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Erste Hausarztpraxen in der Wetterau beginnen mit dem Impfen älterer Menschen gegen das Coronavirus.
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Erste Hausarztpraxen in der Wetterau beginnen mit dem Impfen älterer Menschen gegen das Coronavirus.

Corona-Pandemie

Kampf gegen Coronavirus in Hessen: Im Wetteraukreis impfen ab sofort 30 Arztpraxen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Während in Frankfurt noch keine einzige benannt ist, startet die Impfung gegen das Coronavirus durch Hausärzte im Wetteraukreis. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen fordert, sofort alle Praxen einzubeziehen.

Friedberg – Am Dienstag wurde das Astrazeneca-Serum geliefert. Für den heutigen Freitag steht der erste Testlauf an. Zehn Patientinnen und Patienten hat die Hausarztpraxis in Wöllstadt dafür einbestellt. Alle aufgrund ihres hohen Alters oder wegen einer Krankheit impfberechtigt, doch der Weg zum Impfzentrum nach Büdingen wäre für sie zu beschwerlich. „Wir fangen im kleinen Stil an, um zu prüfen ob unser Konzept aufgeht“, sagt Praxismanagerin Neela Rashid, deren Vater Nasim Rashid mit einem Kollegen die Praxis im Wetteraukreis betreibt.

In ihren Sprechstunden hören die Ärzte seit Wochen immer die Frage: Können Sie mich nicht impfen. „Es besteht ja ein großes Vertrauensverhältnis zu dem Arzt, er kennt die Krankengeschichte.“ Deshalb habe ihr Vater nicht lange gezögert, sich sofort für das Pilotprojekt gemeldet.

Impfung gegen Coronavirus: Wetteraukreis geht in Hessen voran

Das unbürokratische Vorgehen des Wetteraukreises ist eine große Ausnahme in Hessen. Frankfurt weiß noch nicht einmal, welche Praxen bei dem Pilotprojekt mitmachen. Dabei würde er lieber heute als morgen die Hausärzt:innen mit einbinden, sagt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts, Antoni Walczok. „Das ist der notwendige Weg.“ Doch es entziehe sich seiner Kenntnis, wie das Land dies umsetzen will.

Es gebe nur pragmatische Verantwortliche, die gingen auch mal über die Vorgaben des hessischen Innenministeriums hinweg, „Das begrüße ich ausdrücklich“, sagt Eckhard Starke, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. Denn: „Wir müssen den Ärztinnen und Ärzten nicht sagen, wie sie ihre Hausbesuche zu machen haben und welche Patienten sie zuerst impfen sollen.“

Kritik an Impfung gegen Coronavirus in Hessen: „Landesregierung verheddert sich im Kleinklein“

Statt weitere Bürokratie aufzubauen, gelte es möglichst schnell möglichst viele Menschen vor Covid-19 zu schützen. „Die Lösung wäre schon jetzt darüber zu sprechen, wie wir alle Praxen öffnen.“ Stattdessen verheddere sich die Landesregierung einmal mehr im Kleinklein und einem Modellversuch, von dem kaum ein Fortschritt zu erwarten sei. 10.000 Astrazeneca-Dosen für 50 Pilotpraxen bis Ostern. „Das ist noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Am Mittwoch hatte die Landesregierung angekündigt, die niedergelassene Ärztinnen und Ärzte „gezielt in die Impfstrategie einzubinden“. Das ermögliche, flexibler auf größere Lieferungen an Serum zu reagieren. Vorreiter sollen 50 ausgewählte Praxen sein, die sich freiwillig gemeldet hatten.

Impfung gegen Coronavirus: Praxen in Hessen sollen Impfzentren unterstützen

Sie sollten die Impfzentren „bei den häuslichen Impfungen gezielt unterstützen“. Dies selbst zu organisieren, hat das Innenministerium bisher nicht hinbekommen. Noch immer warten rund 57 000 hessische Senior:innen im Alter über 80 Jahre auf ihre Corona-Impfung zu Hause. Erst am Mittwoch erhielten die Impfzentren die erforderlichen Listen mit Namen und Adressen der dafür angemeldeten Personen. Hintergrund waren laut Ministerium datenschutzrechtliche Aspekte.

„Wir sollen diese unliebsame Arbeit jetzt übernehmen“, sagt Christian Sommerbrodt. Der Schatzmeister des hessischen Hausärzteverbands ist auf das „tolle Hessenmodell“ auch nicht gut zu sprechen. Grundsätzlich wollten alle Kolleg:innen am liebsten sofort mit dem Impfen loslegen. Doch die Auflagen des Innenministeriums seien zum Teil nicht nur unpraktikabel, sondern „eine Zumutung“.

Impfung gegen Coronavirus: Kritik an Hessens Strategie

Denn die 50 Praxen sollten nicht etwa ihre eigenen Patient:innen impfen. Sie erhalten eine Liste, die sie abzuarbeiten haben, sagt Sommerbrodt. Bei sechs Hausbesuchen hintereinander in siebeneinhalb Stunden. „So lange kann kein Hausarzt die Praxis alleinlassen.“ Seine Forderung: „Jede Praxis muss nach ihrer eigenen Regie und selbstbestimmt impfen können.“

Dass der Wetteraukreis ein Exot ist, legen die Antworten der Corona-Pressestelle im hessischen Sozialministerium nah: Noch im März stünde das Vakzin für das Modellprojekt zur Verfügung. „Es ist davon auszugehen, dass die Verimpfung dann auch noch im März beginnt“, heißt es.

Impfung gegen Coronavirus in Hessen: Nachschub an Impfstoff nötig

Das Modellvorhaben werde „so lange fortgeführt, bis der Bund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Voraussetzungen geschaffen haben, die Impfungen weitergehend im Rahmen der Regelversorgung durchzuführen“. Das Einbeziehen der Betriebsärzt:innen sei „gleichermaßen sinnvoll und wird unsererseits ebenfalls angestrebt“.

Wie der Wetteraukreis am Donnerstag mitteilte, wurden insgesamt 3500 Dosen Astrazeneca an 30 Hausarztpraxen geliefert. „Unser Ziel ist, dass der Impfstoff möglichst schnell in die Arme der Menschen kommt“, sagte Landrat Jan Weckler (CDU).

Profitieren sollen davon besonders vulnerable Menschen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht in der Lage seien, das Impfzentrum aufzusuchen. 75 Praxen hätten sich insgesamt bereiterklärt. Jetzt fehle nur noch genug Nachschub: „Nur wenn das Impfzentrum mit ausreichend Impfstoff versorgt ist, kann zusätzlicher Impfstoff an die Hausarztpraxen abgegeben werden.“ (Jutta Rippegather)

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