Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gut gebrüllt

Hauptsache Planungssicherheit

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Die FR kennt den Geheimplan: Commodore 64 für Hessens Verwaltung, VW Käfer für die Polizei. Die Kolumne aus dem Landtag.

Hoppla, so schnell können vier Milliarden Euro versenkt werden. In dieser Woche hat der Rechnungshof mitgeteilt, wie viel Geld das Land Hessen in den Sand gesetzt hat durch Derivategeschäfte mit Zinssätzen, die aus heutiger Sicht viel zu hoch waren. Vor zehn Jahren mögen sie als günstig gegolten haben.

Ein Skandal? Ach was, sagt Finanzminister Michael Boddenberg. Mit dem Wissen von damals sei die Strategie „völlig richtig“ gewesen. Und, hurra: „Das Land hat die angestrebte Planungssicherheit durch eine Verlängerung der Zinsbindungsdauer erzielt.“ Das ist ja toll! Übersetzt heißt das: Der überhöhte Zins gilt noch für die nächsten 40 Jahre.

Wir sind gespannt, welche weiteren Vertragsabschlüsse aus vergangenen Jahrzehnten in Hessen eintrudeln. Gerüchten zufolge jagt die hessische Polizei Verbrecher künftig mit dem VW Käfer als neuem Streifenwagen. Und sie kann sich auf die neue Uniform freuen. Lässig mit Schlaghosen und Schulterpolstern. Hessen hat vor Jahrzehnten einen sensationellen Deal abgeschlossen, damit die Sache nicht zu teuer wird.

Die Computer der hessischen Landesverwaltung sollen auf Windows XP umgerüstet werden. Vor 20 Jahren hatte die Regierung festgestellt, das System sei das modernste der Welt und trotzdem enorm günstig zu haben. Vor allem, wenn es erst in den Jahren 2021 bis 2031 ausgeliefert wird. So geht Planungssicherheit!

Kritische Experten fragen sich aber, ob die Software auf der neuen Hardware laufen wird. Denn 2022 soll Hessens Verwaltung den meistverkauften Computer bekommen, den legendären Commodore 64. Der war in den 1980er Jahren das Nonplusultra, weshalb Hessen aus Gründen der Planungssicherheit eine Million Geräte für einen unschlagbaren Preis geordert haben soll. Die Lieferung beginnt nächstes Jahr.

Auch an die Kleinsten hat die Landesregierung vorausschauend gedacht. Für Kitas hat sie das Spielzeug der Zukunft bestellt: 200 000 Tamagotchis. Das sind diese Elektronikspielzeuge, die wie ein Haustier gepflegt werden müssen. Der neueste Schrei! Dachten die Experten jedenfalls 1999 und griffen zu. Nur wenige Jahre später bestellten sie eine halbe Million Blöcke und Stifte mit der Diddl-Maus für unsere Grundschulen. Die sollen ab 2025 ausgeliefert werden. Welch eine Freude für die Kinder!

Jetzt wird mancher einwenden, das seien völlig unpassende und fiese Vergleiche für ein seriöses Derivategeschäft. Bei Zinsen kann schließlich niemand wissen, ob sie steigen oder fallen. Bei Autos und Computern weiß dagegen jedes Kind, dass sie veralten. Niemals würde sich jemand langfristig festlegen auf ein so überholtes Konzept.

Stimmt. Es käme ja auch keiner auf die Idee, eine 50 Jahre alte Autobahnplanung jetzt umzusetzen. Wäre auch totaler Unsinn, denn die Verkehrspolitik von heute ist mit der von 1970 so gut vergleichbar wie der Märklin-Baukasten mit der Nintendo- Switch-Konsole. Oder, äh, sollte da tatsächlich demnächst eine Autobahn nach jahrzehntealten Plänen durch den Dannenröder Forst gebaut werden? Ach so. Aber es gibt ganz bestimmt gute Gründe dafür: Es geht schließlich um Planungssicherheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare