Chance Corona

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien ist eine notwenige Grundlage für das Lernen im 21. Jahrhundert. Corona kann der notwendigen Wende neuen Schub verleihen.

Schule hat begonnen. An fünf Tagen in der Woche, für alle Klassen und nach dem üblichen Stundenplan. Gut so.

Natürlich wird es nicht lange dauern, und die ersten Lerngruppen werden wegen einer Corona-Infektion zu Hause bleiben müssen. Flächendeckende Schulschließungen will sich niemand vorstellen, sie können nur das allerletzte Mittel sein. Wenn es aber schlimm kommt, müssen wohl ganze Schulgemeinden in die häusliche Isolation zurück.

Und genau hier liegen die Aufgaben – und die Chancen.

Die Pandemie hat die Schwächen des Schulsystems überdeutlich gemacht. Das fängt bei den Schulgebäuden an. Fenster, die sich nicht zum Lüften öffnen lassen, keine Handwaschbecken in den Klassenräumen, fehlende Glasfaseranschlüsse und WLAN-Netze, die die gleichzeitige Nutzung durch das Gros der Schülerschaft zuließen. Nachrüsten ist eine Aufgabe für Schulträger und Land, die sich nur mittelfristig erledigen lässt. Zeit also, umgehend mit den Arbeiten zu beginnen.

Mehr als 30 000 Schülerinnen und Schüler gehören einer Risikogruppe an oder haben Verwandte, die durch Corona besonders gefährdet sind. Sie sollen dem Präsenzunterricht fernbleiben und per Video zugeschaltet werden. Auch dafür fehlt die Infrastruktur. Auch hier ist Nachrüsten dringend nötig. Support inklusive.

Wenn einzelne oder ganze Lerngruppen auf Distanz unterrichtet werden sollen, braucht es ein leistungsfähiges Videosystem, ein Schulportal, das geprüfte digitale Lerninhalte vorhält und allen zugänglich macht. Außerdem geeignete Endgeräte und Zugang zum Internet für alle Beteiligten.

Zudem sollten Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler schon jetzt darauf vorbereiten, wie der Kontakt in Zeiten pandemiebedingter Isolation gehalten werden kann. Vor den Sommerferien hat dies kaum funktioniert. Dies darf nicht noch einmal geschehen. Deshalb sollten Abläufe besprochen, Kommunikationskanäle vereinbart, sollte selbstständiges Lernen eingeübt werden.

Womit wir bei den Chancen sind. Digitales Lernen soll und kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Aber es kann ihn ergänzen, vorausgesetzt, die Ausstattung und die Qualifikation dafür sind vorhanden. Wer immer noch nicht erkannt hat, dass Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien keine zusätzliche, sondern notwendige Grundlage für das Lernen im 21. Jahrhundert ist, hat seine Lektionen nun erfahren müssen. Das gilt für Schüler, Lehrer und Politik.

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