Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Hessische Kita-Eltern fordern Corona-Tests

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
    schließen
  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
    schließen

Hessen und Frankfurt sind zum Bezahlen von Corona-Tests in Kitas bereit – doch sie machen keine Vorschriften. Vor Ort machen sich Eltern Sorgen.

Frankfurt am Main – Zahlreiche Eltern von Kita-Kindern in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zeigen sich besorgt, weil die Kleinen in den Einrichtungen nicht auf Corona getestet werden. Sie erhielten auch keine entsprechenden Tests für zuhause, berichteten Mütter und Väter im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

In der Politik widerspricht eigentlich niemand, doch das Problem wird von einer Ebene auf die andere geschoben. Dabei steht das Geld bereit. Das Land hat zugesagt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen und dafür nach eigenen Angaben 16 Millionen Euro an die Kommunen überwiesen.

Ein Corona-Schnelltest.

Corona-Tests: SPD beruhigt Kitas: „Den Trägern geht dadurch nichts verloren“

Kommunen wie die Stadt Frankfurt fügen hinzu, dass sie die andere Hälfte des Geldes erstatten würden. Bei Trägern geht offenbar trotzdem die Sorge um, dass sie auf den Kosten sitzenbleiben würden. Das aber stimme nicht, betont Jan Pasternack, Referent der Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). „Den Trägern geht dadurch nichts verloren. Die Abrechnung erfolgt am Jahresende über den Betriebskostenzuschuss“, versichert er.

Nicht die Kommunen bieten die Tests an, sondern die Träger müssten aktiv werden und entscheiden, ob getestet wird. Tatsächlich wird anscheinend wenig getestet, zum Ärger von Eltern. Zwei Beispiele: „Es macht mich sprachlos und wütend, dass wir in einer Situation sind, in der wir erneut über Lockdowns und Kontaktbeschränkungen sprechen müssen und gleichzeitig seit Monaten relativ einfache Mittel zur Infektionsidentifizierung und –reduzierung nicht umgesetzt werden“, schrieb Stefanie Stein, die Mutter einer zweijährigen Tochter, der FR. „Die fehlenden Tests an den Kitas sind für mich eines der vielen Beispiele für diese Versäumnisse.“

Kita-Eltern-Hessen sieht Landesregierung: „in der Verantwortung“

Auch Leif Harmsen, der in Hofheim eine Apotheke betreibt, berichtete besorgt, dass es in den Frankfurter Kitas seiner beiden Kinder weder Testpflicht noch Testangebot gebe. „Für die Unter-Fünfjährigen gibt es noch keinen Impfschutz, Tests in Kitas regelmäßiges Testen sind ein Weg, um sie zu schützen“, sagte Harmsen der FR. „Sie sind die Bevölkerungsgruppe, die am schlechtesten geschützt ist.“ Er würde seine Kinder „mit einem besseren Gefühl in die Kita bringen, wenn alle Kita-Kinder zwei- oder dreimal wöchentlich getestet werden – wie in anderen Bundesländern auch“.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Kita-Eltern Hessen wandte sich an die schwarz-grüne Landesregierung. Die Interessenvertretung sieht die Regierung „in der Verantwortung, für den Schutz der Kinder zu sorgen und im Rahmen der Pandemiebekämpfung auch eine regelmäßige, kindergerechte Testmöglichkeit in allen Kitas sicherzustellen“.

Hessen: Volker Bouffier lobt „sehr ausgefeiltes Testregime“ in den Schulen

Das sieht offensichtlich auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) so. In der Corona-Debatte des Landtags pries er in dieser Woche das „sehr ausgefeilte Testregime“ in den Schulen, mit dessen Hilfe der Präsenzunterricht aufrechterhalten werde. „Das gilt im weitesten Sinne natürlich auch für die Betreuung der Kleinkinder“, fügte er hinzu.

Doch während an den Schulen drei Mal pro Woche getestet wird, verpflichtet die Landesregierung die Kita-Träger nicht zu entsprechenden Tests. Das Sozialministerium von Kai Klose (Grüne) verweist darauf, Kita-Kinder seien im Gegensatz zu Grundschulkindern „altersbedingt in der Regel nicht in der Lage, einen Test unter Aufsicht selbstständig durchzuführen. Auch einfach zu handhabende, nicht invasive Tests werden von sehr jungen Kindern nicht selten abgelehnt.“

Corona: Offenbach verteilt Lollitests an Eltern

Apotheker Harmsen sieht das anders. „Die Verwendung eines kindgerechten Laientests, zum Beispiel eines Lollitests, ist nicht kompliziert“, stellt er fest. „Das kriegen die meisten Eltern hin. Wie soll bitte sonst die Verbreitung des Virus in den Kitas eingeschränkt werden?“

Offenbach ist diesen Weg gegangen. In der vorigen Woche reagierte Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) auf die Eingaben der Eltern. Die Kitas verteilten Lollitests an die Eltern, die ihre Kinder montags und donnerstags bis zu den Weihnachtsferien zu Hause testen sollen.

SPD verlangt Kurswechsel: „Wir fordern Tests verbindlich in Kitas und Hochschulen“

Die hessische Landesregierung will das aber nicht flächendeckend einfordern. „Würde die Tagesbetreuung eine Testung voraussetzen, setzt das Kinder und Eltern unter großen Druck“, warnt das Sozialministerium. „Wenn es um Testung von Kita-Kindern geht, ist daher vor allem ein Konsens über das geeignete Verfahren vor Ort anzustreben. Wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft aller Beteiligten, die Tests sorgfältig und sensibel für die Bedürfnisse der Kinder durchzuführen.“

Die Landtags-SPD verlangt einen Kurswechsel. „Wir fordern Tests verbindlich in Kitas und Hochschulen“, sagte die SPD-Gesundheitspolitikerin Daniela Sommer in dieser Woche im hessischen Landtag. Derzeit sei die Situation unbefriedigend. Denn solange in Kitas nur ein geringer Anteil der Kinder getestet sei, stünden die Eltern „vor der schwierigen Entscheidung: Gebe ich mein Kind in die Kita?“, betonte Sommer. (Pitt von Bebenburg/Kathrin Rosendorff)

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare