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Gut gebrüllt

Kinderleichte Klimakunde

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Liebe Kinder! Liebe schlaue Menschen und liebe Menschen mit geringem Verstand! Für alle von uns ist es hilfreich, komplizierte Dinge erklärt zu bekommen. Das gilt bei der Sendung mit der Maus. Und natürlich auch im Hessischen Landtag. Die Kolumne.

Dort halten Abgeordnete manchmal Grafiken oder Bilder hoch, um anschaulich zu machen, was mit Worten schwer auszudrücken ist. Das dürfen sie übrigens nur, wenn sie dem Sitzungspräsidenten oder der Sitzungspräsidentin vorher gezeigt haben, was sie mitgebracht haben. Nicht immer belegt das, was am Rednerpult in die Höhe gehalten wird, auch das, was dazu behauptet wird.

Neulich gab es eine Debatte, bei der vieles hochgehalten wurde. Zwei Bilder stammten aus der ZDF-Sendung „Logo“, die Nachrichten für Kinder aufarbeitet. Auf einem davon sah man durch ein Fenster hindurch, dass draußen die Sonne scheint. Auf dem anderen, dass es draußen regnet.

„Die Kinder zumindest haben verstanden, was Wetter ist“, sagte die Frankfurter Grünen-Umweltpolitikerin Martina Feldmayer, als sie die Illustrationen zeigte. Weil sie aber nicht allen Abgeordneten zutraute, genauso schlau zu sein, erklärte sie dazu: „Wenn man aus dem Fenster schaut, kann mal die Sonne scheinen oder es kann auch mal regnen.“ Es könne „auch mal im März ganz kalt sein“. Klima aber sei etwas anderes, nämlich eine Langzeitveränderung. „Das Klima können wir nicht sehen, wenn wir aus dem Fenster sehen“, erklärte Feldmayer.

Ob das alle verstanden haben? Die AfD im Landtag leugnet, dass der Klimawandel durch den Ausstoß von Klimagasen wie Kohlendioxid (CO2) verursacht wird. Ganz vorneweg tut das ihr umweltpolitischer Sprecher Klaus Gagel, der sich als Diplom-Meteorologe für berufen hält, anderen Abgeordneten und renommierten Klimaforschern den Sachverstand in diesen Fragen abzusprechen.

Gagel hatte bemerkt, dass es im Februar und März ganz schön kalt war. Und fragte sich offenkundig: Kann es so kalt sein, wenn es eine Erderwärmung gibt? Prompt setzte seine Fraktion eine Aktuelle Stunde auf die Tagesordnung des Landtags, Thema: „Erdklima kühlt ab – kältester März seit 7 Jahren“. Eine mehr als gewagte These, wie ihm andere Abgeordnete mit Hilfe von Worten, Bildern und Grafiken klarzumachen versuchten. Oder, um es mit Martina Feldmayer zu sagen: „Der Titel der Aktuellen Stunde ist kompletter Quatsch.“ Das sahen CDU, SPD, FDP und Linke genauso.

Aber der AfD-Mann war vorbereitet. Gagel hatte eine Grafik mitgebracht, die er tags zuvor schon den anderen Fraktionen zugeschickt hatte. Sie zeigte die durchschnittliche Erdtemperatur der vergangenen acht Jahre. Darauf waren tatsächlich Monate zu sehen, in denen es nicht heißer wurde, sondern kälter – obwohl der Kohlendioxid-Eintrag weiter anstieg. Gagels Konsequenz: Hessen müsse alle CO2-Ziele begraben und Programme einstampfen, die daraus folgten.

Dann kam Umweltministerin Priska Hinz. „Sie haben uns ja eine wunderbare Grafik geschickt“, ätzte sie und fügte hinzu: „Jetzt will ich Ihnen mal die wirkliche Kurve zeigen.“ Die Grünen-Politikerin hatte die gleichen Daten derselben Universität ausgedruckt – aber nicht nur für acht Jahre, sondern für den Zeitraum seit 1950. Und was konnte man darauf sehen? Eine deutliche Zunahme der Erdtemperatur. Nicht in jedem Jahr. Aber ganz deutlich in der Tendenz. „Das hier ist Klima und Klimawandel“, triumphierte die Ministerin. Damit endeten die Kindernachrichten im Landtag für diesen Tag.

Aber nicht die Versuche, die Aktivitäten des Parlaments zu erklären. Ganz frisch hat der Hessische Landtag eine Broschüre über seine Arbeit in leichter Sprache herausgebracht. Es heißt: „Kurz erklärt: Der Hessische Landtag. Was macht der eigentlich?“

Eine berechtigte Frage, die umfassend beantwortet wird, in großer Schrift, kurzen Sätzen und mit Erklärungen zu schweren Wörtern. Nichts trifft die Arbeit im Parlament besser als diese Zusammenfassung: „In der Plenar-Sitzung sprechen die Abgeordneten über viele Sachen.“ Man könnte noch hinzufügen: Und manchmal halten sie dazu Bilder hoch.

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