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Holzdiebstähle nehmen in Hessens Wäldern stark zu

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Von: Peter Hanack

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Gefällt, geschnitten, aufgeschichtet, gestohlen. Das passiert mit dem Holz in Hessens Wäldern in letzter Zeit immer häufiger.
Gefällt, geschnitten, aufgeschichtet, gestohlen. Das passiert mit dem Holz in Hessens Wäldern in letzter Zeit immer häufiger. © Sascha Rheker

Hohe Preise und Lieferengpässe führen zu stark steigenden Zahlen bei Delikten. Die Überwachung aber ist schwierig.

Hohe Energiepreise und die Sorge, im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen, verleiten offenbar immer mehr Menschen dazu, illegal Holz zu entwenden. Sowohl der Landesbetrieb Hessenforst als auch die privaten Waldbesitzer beklagen eine sprunghaft angestiegene Zahl von Holzdiebstählen.

Einer der spektakulärsten Fälle ereignete sich kürzlich im Forstamtsbezirk Weilrod. Dort wurden zwei komplette Lastwagenladungen Stämme, allesamt stolze vier bis sieben Meter lang, geklaut. Insgesamt rund 50 Festmeter mit einem Verkaufswert von rund 3400 Euro, wie ein Mitarbeiter des Forstamts berichtete.

So etwas ist natürlich etwas für Profis, denn ohne Lastwagen und Kran kann man sich solche Mengen kaum unter den Nagel reißen. Genaue Zahlen dazu, wie viel aus hessischen Wäldern geklaut wird, gibt es nicht. Dass es aber deutlich mehr geworden ist, spürt nicht nur die Landesbehörde Hessen-Forst, sondern bereitet auch den privaten Waldbesitzern in Hessen Sorgen.

„Holzdiebstahl war latent schon immer ein Thema“, sagt Christian Raupach, geschäftsführender Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbands. Seit Beginn der Energiekrise aber seien die Zahlen sprunghaft angestiegen. Der Holzpreis habe sich seit Mai bis heute teils vervierfacht, berichtet er. Waren damals für einen Raummeter rund 100 Euro zu zahlen, liege der Preis heute bei 350 bis 400 Euro. Wenn überhaupt etwas zu bekommen sei.

Die Not oder auch die Aussicht auf einen hohen Profit bringe offenbar nicht nur Privatleute dazu, sich kostenlos im Wald zu bedienen. Auch Lieferanten und Händler seien mit krimineller Energie auf Diebestour im Forst. Nicht nur aufgearbeitetes, bereits handlich gesägtes Holz werde gestohlen, bestätigt auch Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen-Forst. Entwendet würden auch Stämme mit vier bis fünf Metern Länge, so wie in Weilrod.

Waldbesitz in Hessen

39 Prozent des hessischen Waldes gehören dem Land. 36 sind in kommunalem Besitz, 25 Prozent Privatwald.

Grundsätzlich darf kein Holz ohne Genehmigung aus dem Wald entnommen werden. Wer mal einen Ast mitnimmt, wird kaum belangt werden. Aber für richtiges Sammeln ist ein Leseschein erforderlich, fürs Holzmachen eine ausdrückliche Erlaubnis der Eigentümer. pgh

Das gehe nur mit entsprechendem Gerät. Zwar versuche man, zu kontrollieren, auch werde jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht. „Aber wir können nicht ständig überall sein“, so Sundermann. Deswegen setze Hessen-Forst auch GPS-Tracker ein, um den Dieben auf die Spur zu kommen.

Das täten auch private Waldbesitzer, sagt Verbandsdirektor Raupach. „Aber das ist aufwendig, kostet Zeit und Geld“, schränkt er ein.

Manche Waldbesitzer würden inzwischen sogar Wildkameras in der Nähe der Polter – den aufgeschichteten Stämmen am Wegesrand – aufhängen, um Dieben auf die Schliche zu kommen. „Ein Kollege bei Gießen hat schon Holz im Wert von 50 000 Euro verloren, dem reicht es jetzt“, sagt Raupach.

Lieber aber wäre es ihm, man könnte den Wald abschließen. Doch ein Versperren der Wege mit Schranken scheitere bislang am Veto der Behörden, weil Rettungswege offen bleiben müssten.

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