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In Hessen kommt mehr Strom aus Sonne, Wind und Kohle

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Von: Peter Hanack

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Viele Schwellenländer haben wegen einer CO2-Bepreisung Vorbehalte.
Qualmt wieder: Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg bei Hanau. © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Energiemix beim Strom verändert sich in Hessen wegen des Ukrainekriegs. Die erneuerbaren Energien legen zu, aber auch die Verstromung der Kohle erlebt eine Renaissance.

Mehr als die Hälfte des in Hessen erzeugten Stroms stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Gestiegen ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gleichzeitig aber auch der Anteil von Kohle, die für die Erzeugung von Elektrizität verfeuert worden ist. Das geht aus dem neuesten Monitoringbericht des Wirtschaftsministeriums hervor.

„Seit zehn Jahren hat sich der Anteil der in Hessen erzeugten erneuerbaren Energie verdoppelt“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bei der Vorstellung des Berichts in Wiesbaden. Der Trend werde sich weiter fortsetzen, zeigte er sich überzeugt.

Atomstrom gibt es nicht mehr

Tatsächlich hat sich der Strommix, also die Zusammensetzung der zur Stromerzeugung genutzten Quellen, seit dem Jahr 2000 sehr stark verändert. Damals lag der Anteil der Atomkraft (Kernkraftwerk Biblis) bei 56 Prozent, Kohle bei 27, Erdgas bei 12 Prozent. Erneuerbare machten damals gerade einmal drei Prozent der Stromerzeugung aus.

2021 sah das schon anders aus. Atomstrom aus Hessen gibt es seit der Stilllegung der Reaktoren in Biblis überhaupt nicht mehr. Der Gasanteil wuchs auf rund ein Drittel, Kohle machte nur noch zwölf Prozent aus.

Photovoltaik nimmt zu

Doch der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die damit einher gehende Energiekrise haben die Situation noch einmal deutlich verändert. Zwar stieg der Anteil der Erneuerbaren auf 49 Prozent in 2021 und liegt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums aktuell sogar bei 58 Prozent. Gas machte im ersten Halbjahr 2022 dagegen nur noch 15 Prozent aus, dafür verdoppelte die Kohle ihren Anteil nahezu auf nun wieder 21 Prozent. So viel war es zuletzt 2016 gewesen. Nach Auskunft Al-Wazirs gibt es in Hessen gerade einen großen Zuwachs an Photovoltaik-Anlagen. Im ersten Halbjahr sei bereits ähnlich viel Leistung installiert worden wie im gesamten Jahr 2021. „2022 wird für die aus Sonne erzeugte Energie ein Rekordjahr“, sagte der Minister. Die jüngst beschlossenen Erleichterungen für den Bau von Solaranlagen würden deren Ausbau noch weiter voranbringen. In Hessen kann nun beispielsweise bei Reihen- oder Doppelhäusern ein größerer Anteil der Dachfläche genutzt werden, weil im neuen Energiegesetz Abstandsregeln verändert worden sind.

akzeptanz für Biomasse hoch

Biomasse genießt angesichts der Energiekrise eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Das geht aus der jährlichen, repräsentativen Akzep-tanzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervor.

32 Prozent der Befragten sprachen sich für eine stärkere Nutzung von Waldholz aus. 64 Prozent sind für eine gleichbleibende oder stärkere Nutzung von Energiepflanzen, nur 18 Prozent für eine Reduzierung. pgh

Gut die Hälfte der erneuerbaren Energie stammte im ersten Halbjahr 2022 aus der Windkraft. Die Photovoltaik machte etwa ein Viertel aus, etwas mehr als zehn Prozent stammten aus Biomasse.

Mehr Elektroautos

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb. Sie hat sich in den drei vergangenen Jahren jedes Jahr verdoppelt und liegt inzwischen bei gut 55 000 Personenkraftwagen. Damit konnte aber der Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladepunkte nicht Schritt halten. Ihre Zahl stieg auf zuletzt knapp 4800.

Monitoringbericht Energiemix Hessen auf wirtschaft.hessen.de

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