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Hessischer Verband warnt: „Vermieter werden zahlungsunfähig“

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Von: Peter Hanack, Christoph Manus

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Wer soll das bezahlen? Vermieter und Vermieterinnen fürchten, dass sie auf den Kosten fürs Kochen und Heizen sitzen bleiben.
Wer soll das bezahlen? Vermieter und Vermieterinnen fürchten, dass sie auf den Kosten fürs Kochen und Heizen sitzen bleiben. © Renate Hoyer

Eigentümerverband Haus & Grund Hessen fürchtet Zahlungsunfähigkeit vieler Vermieter. Der Mieterschutzverein sieht eine soziale Schieflage, die IHK fordert Hilfen für Betriebe.

Der Verband Haus & Grund, Vertreter privater Vermieter:innen in Hessen, sieht viele seiner Mitglieder vor der Zahlungsunfähigkeit. Diese müssten höhere Abschläge wegen der immens gestiegenen Energiekosten zahlen, liefen aber Gefahr, dieses Geld nicht von den Mieter:innen zurückzuerhalten. Der Mieterschutzbund warnt indes vor einer „sozialen Schieflage“.

Drastischer Preisanstieg

„Vermieter müssen das Recht bekommen, Heizkostenvorauszahlungen im laufenden Abrechnungsjahr erhöhen zu dürfen“, fordert Younes Frank Ehrhardt, Geschäftsführer von Haus & Grund Hessen. Immer mehr Energieversorger kündigten an, ihre Gaspreise im Herbst um mehr als 100 Prozent zu erhöhen. „Die angekündigten drastischen Preisanstiege liegen weit über den mit vielen Mietern vereinbarten Abschlägen“, sagt Ehrhardt. Wenn sie bis zur nächsten Nebenkostenabrechnung in Vorleistung treten müssten, drohe etlichen die Zahlungsunfähigkeit. Nun komme noch die Gasumlage in Höhe von 2,4 Cent pro Kilowattstunde dazu. Weder die Mieter noch die privaten Vermieter aber dürften bei der Bewältigung der hohen Energiepreise alleingelassen werden. Der Verband rät seinen Mitgliedern, gemeinsam mit den Mieter:innen nach Lösungen zu suchen.

Scharfe Kritik an der Gasumlage äußert der DMB-Mieterschutzverein Frankfurt. Geschäftsführerin Astrid Nembach nennt es auf FR-Anfrage sehr bedenklich, dass diese „auf alle Gaskunden abgewälzt werden soll“. Sie warnt vor einer Verstärkung der sozialen Schieflage. Die Energiepauschale und der Wohngeldzuschuss seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade Mieterhaushalte mit geringen Einkommen bräuchten nun dringend mehr staatliche Unterstützung in Form eines weiteren Hilfspakets oder eines Preisdeckels für Gas. „Ansonsten ist zu befürchten, dass Heizen und Warmwasser zu einem Luxusgut werden“, sagt Nembach.

Linke wollen Übergewinnsteuer

Die hessische Linke klagt, die Gasumlage werde für viele Menschen „ein direkter Weg in die Existenznot“ sein. Sie sei unsozial und unnötig. Die Partei fordert stattdessen eine Deckelung des Gaspreises und ein Grundkontigent von Gas, das von Preissteigerungen ausgenommen wird. „Außerdem müssen die Krisengewinne der Energiekonzerne mit einer Übergewinnsteuer endlich höher besteuert werden“, sagte die Landesvorsitzende Petra Heimer.

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) begrüßt die Absicht, die Gaslieferkette zu sichern, warnt aber zugleich vor den Folgen für die hessischen Unternehmen. Diese zahlten im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt jetzt schon etwa fünfmal so viel für Gas und viermal so viel für Strom. Diese Kosten könnten nicht alle Unternehmen weitergeben. HIHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller fordert erneut die Senkung der Steuern auf Energie und Entlastungen für besonders betroffene Betriebe.

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