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Hessische Forstleute mahnen: „Wald weniger nutzen“

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Von: Peter Hanack

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Im Nationalpark Kellerwald in Nordhessen stehen die ältesten und mächtigsten Buchen Hessens.
Im Nationalpark Kellerwald in Nordhessen stehen die ältesten und mächtigsten Buchen Hessens. © Nationalpark Kellerwald

Fachleute plädieren angesichts der Klimakrise für eine neue Forstpolitik. Man dürfe den Wald nicht ausräumen, mahnen sie. Und die Biodiversität müsse erhalten bleiben.

Für mehr Klimaschutz und eine geringere Nutzung des Waldes haben sich die Fachleute einer Tagung in Bad Zwesten in der Region Kellerwald ausgesprochen. Klar dabei wurde auch: Der Wald in Hessen hat eine ungewisse Zukunft.

„Wir stehen vor einer enormen Krise, die die Lebenssituation unserer Kinder enorm verschlechtern wird“, mahnte der Umweltschützer und Autor Matthias Schickhofer mit Blick auf den Klimawandel. Angesichts dieser Lage dürfe man auch keine biogenen Kohlenstoffe – in diesem Fall Holz – verbrennen. Sonst lüge man sich in die Tasche, was deren Auswirkung auf das Klima angehe.

Rodungen bis zum Horizont

Es gebe in Hessen in manchen Regionen riesige Fichtenplantagen, die teils „bis zum Horizont“ geräumt würden, obwohl dies Vogelschutzgebiete seien, kritisierte Jana Ballenthien, Waldreferentin der Naturschutzorganisation Robin Wood. Auch in Buchenwäldern gebe es noch immer solchen Kahlschlag.

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Es gehe darum, überhaupt Wald zu erhalten, sagte der Biologe Pierre Ibisch, Professor für Nature Conservation an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Er warnte davor, Wälder stark auszulichten in der Hoffnung, sie dadurch verjüngen zu können. „Dadurch leidet das Mikroklima“, warnte er, verbleibende Bäume könnten absterben. Man könne auch in Nordhessen Buchenwälder in ihrer Auflösung sehen. Wo aber alles abgeräumt sei, entstehe über Jahrzehnte hin kein neuer Wald.

Eingeladen ins nordhessische Bad Zwesten hatten der grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling und die Grünen-Fraktion im Europa-Parlament.

Kronendächer schließen

Jürgen Nitsch, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen und Sprecher im Bundesarbeitskreis Wald, sprach sich dafür aus, die „Kronendächer möglichst geschlossen zu halten“. Damit könne man das Innenklima des Waldes erhalten, wo es kühler und feuchter sei. Das helfe dem Wald, in dürren und heißen Zeiten zu überleben, wie sie gerade zu beobachten seien.

Nitsch plädierte auch dafür, die Nutzung des Waldes als Holzlieferant herunterzufahren. Alte und nicht-genutzte Wälder könnten besser gegen den Klimawandel wirken als andere. Zugleich müsse es darum gehen, die Biodiversität zu erhalten. Dazu gehöre auch, dass heimische Arten wie Buche, Eiche, Linde und Ahorn „hier weiter existieren können“. „Wir sollten auf die Anpassungsfähigkeit heimischer Bäume setzen“, so Nitsch.

Wild reduzieren

Europa-Abgeordneter Häusling warb dafür, das „Wild auf ein vernünftiges Maß“ zu reduzieren. Sonst hätten junge Bäume keine Chance.

Gefragt nach dem Brandschutz sagte Pierre Ibisch, Totholz, vor allem große Stämme, spiele dabei eine entscheidende Rolle. Daher müssten Wälder nicht „ausgeräumt“ werden. Die abgestorbenen Baumstämme könnten beim Verrotten große Mengen Wasser aufnehmen und diese über Wochen und Monate speichern. „Damit können sie als Feuerbremse wirken“, erläuterte der Waldexperte.

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