1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

In Hessen bleiben die Kirchen kalt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Wer in einer Einrichtung der katholischen Kirche arbeiten will, sollte ihr besser auch angehören
Beten und Frieren: So könnte es diesen Winter in vielen Gotteshäusern in Hessen sein. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Sitzkissen, Decken, Gottesdienste im Freien: Katholiken und Protestanten suchen Wege, Energie und Kosten zu sparen. Dennoch erwarten die Gemeinden Mehrkosten in Millionenhöhe.

Die Energiekrise trifft auch die vielen Kirchengemeinden in Hessen hart. Allein das katholische Bistum Limburg, zu dem auch Frankfurt gehört, rechnet mit Mehrkosten in einem zweistelligen Millionenbereich – allen Sparbemühungen zum Trotz.

Bei der evangelischen Kirche sollen beispielsweise Flure kalt bleiben und Büros nicht höher als 19 Grad geheizt werden. Auch die Fassadenbeleuchtungen sollen ausgeschaltet bleiben. Bei den Kirchengebäuden gelten bereits seit geraumer Zeit Richtlinien, wonach die Gotteshäuser in der Woche nicht über sieben und zum Gottesdienst nicht über 15 Grad aufgeheizt werden sollen. In einem Rundschreiben an alle Gemeinden regt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zudem an, im Winter zu Gottesdiensten gegebenenfalls in Gemeindesäle oder auch ins Freie auszuweichen. Auch verkürzte oder digitale Feiern sowie die Nutzung von Sitzkissen und Decken werden vorgeschlagen.

Wie es bei der katholischen Kirche konkret aussieht, haben wir in einem kurzen Frage-und-Antwort-Text zusammengefasst.

Wie viele der katholischen Kirchen im Bistum Limburg werden in diesem Winter geschlossen bleiben?

Die katholischen Pfarreien sind selbstständige Körperschaften, die Kirchen gehören den jeweiligen Pfarreien. Sie entscheiden selbst, ob sie geöffnet bleiben oder schließen.

Was empfiehlt das Bistum?

Die Empfehlung lautet, die Kirchengebäude vollständig zu schließen, die Heizung auszuschalten und sie lediglich vor Frost zu schützen. Außerdem muss die Luftfeuchtigkeit überwacht werden, um Schimmelbefall und Schäden am Gebäude, Ausstattungen oder Orgeln zu vermeiden. Das Bistum finanziert bis zu vier Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsgeräte pro Pfarrei.

Ist ein Schließen überall möglich?

Das geht nur, wenn Gottesdienste und Veranstaltungen in kleinere und leichter beheizbare Räume verlegt werden können.

Was, wenn keine alternativen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen?

Die Heizung soll dann ausgeschaltet werden, die Raumtemperatur bei höchstens fünf Grad liegen. Selbst für Gottesdienste und Veranstaltungen soll die Temperatur nicht erhöht werden.

Was können Pfarreien sonst noch tun, um Energie zu sparen?

Sie sollen die Heizungsanlage und deren Einstellung überprüfen lassen. Das Bistum unterstützt zudem die Einstellung und die Überprüfung von Heizungsanlagen mit 250 Euro pro Kirchenheizung. Jede weitere Heizungsanlage wird mit 150 Euro gefördert. Außerdem sollen die Kirchen nicht angestrahlt werden.

Wo außer bei den Kirchengebäuden gibt es Sparpotenzial?

Gemeindezentren oder Pfarrhäuser sollen möglichst vorübergehend geschlossen werden. Dabei können Gemeinden auch zusammenarbeiten. Gemeindezentren und Pfarrhäuser sollten auf maximal 19 Grad geheizt werden, Lager, Küchen und Sanitärbereiche am besten überhaupt nicht. In Kühlschränken sollte die Temperatur auf sieben Grad und im Gefrierfach auf minus 18 Grad eingestellt sein. Boiler für das Warmwasser zum Händewaschen sollen ausgeschaltet werden.

Wie hoch schätzt das Bistum trotz aller Sparbemühungen die Mehrkosten ein? Und wer soll diese tragen?

Die Kirchen im Bistum Limburg werden überwiegend mit Gas beheizt. Die Diözese rechnet bei den Pfarreien mit einem finanziellen Mehraufwand im zweistelligen Millionenbereich. Ein Drittel soll durch Energiesparen ausgeglichen werden, ein Drittel zahlt das Bistum, ein Drittel die Pfarreien selbst.

Zusammengestellt von Peter Hanack

Auch interessant

Kommentare