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In Fulda ist man schneller als das Hochwasser

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Von: Peter Hanack

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Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörungen an der Ahr, nachdem in der Nacht auf den 15. Juli 2021 eine Flutwelle den Ort überschwemmt hat. Ein knappes Jahr nach den verheerenden Hochwassern durch starke Regenfälle in Teilen Westdeutschlands bekräftigen Forscher Warnungen vor häufigerem Extremwetter durch den Klimawandel.
Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörungen an der Ahr, nachdem in der Nacht auf den 15. Juli 2021 eine Flutwelle den Ort überschwemmt hat. © Boris Roessler/dpa

Neues Frühwarnsystem soll Menschen bei Starkregen alarmieren und Katastrophen wie im Ahrtal verhindern helfen. Das Projekt im Landkreis Fulda könnte für ganz Hessen Vorbild sein.

Die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 hat unübersehbar vor Augen geführt, wie verheerend die Naturgewalten in Deutschland – und damit auch in Hessen – wüten können. Im Landkreis Fulda soll nun ein Alarmsystem frühzeitig vor Starkregen und Überschwemmungen warnen – als erstes und bislang einziges seiner Art in Hessen.

In Sekundenschnelle kann der Alarm ausgelöst werden. 200 Sensoren in Abwasserkanälen, an Brücken, öffentlichen Gebäuden und Gewässern messen den aktuellen Niederschlag, die Pegelstände und das Abflussverhalten des Wassers. Diese Daten werden mit Informationen des Deutschen Wetterdienstes kombiniert und beinahe zeitgleich analysiert. Werden die Werte kritisch, alarmiert das System per SMS, E-Mail oder Sprachanruf Rettungskräfte, Behörden und Anwohner:innen.

Zeitvorsprung soll Leben retten

„Dieses System kann den Katastrophenfall nicht verhindern, aber es verschafft einen wichtigen Zeitvorsprung, um sofort alle Beteiligten zu warnen und damit Menschenleben zu retten“, sagte Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) am Mittwoch in Eichenzell bei Fulda.

Erprobt wird das Starkregen-Frühalarmsystem in vier Pilotkommunen im Kreis Fulda. Installiert ist es bereits in Eichenzell, Ebersburg, Burghaun und Neuhof. Bis Ende nächsten Jahres soll es in weiteren 19 Städten und Gemeinden des osthessischen Landkreises verfügbar sein.

Mehr als 130 Menschen starben, rund 500 Gebäude wurden zerstört. So schlimm wie 2021 im Ahrtal soll es nicht noch einmal werden. Doch folgenschwere Überschwemmungen mit großen Schäden gibt es auch in Hessen immer wieder.

Förderung in Hessen

Das Programm „Starke Heimat Hessen“ soll landesweit den Ausbau des Mobilfunks und des Breitbands sowie die Digitalisierung des ländlichen Raums voranbringen.

49 Anträge wurden bislang genehmigt, von den bewilligten Mitteln fließen laut Digitalministerium mehr als 70 Prozent in den ländlichen Raum.

Rund 400 Millionen Euro stehen von 2020 bis 2024 dafür zur Verfügung, 100 Millionen Euro davon für die Digitalisierung der Kommunen. pgh

Weitere Informationen unter digitales.hessen.de

Das Projekt des Landkreises Fulda wird vom Landesprogramm „Starke Heimat Hessen“ gefördert. Es ist laut Sinemus das erste und bisher einzige Vorhaben, das einen kompletten Landkreis bei drohender Gefahr in mehreren Stufen warnen kann. 830 000 Euro hat das Land dafür zur Verfügung gestellt.

Die Erfahrungen mit dem System und dessen Technik sollen dann auf weitere Landkreise in Hessen übertragen werden, so Sinemus. Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) sieht in dem Pilotprojekt die Möglichkeit, die „Kommunen in ihrer Klimaresilienz zu stärken“. Die Strategien für die Anpassung an den Klimawandel und dessen Folgen würden dabei mit neuesten Technologien und der Digitalisierung zusammengebracht. Dabei bleibe es dank der Landesförderung nicht bei einer „punktuellen Betrachtung“, sondern es profitiere der gesamte Landkreis, so Woide.

Viele Beteiligte

Daran mitgearbeitet haben die Untere Wasserbehörde des Landkreises Fulda, Vertreterinnen und Vertreter des Amtes für Bodenmanagement sowie mehrerer Firmen. Beteiligt waren zudem der „Runde Tisch Geodateninfrastruktur“, das Regierungspräsidium Kassel sowie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

„In diesem Projekt geht es auch um Teilhabe und Sensibilisierung für die Folgen von Extremwetterlagen. So wurden und werden beispielsweise bei der Auswahl der Standorte der Sensoren neben den Erfahrungen der Gemeindeverwaltungen und aussagekräftigen Starkregen-Hot-Spot-Karten auch die Bürgerinnen und Bürger über eine digitale Beteiligungsplattform eingebunden“, so die Fachdienst- und Projektleiterin Ramona-Margarita Ruppert.

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