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Ausbildung

Jugendliche und Betriebe in Hessen finden nur schwer zueinander

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Schulen geschlossen, Berufemessen und Betriebspraktika abgesagt: Der Ausbildungsmarkt ist voll drin in der Krise. Gerade jene, die Hilfe am nötigsten haben, stehen jetzt auf der Straße.

Deutlich mehr Schulabgänger:innen als in normalen Jahren haben Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das geht aus der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Hessen, hervor, die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt worden ist. Arbeitgeberverbände fordern mehr Hilfen gerade für jene Jugendlichen, die zu Hause wenig Unterstützung bekommen.

„Es ist unter den Bedingungen von Corona ungleich schwieriger geworden, Kontakt aufzunehmen“, sagt Regionaldirektionsleiter Frank Martin. Das gelte gleichermaßen für Bewerber:innen und Firmen. Betriebspraktika konnten nicht stattfinden, es gab kaum Berufsmessen oder Tage der offenen Tür, an denen sich interessierte Jugendliche und mögliche künftige Arbeitgeber:innen für gewöhnlich kennenlernen können.

Viele bemühten sich nicht

In der Folge steigt auf der einen Seite die Zahl jener, die keinen Ausbildungsplatz finden oder sich gar nicht erst darum bemühen, und auf der anderen Seite sinkt die Zahl offener Lehrstellen, die bei der Bundesagentur (BA) gemeldet werden.

Laut Martin ist die Zahl der Bewerber:innen im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gesunken. Das liege auch daran, dass die Berater:innen der BA kaum Gelegenheit gehabt hätten, in Schulen über Berufswege und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. „Jene 15 Prozent, die uns jetzt fehlen, sind wahrscheinlich genau jene, die Unterstützung am nötigsten haben“, sagt Martin. Ihnen fehle es aufgrund ihrer familiären Situation häufig an Menschen, die ihnen den Weg in die berufliche Zukunft weisen könnten.

Auch von jenen, die den Weg zur BA gefunden und sich dort als Interessent:innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet haben, sind längst nicht alle fündig geworden. Zum Stichtag 1. Oktober vergangenen Jahres seien rund 6500 unversorgt gewesen. Durch Nachvermittlung in Ausbildung oder schulische Alternativen ist ihre Zahl laut Martin bis Januar zwar auf knapp 2600 gefallen. Aber auch das sind immer noch doppelt so viele wie üblich.

Das liegt auch daran, dass die Betriebe deutlich weniger Stellen angeboten haben als in Jahren ohne Corona-Pandemie. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank um zwölf Prozent. „Auch Förderprogramme von Bund und Land können das nicht verhindern“, sagt Martin. Die Unsicherheit vieler Firmen, ob sie im Herbst noch existierten, sei zu groß. „Diese Unsicherheit kann man den Betrieben nicht abkaufen.“

Al-Wazir: neue Wege gehen

Martin geht davon aus, dass die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz weiter signifikant ansteigen werde. Auch das sogenannte Übergangssystem zwischen Schule und Beruf, das in den vergangenen Jahren geschrumpft ist und in dem Jugendliche zur Überbrückung häufig weiter die Schulbank drücken, werde wahrscheinlich wieder wachsen.

Der hessische Industrie- und Handelskammertag, die Handwerkskammern, der Verband freier Berufe und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) forderten die Bundesagentur auf, sich stärker für einen Ausbau der Berufsorientierung einzusetzen. Der Rückgang der Ausbildungsverträge sei auch auf zu wenige staatliche Angebote zurückzuführen. Ziel müsse es sein, dass jeder Schulabgänger die Schule mit einer Perspektive verlasse.

Anlässlich der gerade laufenden Woche der Ausbildung wies Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf die Bedeutung der dualen Ausbildung hin. Um junge Menschen zu erreichen, müssten gerade in Zeiten von Corona neue Wege gegangen werden. Die digitalen Beratungsangebote der Arbeitsagenturen seien dazu ein wichtiger Baustein. Das Land informiere Jugendliche, Eltern, Unternehmen sowie Lehrkräfte mit der Informationsplattform „Von AzuB“ über duale Ausbildung, Berufe und Ansprechpartner.

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