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Gut gebrüllt

Kolumne: Vor Mitternacht

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Hessens Parteien stimmen über kuriose Fragen ab. Mit Grund.Die Kolumne aus dem Landtag.

Man kann sich das kaum noch vorstellen in digitalen Zeiten: Jahrzehntelang wurde bei Parteitagen per Hand ausgezählt, wer in welches Amt gewählt wurde. Damit ist immer häufiger Schluss. Nach und nach setzen sich elektronische Abstimmungsgeräte durch. Sie sehen wie Fernbedienungen aus und spucken in Sekundenschnelle das Resultat aus.

Das macht die oft zähen Veranstaltungen ein bisschen flotter. Es kostet schon genug Zeit, wenn – wie am vorigen Wochenende bei der hessischen Linken – eine halbe Stunde diskutiert wird, ob Kandidatinnen und Kandidaten sich fünf oder acht Minuten lang präsentieren können und ob Fragen an sie acht oder fünf Minuten lang gestellt werden dürfen.

Nun wird also elektronisch abgestimmt, und damit hat ein neuer Punkt Einzug in die Tagesordnungen der hessischen Landesparteitage gefunden: Wie funktioniert dieser Apparat? Wo drückt man wann drauf? All das wird den Delegierten erklärt. Zum Beispiel so: Taste 3 für Ja, Taste 2 für Nein, Taste 1 für Enthaltung – so hat es die Linke definiert.

Dann folgt eine Probeabstimmung, und die gehört zu den Kleinoden solcher Versammlungen. Denn die Regie kann sich eine Frage ausdenken, die bei der Probeabstimmung mehr oder weniger ernsthaft von der Basis beantwortet wird.

So ließ die Linkspartei, die bereits einen langen Samstag in der Messehalle Gießen in den Knochen hatte, am Sonntagfrüh über die Frage abstimmen: „Wollen wir heute bis 24 Uhr fertig sein?“ Das Ergebnis bewies, dass Linken-Delegierte endlose Debatten zu schätzen wissen oder sich einen Jux aus der Abstimmung gemacht hatten.

Genau ein Drittel der 156 Delegierten stimmte mit Nein, weitere acht Prozent enthielten sich. Immerhin: Die Mehrheit von gut 58 Prozent wollte ein Ende vor Mitternacht – und hielt Wort: Gegen 19 Uhr war die Veranstaltung beendet. Spät genug.

Die hessischen Grünen hatten sich bei ihrer Listenaufstellung im Januar ebenfalls eine hübsche Frage für die Probeabstimmung einfallen lassen. Sie erkundigten sich nach den Vorlieben der grünen Basis für Comicfiguren. Wir können uns leider nicht mehr genau erinnern, ob Lucky Luke, Wonderwoman oder Daisy Duck die Mehrheit davontrug. Anders als bei den Linken in Gießen konnten seinerzeit bei den Grünen auch Mitglieder abstimmen, die am heimischen Rechner saßen – dank einer Software, die ihnen den Zugriff ermöglichte.

Wir sind gespannt, welche Fragen sich CDU und SPD zum Testen ausdenken, die an den nächsten beiden Wochenenden ihre Listen bei Parteitagen in Gießen und Offenbach aufstellen. Wie wär’s mit: Was ist die schönste Stadt in Hessen, in der ein amtierender Ministerpräsident wohnt? a) Gießen b) Offenbach c) Kassel. Oder, weit heikler, die Fußballfrage – schließlich tagt die SPD im Stadion am Bieberer Berg. Wenn sich Hessens Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zerstreiten wollen, fragen sie: Welcher hessische Fußballverein ist euer Favorit? a) Eintracht Frankfurt b) Eintracht Frankfurt c) Eintracht Frankfurt.

Dann könnte aber jemand den Eindruck gewinnen, dass Nancy Faeser die Abstimmungsfrage manipuliert hat. Faeser bekleidet neben ihren politischen Funktionen als Landesvorsitzende und Landtags-Fraktionschefin der SPD nämlich noch ein weiteres wichtiges Amt: als Kovorsitzende des Eintracht-Frankfurt-Fanclubs im Hessischen Landtag.

Pitt von Bebenburg berichtet aus dem Hessischen Landtag und von Parteitagen. Seine Kolumnen: fr.de/gut-gebruellt

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