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Kirche in Hessen: Ungeheizte Gotteshäuser aber warme Stuben

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Von: Peter Hanack

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Ein Blick in die Friedberger Stadtkirche. nici merz (2) © Nicole Merz

Wie katholische und evangelische Gemeinden mit der Energiekrise umgehen. Decken, Glühwein und ein neues Miteinander lassen die Kälte vergessen.

Zwei Jahre lang war es Corona, das einer besinnlichen Weihnacht im Weg stand. Jetzt macht die Energiekrise den Kirchengemeinden zu schaffen. Adventliche Chorsingen fallen aus, Kirchen bleiben kalt, die Kosten steigen dennoch. Und sogar die Instrumente wollen nicht so recht klingen wie sonst. Da sind Ideen und Engagement nötig, damit es doch noch ein frohes Fest wird – und Menschen vielleicht sogar noch ein bisschen mehr zusammenkommen als sonst in der Weihnachtszeit.

Zum Beispiel in Wiesbaden. „Wir müssen uns warm anziehen“, schreibt Pfarrer Frank Schindling im aktuellen Newsletter der Pfarrei St. Birgid seinen Gemeindemitgliedern. Denn die Kirche bleibt kalt, wie die Gotteshäuser der beiden anderen katholischen Gemeinden in Wiesbaden auch. Und deshalb lässt sich Pfarrer Schindlings Appell ganz wörtlich verstehen. Ein dicker Pulli mehr oder lange Unterhosen beim Gottesdienstbesuch schaden sicher nicht.

St. Birgid liegt damit ganz im Trend. Auch viele andere katholische und evangelische Gemeinden im Land sparen an der Heizung der Kirchen. Damit die Gottesdienstbesucher dennoch nicht einfrieren oder es ihnen zumindest warm ums Herz wird, haben die Gemeinden einige Kreativität an den Tag gelegt. So hat man in St. Bonifatius 200 wärmende Wolldecken angeschafft, die für die Gottesdienste ausgeliehen werden können.

Decken in Orange

Decken gibt es auch im Hochtaunus. 450 davon, in kräftigem Orange und mit der Silhouette des Limburger Doms sind dort an die Pfarreien ausgeliefert worden. „Heizungen in Kirchen und Gemeindehäusern und in vielen Wohnungen sind auf Sparflamme eingestellt“, sagt dazu Bezirksreferent Fabian Bocklage. Da wolle man wenigstens etwas Wärmendes anbieten. Für den Gottesdienst oder auch zum Mitnehmen nach Hause. Denn auch da bleiben ja manche Stuben kalt.

Weil dem so ist, bieten viele Gemeinden ihre Räumlichkeiten als Wärmestuben an. Die Evangelische Kirche und die Diakonie haben dazu die Aktion „Wärmewinter“ gestartet. Gemeinden und diakonische Einrichtungen bieten beispielsweise geheizte Treffpunkte an mit Kaffee und Kuchen, kostenlosen Mahlzeiten oder Beratungen bei Sorgen wegen der hohen Energiekosten und anderer Anliegen. Die Aktion soll nicht nur dem Frieren, sondern auch sozialer Kälte entgegenwirken.

Energiesparen

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Diakonie haben eine Handreichung herausgegeben, was Kirchengemeinden angesichts der Energiekrise tun können.

Dazu gehören

Verlagerung des Gottesdienstes ins Gemeindehaus, wenn dieses durchgehend beheizt wird. Auch dort die Heizung niedrig drehen.

Gottesdienste im Freien feiern, wie dies schon bei den ersten Weihnachtsgottesdiensten unter Corona-Bedingungen geschah.

Beleuchtung ausschalten , wenn sie nicht genutzt wird (ausgenommen Notbeleuchtungen).

Fassadenbeleuchtung abschalten, sofern keine Sicherheitsbedenken bestehen. pgh

Handreichung Energiesparen unter ekhn.de

Auch der Frankfurter Stadtsynodalrat hatte den Pfarreien empfohlen, ihre Kirchengebäude nicht zu heizen und die Raumtemperaturen in Gemeindehäusern zu senken. Damit verbunden war die Bitte, warme Räume vorzuhalten für Gruppen mit Babys und Kleinkindern, Seniorengruppen und Menschen, die Orte zum Aufwärmen benötigen. Auch die evangelischen Gemeinden in Frankfurt haben entschieden, ihre Gotteshäuser komplett auf ein Frostschutzniveau herunterzuregeln.

Ein die Konfessionen übergreifendes Projekt gibt es in Dillenburg. Dort haben sich evangelisch und katholische Gemeinden, das Diakonische Werk, der Caritasverband, die Ditib-Moschee-Gemeinde und der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes zusammengeschlossen um Menschen in der kalten Jahreszeit zu unterstützen. „WIR zusammen“ heißt die Aktion, die Menschen verbinden soll. Ob im Kleider-Treff bei Plätzchen, Tee und Kaffee, mittwochs zu Speis und Trank in der Moschee oder neben einem Indoor-Spielplatz mit Kaffee und Kuchen.

Glühwein und Punsch

Mancherorts wird im Anschluss an den Gottesdienst auch Glühwein oder alkoholfreier Punsch ausgeschenkt zum Aufwärmen und der Gelegenheit zum Zusammenstehen. Im Wiesbadener Stadtteil Klarenthal gibt es in der Pfarrei St. Peter und Paul nicht nur eine Wärmelounge, sondern auch Wolle und Stricknadeln für jene, die im Umgang damit kundig sind.

Socken, Schals und Mützen sollen dann an diejenigen abgegeben werden, die in diesem Winter gut etwas Wärmendes gebrauchen können. Und das sind so viele wie lange nicht.

Siehe „Gottesdienste über Weihnachten“ in Frankfurt und Hessen

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