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Holpriger Start für Wasserstoffzug

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Von: Jutta Rippegather

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Dieser Wasserstoffzug steht im Hauptbahnhof Frankfurt.
Dieser Wasserstoffzug steht im Hauptbahnhof Frankfurt. dpa © dpa

Die Organisation des Betriebs stellt die Beteiligten vor große Herausforderungen. Deshalb fahre derzeit auch Busse statt Bahnen.

Am Dienstag war lediglich einer unterwegs, Mittwoch waren es zwei – und am Donnerstag bedienten immerhin fünf Wasserstoffzüge die sogenannten Taunusstrecke zwischen Frankfurt, Bad Homburg und Brand-oberndorf: Die neue umweltfreundliche Flotte im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kommt nur stockend in Fahrt. Auch am Donnerstag mussten Passagier:innen teils auf den Ersatzbusverkehr ausweichen, teilt die Gesellschaft Regionalverkehre Start Deutschland mit. Die Gründe für den holprigen Anfang seien vielfältig, so eine Sprecherin der hundertprozentigen Tochter der DB Regio im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Beim Test nicht absehbar gewesen

Start betreibt die Wasserstoffflotte, die im Laufe des nächsten Jahres zur weltweit größten heranwachsen soll. Nach Darstellung der Sprecherin gibt es einen Strauß von Problemen, mit denen die Protagonist:innen zu kämpfen hatten. „Die neuen Betriebsabläufe beim Einsatz der Wasserstofftechnik stellen die beteiligten Projektpartner weiterhin vor Herausforderungen.“ Es gebe Probleme, die bei den Testfahrten im Vorfeld nicht absehbar gewesen seien.

Es ist nicht der erste Rückschlag für die Projektbeteiligten, darunter auch Bund und Land. Ursprünglich sollten am Sonntag 27 emissionsfreie weiß-blaue Bahnen auf vier Strecken an den Start gehen. Wegen Engpässen bei der Herstellung konnte Hersteller Alstom bislang nur sechs bauen – den Rest will er im Laufe des Frühjahrs peu à peu liefern. Die mit Brennstoffzellen angetriebenen Züge sollen Dieselfahrzeuge auf Linien ersetzen, die nur aufwendig elektrifizierbar sind. Die Betankung erfolgt im von Infraserv betriebenen Industriepark Frankfurt-Höchst, wo Wasserstoff als Nebenprodukt bei chemischen Prozessen anfällt. Beteiligt ist auch die Werkstatt von DB-Regio in Frankfurt-Griesheim, die im Auftrag von Alstom die Instandhaltung erledigt. Und die Hessische Landesbahn, die bis zur vollständigen Auslieferung der Wasserstoffzüge Ende April den Betrieb im Taunusnetz sicherstellen soll. Dort wird aber seit Donnerstag gestreikt, in der Früh waren auch die Stellwerke und die Linie 15 betroffen, sagt die Start-Sprecherin. „Inzwischen sind diese Beeinträchtigungen behoben.“

Die Flotte

Auf vier Strecken im Taunusnetz kommt der „Coradia iLint“ zum Einsatz: Frankfurt-Höchst – Bad Soden, Frankfurt – Königstein, Frankfurt – Brand-oberndorf, Bad Homburg – Friedberg.

Betrieben wird er mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle, die elektrische Energie für den Antrieb erzeugt. Die Wasserstoffzüge sind so leise wie Elektro-Triebfahrzeuge und verursachen bei der Fahrt null Emissionen, weil sie lediglich Wasserdampf und Wärme an die Umwelt abgeben. jur

Rückschritt in Wiesbaden

Anders als der RMV geht Wiesbaden in Sachen umweltfreundliche Antriebe einen Schritt zurück. Der städtische Verkehrsbetrieb Eswe will die vor einem Jahr angeschafften Brennstoffzellenbusse durch Batterie- und Dieselfahrzeuge ersetzen. Mangels Platz auf dem Betriebshof. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) reagierte irritiert. Die Wasserstofftankstelle sei mit je einer Million Euro von Hessen und Rheinland-Pfalz gefördert worden. „Da kann man nicht einfach nach einem guten Jahr Betrieb aufgrund von Argumenten, die bereits bei der Inbetriebnahme feststanden, wortlos aus dem Projekt aussteigen.“ In Zeiten der Energiekrise auf Dieselbusse zu setzen, sei das falsche Signal. Eswe müsse jetzt erklären, wie es mit dem geförderten Projekt weitergehen soll.

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