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Pflegekräfte protestieren vor der Frankfurter Uniklinik für mehr Personal.
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Pflegekräfte protestieren vor der Frankfurter Uniklinik für mehr Personal.

Gesundheit

Kliniken in Hessen: Pflege will ausreichend Personal

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Kliniken umgehen die Vorgaben für Besetzung der Intensivstationen. Ein Betriebsrat warnt vor der Gefahr für die Versorgung.

Feste Personalvorgaben haben Krankenhausbeschäftigte am Montag bei einem Protesttag gefordert. Der Schwerpunkt der bundesweiten Aktionen lag laut Gewerkschaft Verdi im Rhein-Main-Gebiet. Zeitgleich lief die Bundestagsanhörung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“. Der Entwurf dazu nähre den Verdacht, dass die im Koalitionsvertrag verabredete bedarfsgerechte Personalbemessung auf die lange Bank geschoben werde, sagte Georg Schulze, Verdi-Landesfachbereichsleiter Gesundheit, auf Anfrage. Ein fatales Signal für die Kolleginnen und Kollegen, die seit mehr als einem Jahr gegen Covid-19 kämpften. „Sie sind am Ende ihrer Kräfte, und das nicht erst seit der Corona-Pandemie.“

Dass Kliniken am Personal sparen, sei ein gesundheitspolitischer Dauerbrenner, sagt Thomas M. (Name geändert). Er ist Pfleger in einer Intensivstation im Rhein-Main-Gebiet, möchte aus Furcht vor Repressionen seines Arbeitgebers anonym bleiben. Er hatte erwartet, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sein Versprechen einlöst. Dass die Krankenhäuser verpflichtet würden, eine klar definierte Zahl an Personal pro Schicht und Station vorzuhalten. „Ich bin bitter enttäuscht“, sagt M. Kein Wunder, dass der gut ausgebildete Nachwuchs schon nach wenigen Jahren dem Pflegeberuf den Rücken kehre. Er mag seine Tätigkeit auf der Intensivstation. „Das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit.“ Doch die langen Dienste in voller Schutzmontur zehrten an den Kräften. Die Ruhephasen nach einer durchschwitzen Zwölf-Stunden-Schicht seien oft viel zu kurz, weil ständig jemand krankheitsbedingt ausfalle. „Nicht das Geld ist das Problem. Es sind die Bedingungen.“

Er gebe zwar eine Verordnung. Doch die taugt nach Darstellung von Schulze nichts. Demnach müsste sich tagsüber auf einer Intensivstation eine Pflegekraft um maximal zwei Patient:innen kümmern. Doch die Bad Sodener Main-Taunus-Kliniken etwa hätten der Belegschaft per Aushang mitgeteilt, dass aktuell pro Schicht drei Intensivpatienten von einer Pflegekraft zu betreuen seien. Das gibt zwar Abzüge bei den Einnahmen. Doch die nimmt die Geschäftsführung in Kauf. Immer wieder habe der Bundesgesundheitsminister versprochen, für Entlastung zu sorgen, sagt der Gewerkschafter. Nun liege seit einem Jahr ein von Krankenhausgesellschaft, Pflegerat und Verdi erarbeiteter Vorschlag auf dem Tisch. Passiert sei damit nichts. „Die Geduld der Pflegekräfte ist längst aufgebraucht. Sie haben es satt, sich immer wieder vertrösten zu lassen.“

Uwe Richtmann, Personalratsvorsitzender der Frankfurter Uniklinik, sieht schon Einbußen bei der Qualität. „Die Menschen können nicht so versorgt werden wie es sein sollte.“ Die Kolleginnen und Kollegen seien unzufrieden. „Etliche reduzieren ihre Arbeitszeit oder flüchten ganz aus dem Beruf, weil sie es nicht mehr aushalten.“

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