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In Hessens Schulen gibt es bald mehr Alltagswissen im Unterricht

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Von: Peter Hanack

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Ist die Schule zu Ende, wartet das echte Leben. Unterricht in Hessen soll darauf nun besser vorbereiten.
Ist die Schule zu Ende, wartet das echte Leben. Unterricht in Hessen soll darauf nun besser vorbereiten. © Renate Hoyer

Das neue hessische Schulgesetz soll Lernen und Lehren modernisieren. Kritik gibt es an den Regeln für den Ganztagsausbau und der Nicht-Ausstattung der Schülerschaft mit Tablets.

Hessen hat ein neues Schulgesetz. Der Landtag billigte mit den Stimmen von CDU, Grünen und des fraktionslosen Abgeordneten Rolf Kahnt am späten Dienstagabend den entsprechenden Entwurf der Landesregierung. Es soll den Ganztags-Ausbau beschleunigen und die Digitalisierung voranbringen. Auch mehr Schutz vor Gewalt und mehr lebenspraktische Bildung sollen mit der Novelle in den hessischen Schulen Einzug halten.

Das Gesetz mache die Schulen fit für die Zukunft, zeigte sich Kultusminister Alexander Lorz (CDU) überzeugt. Digitales Lernen und Lehren werde ebenso gestärkt wie die Alltagskompetenzen der Schüler und Schülerinnen. Verbessert werde zudem der Schutz vor Gewalt und sexuellem Missbrauch. Auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung werde befördert, so Lorz. So können die Städte und Kreise als Schulträger künftig auch ohne einen entsprechenden Beschluss der Schulkonferenz Ganztagsangebote einrichten.

Verantwortung abgeschoben

Daran machte sich allerdings auch ein Großteil der Kritik fest. Es fehle ein echter Impuls für mehr Ganztagsschulen, monierte Christoph Degen (SPD). Die Verantwortung für den Ausbau werde auf die Schulträger abgeschoben. Ähnlich argumentierte Elisabeth Kula (Linke). Das Land sei „fein raus“, sagte sie.

Die Landesregierung müsse mehr Verantwortung übernehmen, forderte auch Moritz Promny (FDP). Auch Rolf Kahnt, der die Gesetzesnovelle insgesamt begrüßte, forderte mehr Engagement das Landes. „Wir brauchen einen flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen“, da fehle der Landesregierung der „Mut zum großen Wurf“.

Auf positive Resonanz stießen andere Neuerungen. So soll das Fach Politik und Wirtschaft bzw. Geographie künftig bis zum Abitur verpflichtend bleiben. Das stärke die Demokratiebildung, lobten Redner:innen. Zudem sollen die Themen Verbraucherschutz, Finanzwesen und Brandschutz im Unterricht eine größere Bedeutung erhalten.

Mehr Schutz vor Gewalt

Auch müssen Schulen verpflichtende Konzepte zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt und sexuellem Missbrauch erstellen. Daniel May (Grüne) hob hervor, dass die Förderung von Schülern und Schülerinnen mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie (Rechenstörung) verbessert werde.

Unzufrieden dagegen zeigte sich die Opposition mit den Vorgaben für die Ausstattung der Schülerschaft mit mobilen Endgeräten. Diese sollen in der Regel von den Schülern und Schülerinnen selbst angeschafft werden. Lediglich für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen sollen sie kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Keine kostenlosen Tablets

„Damit fehlt eine echte digitale Lernmittelfreiheit“, sagte SPD-Mann Degen. Es sei sozial ungerecht, wenn ärmere Familien nur ältere Geräte erhielten oder sich nur günstige Modelle leisten könnten, während andere mit besseren Geräten von Zuhause versorgt würden, argumentierte Linken-Frau Kula. In Bremen und im Saarland gibt es dagegen kostenlose Tablets für alle.

Keine Mehrheit fanden kurzfristig angebrachte Änderungsanträge der Linken auf kostenlose Schülertickets für alle und die FDP-Forderung nach der flächendeckende Einführung eines Fachs Informatik.

Gegen die Novelle stimmten die Fraktionen von SPD, AfD und Linken, die FDP enthielt sich.

Siehe Kommentar „Nur in Ansätzen gut“

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