Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Homeoffice in Hessen: Souveränität mit Grenzen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Der Polizist oder die Lehrerin müssen bei der Arbeit präsent sein. Deshalb hält die Landesregierung nichts von einer gesetzlichen Regelung füür Homeoffice.

Das Wirtschaftsministerium war der Vorreiter. Schon vor drei Jahren hatte die Behörde mit wissenschaftlicher Begleitung ein Pilotprojekt zum mobilen Arbeiten gestartet. Als Corona kam, hatten die Teams der beteiligten Referate sich schon per Dienstvereinbarungen verständigt, wie sie künftig arbeiten wollen. „Es gab schon sehr viele Prozesse, wir waren vor eineinhalb Jahren super vorbereitet“, sagt Pressesprecherin Franziska Richter.

Die Geschichte geht noch weiter. Wegen Sanierungsarbeiten im Ministeriumsgebäude sollten einige Abteilungen vorübergehend in gemietete Räume ausquartiert werden. Stattdessen entsteht jetzt im Plenarsaal ein Großraumbüro, in dem die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter an ihren jeweiligen Präsenztagen ihre Laptops einloggen können. Feste Schreibtische gibt es dort nicht.

Der Trend zu mobilem Arbeiten und Homeoffice hat auch die Landesbehörden erfasst. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Das erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, spart lange Wege zum Arbeitsplatz und schont dadurch die Umwelt. Und es gehört dazu, wenn man in der Konkurrenz um die besten Fachkräfte am Arbeitsmarkt mithalten können will. So weit sind sich alle im Hessischen Landtag vertretenen Fraktionen einig.

Doch bei der Frage der Ausgestaltung gehen die Meinungen auseinander. Die FDP unternahm in der vergangenen Woche einen ersten Vorstoß und brachte in der Plenarsitzung einen Gesetzentwurf ein. Demnach sollte eine Vollzeitkraft das Recht auf zwei präsenzfreie Tage pro Woche erhalten.

Keine starren Regeln

Die Regierungskoalition hält angesichts der unterschiedlichen Aufgaben nichts von starren Regeln. Sie setze auf individuelle Dienstvereinbarungen, dieser Weg würde denn auch weiter beschritten, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU).

Ein Gesetz stünde der Notwendigkeit von Flexibilität und Passgenauigkeit entgegen. Richtig sei, dass durch die Pandemie der Bedarf an mobilem Arbeiten gewachsen ist. Das seit 2003 praktizierte Modell der „alternierenden Telearbeit“ werde nun weiterentwickelt. „Der Stellenwert hat sich erhöht“, erklärte Beuth. Die Ausgestaltung sei Aufgabe der Tarifpartner.

Der FDP-Gesetzentwurf wird nun in den zusätzlichen Gremien weiter verhandelt. Bei gewissen Nachbesserungen hätte er gute Chancen auf Zustimmung von SPD, Linke und auch AfD. Doch angesichts der Mehrheit von Schwarz-Grün wird es wohl nichts mit der „Vision“ des digitalpolitischen Sprechers der FDP, Oliver Stirböck. Der Gesetzentwurf seiner Fraktion habe als Ziel ein „Höchstmaß an Arbeitssouveränität“, formuliert er. Die Landtagsverwaltung werde zum Vorbild für die freie Wirtschaft. „Jeder Ort kann ein Büro sein“, sagte Stirböck - von Mallorca bis Indonesien.

Das ging dem Linken-Abgeordneten Torsten Felstehausen dann doch zu weit. Seine Fraktion sei ebenfalls für mehr Flexibilität. Doch nicht ohne „klare Regeln“ bezüglich Arbeitszeit und Arbeitsschutz. Auch Datensicherheit spiele eine wichtige Rolle. Er wolle nicht, dass seine persönlichen Daten im Freibad bearbeitet würden.

Der FDP-Vorstoß sei eine gute Gelegenheit auszuloten, was machbar ist, sagte Sozialdemokrat Günter Rudolph. Er stellte aber infrage, dass dafür tatsächlich ein Gesetz nötig sei. Homeoffice dürfe nicht zu mehr Belastungen und Kosten für die Beschäftigten führen, stellte er klar. Und dass jetzt auch endlich die weißen Flecken bei der Breitbandversorgung verschwinden müssten. Zudem komme manche Tätigkeit nicht aus ohne Präsenz – Beispiel Polizeivollzugsbeamter. „Das würde den Gauner freuen.“

Grüne sehen Rosstäuscherei

Die Gruppe der 81 000 Lehrer:innen und Polizist:innen stellten aber mit Abstand den Großteil der Beamt:innen, die die FDP mit ihrem Gesetzentwurf im Blick habe, sagte Jürgen Frömmrich, Sprecher der Grünen für Landespersonal. De facto würden lediglich 9000 Beamt:innen davon profitieren. „Das ist Rosstäuscherei.“ Auch die Leute von Hessen Mobil sehe er lieber auf der Straße als am heimischen Schreibtisch. Homeoffice habe in der Tat vielfältige Vorteile. „Wann, wo und wie oft es sinnvoll ist, können die Dienststellen aber am besten selber und individuell vor Ort entscheiden.“

Auch im Wirtschaftsministerium haben übrigens nicht alle die Chance, zu Hause zu arbeiten, sagt Sprecherin Richter. „Wer am Flughafen mit den Piloten sprechen muss, kann das nur in Präsenz.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare