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Hessische Landesbahn: Gewerkschaft droht mit Streik

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Von: Hanning Voigts

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Die gelben Züge der Hessischen Landesbahn könnten bald öfter mal stehenbleiben, falls es zum Streik kommt.
Die gelben Züge der Hessischen Landesbahn könnten bald öfter mal stehenbleiben, falls es zum Streik kommt. Foto: Michael Schick © Michael Schick

Weil es keine Tarifeinigung gibt, will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG die Hessische Landesbahn bestreiken. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Gewerkschaft zu hohe Forderungen stelle.

Im Tarifstreit mit der Hessischen Landesbahn (HLB) stehen die Zeichen bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf Streik. Wie Alexander Beichel, der Geschäftsstellenleiter der Gewerkschaft in Frankfurt, der Frankfurter Rundschau sagte, habe man nach gescheiterten Gesprächen am vergangenen Freitag mit der Urabstimmung unter den hessischen EVG-Mitgliedern begonnen. Sollten sich die Beschäftigten bei der noch bis Ende November laufenden Abstimmung dafür aussprechen, werde man die Arbeit unbefristet niederlegen, kündigte Beichel an. Die Kampfbereitschaft unter den EVG-Mitgliedern sei hoch.

Der zuletzt abgeschlossene Tarifvertrag ist nach Angaben der Gewerkschaft seit Juni vergangenen Jahres ausgelaufen, seither gab es keine neue Einigung. Die EVG fordert nun mindestens 6,8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, außerdem soll die HLB für sie in den Fonds „Wohnen und Mobilität“ einzahlen, aus dem die EVG ihren Mitgliedern Zuschüsse für Wohn- und Reisekosten leistet. Darüber hinaus will die EVG ein Wahlmodell durchsetzen, bei dem die Beschäftigten entscheiden können, ob sie mehr Urlaub oder mehr Bezahlung haben wollen.

Hessen: Die Hessische Landesbahn hält die Forderungen der Gewerkschaft für zu hoch

Die HLB habe die Forderungen als zu hoch bezeichnet und stattdessen angeboten, den gültigen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu übernehmen, sagte Gewerkschafter Beichel der FR. Der sei für die in der EVG organisierten Lokführer:innen, Busfahrer:innen und Fahrdienstleister:innen aber nicht akzeptabel. Um einen eigenen Tarifvertrag durchzusetzen, habe man im Sommer schon vier Warnstreiks organisiert, drei an einzelnen Standorten und einen im ganzen Betrieb. „Der Arbeitgeber hat scheinbar nicht erkannt, wie ernst es den Beschäftigten mit ihrem Anliegen ist“, so Beichel.

Unterstützung bekommen die Beschäftigten derweil auch vom Gewerkschaftsbund DGB. „Die HLB als hessisches Landesunternehmen soll endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und mit der EVG nach einer tragfähigen Lösung suchen“, sagte Michael Rudolph, DBG-Vorsitzender in Hessen und Thüringen.

Hessen: Das Unternehmen wirft der EVG „dogmatische Forderungen“ vor

Aus Sicht der HLB hätte der Tarifstreit gar nicht eskalieren müssen. Man bedauere den Stillstand, da man auf fast alle Forderungen der EVG eingegangen sei, teilte Geschäftsführer Veit Salzmann der FR am Mittwoch mit. So habe man sich mit der Gewerkschaft auf eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent geeinigt, seit Januar zahle die HLB davon sogar schon ohne Einigung 1,5 Prozent. Im Februar habe man den EVG-Beschäftigten wie den GDL-Mitgliedern sogar eine Corona-Prämie von 1200 Euro ausgezahlt, obwohl die EVG dagegen gewesen sei. Gescheitert seien die Gespräche wegen einer Forderung nach 40 Tagen Jahresurlaub und der Weigerung der HLB, Geld in einem „Wohnungs- und Mobilitätsfond“ zu parken, anstatt es direkt den Beschäftigten zu geben, so Salzmann.

Sollte es zum Streik kommen, sei das Unternehmen vorbereitet, hieß es von der HLB. „Wir fordern die EVG eindringlich auf, von Ihren dogmatischen Forderungen abzurücken, um Verhandlungen weiter fortsetzen zu können“, sagte Geschäftsführer Salzmann. „Die Fahrgäste werden ansonsten wieder einmal unter dem Konkurrenzkampf der Gewerkschaften leiden.“ (Hanning Voigts)

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