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Kliniken in Hessen: Privatisiert, fusioniert, geschlossen

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Von: Jutta Rippegather

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In Dillenburg kommen keine Kinder mehr stationär zur Welt.
In Dillenburg kommen keine Kinder mehr stationär zur Welt. Panther Media © PantherMedia

Im Ballungsraum finden sich in der Regel immer neue Betreiber. In der Provinz hingegen machen Kliniken ganz oder teilweise dicht - so wie Melsungen Ende des Jahres.

Erst die Privatisierung der Uniklinik, der kommunalen Krankenhäuser von Offenbach, Wiesbaden. Dann die Schließungen kleinerer Häuser und einzelner Abteilungen. Die dritte Alternative ist die Fusion - etwa die des Klinikums Frankfurt-Höchst mit den Main-Taunus-Kliniken: Seit Jahrzehnten befinden sich viele Krankenhäuser in finanziellen Schieflagen. Ein gefundenes Fressen für Investoren. Der von der Ökonomisierung des Gesundheitsmarkts beschleunigte Ausverkauf hat die Trägerlandschaft verändert, in Ansätzen zu der Arbeitsteilung geführt, die die Krankenhausreform des Bundes jetzt forcieren will. Es kam zu Ausgliederungen, Kündigungen von Personal, das jetzt händeringend gesucht wird.

Die Landesregierung selbst ging mit schlechtem Beispiel voran. Angetrieben von dem privatisierungsgläubigen damaligen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch verkaufte Hessen seine beiden Universitätskliniken in Gießen und Marburg an den Rhön-Konzern. Ein bundesweit einmaliger Vorgang. Einer der größten politischen Fehler, die die Nachfolgeregierungen in Wiesbaden bis heute intensiv beschäftigt. Personal wurde abgebaut, Beschwerden über Mängel in der Krankenversorgung mehrten sich. Selbst der erhoffte finanzielle Befreiungsschlag blieb aus. Das Land butterte künftig mehr Geld denn je in den Betrieb - ohne irgendwelchen Einfluss im Aufsichtsrat zu besitzen.

Dann kam Offenbach. Das ehrenwerte Stadtkrankenhaus rauschte immer weiter ab in die roten Zahlen. Eine drohende Insolvenz im November 2012 konnten Stadt und Landesregierung gerade noch abwenden. Nach jahrelanger Subvention musste der Kämmerer den Geldhahn zudrehen. Die defizitäre Klinik wurde zu 90 Prozent am 1. Juli 2013 für einen symbolischen Euro an den Sana-Konzern verkauft. Der setzte zur Sanierung vor allem aufs Sparen beim Personal; auf Ausgliederung von Reinigung, Catering, Transportdiensten und Pforte in Tochterfirmen.

Die Wiesbadener Stadtverordneten wollten es besser machen. Sie gaben 2012 lediglich 49 Prozent der Anteile der Horst-Schmidt-Kliniken an die Rhön-Aktiengesellschaft ab. Zwei Jahre später verkaufte Rhön seine Anteile an Helios.

Große Häuser im Ballungsraum sind für die Aktiengesellschafter attraktiv, die kleinen in der Provinz machen dicht. 2016 kam es in Hessen zu zwei Klinikschließungen: das Luisen-Krankenhaus in Lindenfels (Odenwald) und St. Rochus in Dieburg. Das Marienkrankenhaus in Flörsheim machte Ende September 2017 zu. Zum 1. Januar dieses Jahres stellte Asklepios den Krankenhausbetrieb in Melsungen ein. Die Patientinnen und Patienten wurden in die umliegenden Kliniken nach Schwalmstadt und nach Bad Wildungen verlegt. Seitdem hat auch so manche Schwangere im Lahn-Dill-Kreis längere Wege. Die Geburtsstation in Dillenburg wurde zum Jahresende geschlossen - die Geschäftsführung fand kein Personal dafür.

Eine Fusion ihrer kommunalen Häuser in Höchst, Bad Soden und Hofheim haben vor sieben Jahren Frankfurt und der benachbarte Main-Taunus-Kreis vollzogen. Eine ähnliche Entwicklung gab es in Südhessen. Dort kaufte das Klinikum Darmstadt zwei Krankenhäuser: das Marienhospital in derselben Stadt und das St. Rochus Krankenhaus in Dieburg.

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