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Hessischer Landtag: „Schäbige“ Debatte über sexuelle Gewalt

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Von: Pitt von Bebenburg

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Gebäude der Odenwaldschule sind am 09.07.2015 in Ober-Hambach (Hessen) bei Heppenheim hinter einer Wiese zu sehen.
Gebäude der Odenwaldschule auf einem Archivfoto von 2015 © Uwe Anspach/dpa

Hessische Politik will sexuellen Missbrauch bekämpfen. Eine AfD-Rede gegen Reformpädagogik und 68er sorgt dabei für breite Empörung.

Sexuelle Gewalt, wie sie Schülerinnen und Schüler an der Odenwaldschule seit den 60er Jahren erlitten hatten, muss in Zukunft unbedingt verhindert werden. Darüber zeigten sich die Fraktionen im Hessischen Landtag am Donnerstag einig. Es sei allerdings „noch nie so schäbig“ über das Thema diskutiert worden wie diesmal, empörte sich nicht nur die Grünen-Abgeordnete Kathrin Anders. Ursprünglich sollte es um die Frage gehen, ob ein Mahnmal an die Opfer des Missbrauchs erinnern soll.

Für Entrüstung von der CDU bis zur Linken sorgte die Zielrichtung, mit der die AfD diese Debatte eingeleitet hatte. Deren Bildungspolitiker Heiko Scholz nutzte die Erinnerung an die Opfer pädokrimineller Taten zum Rundumschlag gegen die Reformpädagogik, die 68er Bewegung und die „links-grünen“ Funkhäuser und Redaktionen.

AfD provoziert Protest

Deren „Schweigekartell“ habe die Täter geschützt, urteilte Scholz. Der AfD-Politiker griff auch die aktuelle Bildungspolitik von Bund und Land an, die auf „Frühsexualisierung“ ziele. „Das Pädoexperiment lebt heute weiter in den Kitas“, behauptete der rechte Abgeordnete und fügte noch hinzu, dies geschehe „im Geiste Gerold Beckers“. Becker leitete die Odenwaldschule von 1972 bis 1985 und war laut Studien einer der pädokriminellen Haupttäter.

Linken-Fraktionschefin Elisabeth Kula fand nur ein Wort für diesen AfD-Redebeitrag: Er sei „widerlich“. Die CDU-Abgeordnete Sandra Funken urteilte, die Scholz-Rede sei „sowohl den Opfern als auch diesem Haus unwürdig“ gewesen. Mehrere Rednerinnen wiesen darauf hin, wie unangemessen der Pauschalvorwurf gegen Medien sei, da mutige Ex-Odenwaldschüler den Skandal seinerzeit mit Hilfe der Frankfurter Rundschau öffentlich gemacht hätten.

Minister befürwortet sexuelle Bildung

Sozialminister Kai Klose (Grüne) betonte die Bedeutung sexueller Bildung, damit Kinder den Unterschied zwischen Sexualität und sexueller Gewalt verstünden. Das helfe ihnen, sich gegen Übergriffe zu wehren. Die SPD-Abgeordnete Karin Hartmann hob hervor, wie wichtig die Demokratisierung von Bildungsinstitutionen sei. Niedrige Hierarchien und transparente Leitungssysteme erleichterten es, Vorfälle zu erkennen und aufzuklären. Der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny sagte, nötig sei ein Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch an der jeder hessischen Schule.

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