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Grundwasserstände fast überall sehr niedrig: Umweltministerium sieht keinen Grund zur Panik

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Von: Peter Hanack

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Nur jede dritte Messstelle liegt auf dem normalen Niveau. Dabei steigt der Wasserverbrauch noch. Das hessische Umweltministerium sieht die Versorgung dennoch gesichert

Darmstadt – In Südhessen steigt der Wasserverbrauch gerade in trockenen Jahren. Das belegt die Statistik des Regierungspräsidiums Darmstadt. Auch 2022 ist wieder trocken und heiß, die Grundwasserpegel sinken. Das hessische Umweltministerium aber sagt, die Situation sei nicht dramatisch.

Im Regierungsbezirk Darmstadt, der ganz Südhessen inklusive Frankfurt umfasst, lag der Wasserverbrauch im Jahr 2020 bei rund 247 Millionen Kubikmetern. Das zeigt die neueste Statistik aus dem Regierungspräsidium. Im Jahr davor, also 2019, waren es noch rund 241 Millionen Kubikmeter gewesen.

Menschen in Südhessen verbrauchen 132 Liter Trinkwasser pro Person am Tag

Durchschnittlich haben die Einwohner:innen 2020 jeweils 132 Liter Trinkwasser am Tag verbraucht, fünf Liter mehr als 2019. 2020 war ein ausgeprägtes Trockenjahr, wie 2018. In solchen Jahren ist der Wasserbedarf laut Regierungspräsidium erfahrungsgemäß etwa fünf Prozent höher als in einem Normaljahr. Für das wieder sehr heiße und trockene Jahr 2022 gibt es noch keine entsprechenden Zahlen.

Noch spiegelt sich die Frankfurter Skyline im Main. Die Pegelstände in den Flüssen in Südhessen sind derzeit mehrheitlich sehr niedrig.
Noch spiegelt sich die Frankfurter Skyline im Main. Die Pegelstände in den Flüssen in Südhessen sind derzeit mehrheitlich sehr niedrig. © Alexander Schmitz/PantherMedia/Imago

In den Landkreisen wird statistisch betrachtet weniger Wasser (128 Liter) verbraucht als in den kreisfreien Städten (143 Liter) – weil Pendelnde, Studierende, Schulkinder und sonstige Besucher:innen in den Städten zwar Wasser verbrauchen, dort aber nicht in die Pro-Kopf-Berechnung eingehen.

Südhessen: Verbreitete Anschaffung von Pools lässt Wasserverbrauch steigen

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns ließen 2020 den Verbrauch in Wohngebieten im Vergleich zu den Gewerbe-, Verwaltungs- und Dienstleistungsstandorten steigen – ursächlich dafür: Homeoffice, Homeschooling und die verbreitete Anschaffung privater Pools.

Trotz Dürre, ausbleibender Regenfälle und vielerorts versiegender Quellen schätzt das hessische Umweltministerium die Lage als nicht dramatisch ein. Fallende Grundwasserstände im Sommerhalbjahr stellten den Normalfall dar, heißt es. Niederschlagswasser komme kaum im Grundwasser an, da ein Großteil verdunste und von der Vegetation verbraucht werde.

Südhessen: 40 Prozent der Messstellen mit sehr niedrigem Grundwasserstand

Nach Angaben des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bewegten sich Ende Juli die Grundwasserstände in Hessen an 29 Prozent der Messstellen auf durchschnittlichem Niveau. Rund 23 Prozent wiesen unterdurchschnittliche Stände auf. Sehr niedrige Grundwasserstände seien an 40 Prozent der Messstellen beobachtet worden. An jedem hundertsten Messpunkt seien überdurchschnittliche oder sehr hohe Grundwasserstände zu sehen gewesen.

Im Hessischen Ried werde das Grundwasser durch Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser künstlich angereichert. Dort werde der Zufluss so gesteuert, dass mittlere Grundwasserstände erreicht würden. Außerhalb der Rheinwasserinfiltration bewegten sich die Grundwasserstände zwar vermehrt auf niedrigem Niveau – aber „im Einklang mit den Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplans“, so das Ministerium.

„Grundsätzlich kann die Versorgung in Hessen trotz lokaler Einschränkungen und jahreszeitlich sowie witterungsbedingten Sinkens der Grundwasserstände derzeit als gesichert angesehen werden.“ Die Verhängung eines landesweiten oder auch nur regionalen Wassernotstands – wie ihn zuletzt mehrere Naturschutzverbände gefordert hatten, lasse sich nicht rechtfertigen. (Peter Hanack)

Zuletzt forderten Umweltverbände, in ganz Hessen den Wassernotstand auszurufen.

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