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In Hessen ist jeder dritte Laden in der Existenz bedroht

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Von: Peter Hanack

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Licht an, damit auch die Geschäfte laufen. Das erscheint wichtig für den Handel in Hessen.
Licht an, damit auch die Geschäfte laufen. Das erscheint wichtig für den Handel in Hessen. © dpa

Das Weihnachtsgeschäft läuft nur verhalten. Und die Energiepreise sind hoch. Das könne zu vielen Geschäftsaufgaben führen, fürchtet der Hessische Handelsverband.

Deutlich höhere Preise für Energie sowie die Zurückhaltung der Kundschaft beim Einkauf machen dem hessischen Einzelhandel zu schaffen. Auch das Weihnachtsgeschäft läuft eher schleppend.

Der Umsatz im hessischen Einzelhandel ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Waren es im Weihnachtsgeschäft 2021 rund 9,9 Milliarden Euro, könnten die Händler:innen aktuell 10,5 Milliarden Euro umsetzen. Doch das ist vor allem auf die höheren Preise zurückzuführen. Inflationsbereinigt ergebe sich über alle Branchen hinweg insgesamt ein Minus von vier Prozent, bilanzierte Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt. Knapp 40 Prozent der Kunden wollten weniger Geld zu Weihnachten ausgeben, nur sieben Prozent dagegen mehr.

Das trifft den Handel gerade deshalb besonders hart, weil auf der anderen Seite die Ausgaben deutlich gestiegen sind, vor allem wegen der Energiekosten.

Viele verzichten auf Weihnachtsbeleuchtung

Zwar sei der Anteil von Strom und Heizung mit zwei Prozent der Gesamtkosten in ihrem Kaufhaus eigentlich eher gering, erläuterte Verbands-Vizepräsidentin Tatjana Steinbrenner, die in Bensheim ein Haus in dritter Generation führt. Allerdings seien diese Energiekosten auf das Doppelte bis Dreifache geklettert. Angesichts der branchenüblichen Gewinnspanne von zwei bis drei Prozent sei dieser Anstieg für viele Unternehmen bedrohlich. 35 Prozent seien dadurch wirtschaftlich gefährdet.

Tatsächlich will auch jedes vierte Geschäft auf eine eigene Weihnachtsbeleuchtung verzichten, wie eine Umfrage des Handelsverbands ergeben hat. Ein gutes Drittel werde diese im Vergleich zum Vorjahr zumindest reduzieren.

Geschenke-Hits zu Weihnachten

Zu Weihnachten liegen wohl vor allem Geschenkgutscheine unterm Baum. Das zeigt das Konsumbarometer des Deutschen Handelsverbands.

Gutscheine wollen 30 Prozent verschenken, Spielwaren sowie Bücher liegen bei rund 28 Prozent der Deutschen unterm Baum, 22 Prozent verschenken Kosmetik, 20 Prozent Kleidung, 19 Prozent Bargeld. pgh

Das Energiesparen habe aber seine Grenzen, argumentierte Steinbrenner. „Wenn in den Geschäften die Lichter ausgehen und die Rolltreppen nicht mehr laufen, braucht man auch gar nicht mehr aufmachen“, sagte sie. Ganz schlimm sei auch, wenn die Schaufenster dunkel blieben oder Fußgängerzonen nicht mehr beleuchtet würden. Die aktuellen Energiepreise führten bei einem Drittel der Läden dazu, dass diese nicht mehr nach dem bisherigen Konzept zu betreiben seien, berichtete Rohde.

Einen immer größeren Anteil macht im hessischen Einzelhandel das Online-Geschäft aus, wobei dies nach Branchen und Unternehmen sehr unterschiedlich verteilt ist. Waren es vor Corona im Kaufhaus von Tatjana Steinbrenner nach deren Angaben rund zwei Prozent vom Umsatz, die über die virtuelle Ladentheke gingen, sei dieser Anteil auf inzwischen knapp zehn Prozent gestiegen. „Ich gehe davon aus, dass er sich bei rund 15 Prozent einpendeln wird“, sagt die Verbands-Vizepräsidentin.

Online-Handel verdoppelt

Insgesamt lag der Online-Umsatz in Deutschland nach Zahlen des Deutschen Handelsverbands 2021 bei etwas unter 87 Milliarden Euro, wobei das Weihnachtsgeschäft knapp ein Viertel ausmacht. Damit hat sich der Online-Handel innerhalb von fünf Jahren in etwa verdoppelt.

Um bestehen zu können, müssten Einzelhändler beide Kanäle, also den stationären ebenso wie den Online-Handel, „professionell bespielen“, so Steinbrenner. Zugleich müsse viel dafür getan werden, die Kaufhäuser und die Innenstädte attraktiv zu halten. Dann hätten diese auch eine Chance auf eine gute Zukunft. In den vergangenen Jahren habe dabei das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ sehr geholfen.

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