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Corona in Hessen: Regierung erarbeitet Impfstrategie

  • Pitt v. Bebenburg
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Die Landesregierung bereitet einen Schutz für die Hälfte der Bevölkerung vor. Die hessische FDP plädiert für die Standorte Flughafen oder Messe.

  • Ein Corona-Impfstoff könnte bereits im Dezember eingesetzt werden.
  • Das Land Hessen will am Montag (23.11.2020) seine Impfstrategie vorstellen.
  • Laut einem Medienbericht sind 30 Impfzentren in Hessen geplant.

Wiesbaden - Die schwarz-grüne Landesregierung bereitet sich darauf vor, dass ein Corona-Impfstoff noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen könnte. Dann sollten in Hessen 30 Zentren für jeweils bis zu 1000 Impfungen am Tag aufgebaut werden, berichteten die FDP-Fraktion im Landtag und der Hessische Rundfunk unter Berufung auf Informationen aus der Landesregierung.

Vom zuständigen Sozialministerium gab es dafür bis Redaktionsschluss für die Samstagsausgabe dieser Zeitung keine Bestätigung, aber auch kein Dementi. Sprecherin Susanne Rothenhöfer sagte auf Anfrage, das Ministerium informiere „dann, wenn wir dies auch sachgerecht tun können“. Am Freitagabend kam dann die Einladung: Am Montag wollen Ministerpräsident Volker Bouffier, Innenminister Peter Beuth (beide CDU) und Sozialminister Kai Klose (grüne) gemeinsam die Impfstrategie für Hessen vorstellen.

Ein Autofahrer wird auf das Virus getestet.

Corona-Impfung: FDP in Hessen fordert Großzentren mit hoher Impfkapazität

Nach Auffassung des FDP-Gesundheitspolitikers Yanki Pürsün würden 30 Impfzentren mit jeweils 1000 Impfungen nicht ausreichen. Darüber hinaus seien „Großzentren mit höherer Impfkapazität“ notwendig. „Da ist das Land in der Pflicht.“ Der FDP schweben nach eigenen Worten große Zentren vor, in denen mehr als 10.000 Menschen, möglicherweise sogar 30.000, täglich geimpft werden könnten. Denkbar sei, sie auf dem Messegelände oder am Flughafen unterzubringen, regte Pürsün an. Dort müsse die Infrastruktur geschaffen werden, um den Impfstoff kühlen zu können. Nach Angaben der Landesärztekammer ist eine Kühlung bei Temperaturen von minus 20 bis minus 80 Grad erforderlich.

Nach Auffassung der FDP müssen Hausärzte und -ärztinnen einbezogen werden, damit sie flächendeckend die Impfung anbieten könnten. Der Vorschlag umfasst auch mobile Einheiten, die in Altenheime fahren könnten, „also zu jenen Menschen, die möglicherweise körperlich nicht mehr in der Lage sind, ein stationäres Zentrum aufzusuchen“.

Corona in Hessen: Regierung plant offenbar 30 Impfzentren

Der Hessische Rundfunk berichtete ebenfalls von Plänen der Regierung, 30 Impfzentren aufzubauen. Sie sollten sieben Tage in der Woche arbeiten. Angestrebt werde, rund 3,8 Millionen Hessinnen und Hessen gegen Corona zu impfen. Das wäre mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer gehen davon aus, dass ihr Impfstoff womöglich schon im Dezember eingesetzt werden kann. Zahlreiche Bundesländer haben Impfstrategien erarbeitet. Die FDP im Landtag forderte eine solche Strategie auch für Hessen. „Es darf keinen zeitlichen Verzug geben, denn hier geht es um Menschenleben“, sagte Fraktionschef René Rock am Freitag in Wiesbaden.

Rock und der FDP-Gesundheitspolitiker Yanki Pürsün nannten das Ziel, dass bis zum Sommer etwa die Hälfte der Bevölkerung gegen den Erreger von Covid-19 geimpft werde. Dann bestehe die Chance, in der zweiten Jahreshälfte 2021 „wieder zu einem normaleren Leben zurückzukommen“, formulierte der Fraktionsvorsitzende Rock. Ein ähnliches zeitliches Ziel scheint auch die Regierung zu haben.

Alle Fraktionen im Landtag lehnen eine Impfpflicht ab. Sie sei nicht erforderlich, bekräftigte Pürsün. Das solle das Parlament ausdrücklich beschließen, um Bedenken auszuräumen.

Welche Strategie für Corona-Impfungen haben andere Bundesländer?

Der FDP-Politiker schilderte, welche Impfstrategien bereits in anderen Bundesländern verabschiedet worden seien und wie sie die Standorte für Impfzentren festlegten. So plane Berlin mit sechs Zentren, unter anderem an der Berliner Messe für 20.000 Menschen täglich sowie an den ehemaligen Flughäfen Tempelhof und Tegel. Auch mehrere Stadien oder Arenen seien in der Bundeshauptstadt als Standorte vorgesehen.

Manche Länder planten mehr Zentren, die jedoch geringere Kapazitäten hätten. So seien in Niedersachsen bis zu 60 Zentren für jeweils bis zu 4000 Personen pro Tag vorgesehen, außerdem mobile Teams für Pflegeheime und weitere Einrichtungen. Mehrere Bundesländer sähen vor, in jeder Großstadt und jedem Landkreis mindestens ein Testzentrum einzurichten, etwa Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen.

Die Landesärztekammer mahnte, dass nur Ärztinnen und Ärzte die Impfung verabreichen dürften und nicht, wie von Nordrhein-Westfalen vorgeschlagen, auch Zahnmediziner:innen. Präsident Edgar Pinkowski sagte, es sei noch völlig unklar, ob der neuartige Impfstoff „überhaupt bei allen Personengruppen, insbesondere Risikogruppen, eingesetzt werden“ könne. Auch die Frage, bei welchen Vorerkrankungen er nicht zur Anwendung kommen dürfe, sei noch offen. Anamnese, Aufklärung und Abklärung von Krankheiten setzten eine ärztliche Ausbildung voraus. (Pitt von Bebenburg)

Rubriklistenbild: © Michael Schick

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