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Erster Halt: ein Neugeborenes mit dem Daumen einer Hebamme in der Main-Taunus-Klinik. Foto: Renate Hoyer
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Erster Halt: ein Neugeborenes mit dem Daumen einer Hebamme in der Main-Taunus-Klinik.

Hessen

In Hessen wird das Hebammen-Studium zum Standard

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Der Landtag debattiert über die Akademisierung des Berufs. Und Versorgungslücken, die dadurch nicht geschlossen werden.

Auf diese Aufwertung ihres Berufs haben Hebammen lange gewartet. Weibliche wie die wenigen männlichen, die bis vor einem Jahr „Entbindungspfleger“ hießen. Zu diesem Zeitpunkt beschloss Deutschland auch die Akademisierung der Ausbildung – als letztes Land in der gesamten Europäischen Union.

In Hessen können Hebammen bereits seit rund zehn Jahren in Fulda studieren. Doch in zwei Jahren soll die duale Ausbildung zum Standard werden. Mindestens 140 Studienplätze will das Land jährlich in Fulda, Frankfurt und Gießen schaffen. Bislang gibt es 120 Ausbildungsplätze in der Geburtshilfe in Hessen. Grund für die Grünen-Fraktion, den Zuwachs und das Konzept aus dem Haus ihrer Parteifreundin, Wissenschaftsministerin Angela Dorn, im Landtag zu würdigen und zur Diskussion zu stellen. Dorn zufolge hat das Land für die Ausbildung in den nächsten sechs Jahren rund 22 Millionen Euro eingeplant.

Über den großen Wert der Arbeit der Hebammen herrschte am Mittwoch fraktionsübergreifende Einigkeit. Nicht aber darüber, ob 20 zusätzliche Ausbildungsplätze ein Grund zu feiern sind. Schnell ging es um Grundsätzliches – den seit Jahren bekannten und beklagten Hebammenmangel, gegen den nach Meinung der Opposition mehr unternommen werden muss.

„Das ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“, urteilte die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Christiane Böhm. Die Aufwertung der Hebammenausbildung sei überfällig. Doch die grundlegenden Versorgungsprobleme würden nicht gelöst. „Von einer Eins-zu-eins-Betreuung bei der Geburt sind wir in Hessen weit entfernt.“ Seit 2008 sei ein Drittel aller hessischen Geburtsstationen geschlossen worden. „Von flächendeckender Versorgung kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein.“

Bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen forderte die SPD-Landtagabgeordnete Daniela Sommer. Die schwarz-grüne Landesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag vieles angekündigt und wenig umgesetzt. „Wo bleiben die längst überfälligen Konzepte für die Sicherung der Geburtshilfe und für die Vor- und Nachsorge, um Familien bereits in der Schwangerschaft, vor allem aber auch nach der Geburt zu unterstützen?“ Rund ein Drittel aller Kinder in Hessen kämen per Kaiserschnitt zur Welt, die für Kliniken lukrativer sind. „Es gibt keine Initiative für eine finanzielle Förderung der physischen Geburt.“

Ministerin Dorn geht davon aus, dass die Akademisierung der Ausbildung den Stellenwert der Hebammen im Gesundheitswesen verbessern wird und damit ihr Einkommen. Als erster Gesundheitsberuf werde er neben der Medizin vollständig an der Hochschule verortet sein. Hebammenkunde werde als wissenschaftliches Gebiet gestärkt, Forschungsfragen rund um die Geburt würden um eine wichtige Perspektive erweitert. „Gebärende Frauen werden mehr in den Mittelpunkt gerückt“, sagte die Wissenschaftsministerin. Und schon bald könnten Hebammen ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden.

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