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Protest gegen die Rodung weiterer 5,8 Hektar Wald für den Kiesabbau am Langener Waldsee.
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Protest gegen die Rodung weiterer 5,8 Hektar Wald für den Kiesabbau am Langener Waldsee.

Wiesebaden

Hessens Wirtschaft warnt vor Sandmangel durch Naturschutz

  • Pitt v. Bebenburg
    VonPitt v. Bebenburg
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Hessische Wirtschaftsverbände warnen vor strengerem Bannwaldschutz und erheben Einwände gegen Gesetzesplan aus Wiesbaden. Umweltorganisation BUND nennt ihre Argumente „zynisch“.

In einer konzertierten Aktion zieht die hessische Wirtschaft gegen das geplante Gesetz zum besseren Schutz des Bannwalds zu Felde. Umweltschützer:innen halten dagegen.

Als Bannwald gilt Wald, der nicht angetastet werden soll. Beim Ausbau des Frankfurter Flughafens hatte sich aber gezeigt, dass die Ausweisung als Bannwald kein ausreichender Schutz vor Rodung war.

Nun wollen CDU und Grüne das Gesetz verschärfen. Zur Begründung schreiben sie: „Durch die vorliegende Veränderung des Gesetzes sollen der Bannwaldschutz gestärkt und weitere vermeidbare Flächenverluste durch Rodungen zum Zwecke der Rohstoffgewinnung ausgeschlossen werden.“

Dagegen schlagen Wirtschaftsverbände Alarm. So schrieb die neue Präsidentin des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK), Kirsten Schoder-Steinmüller, die Landesregierung riskiere „unnötig die Rohstoffversorgung des Rhein-Main-Gebiets mit Sand und Kies“. Dieser Verzicht auf „heimische Rohstoffe“ würde zu langen Transportwegen, einem deutlich höheren CO2-Ausstoß und stark steigenden Rohstoffkosten führen, argumentiert sie.

Hessens Bannwald

Mit rund 19.000 Hektar fallen rund 2,1 Prozent der hessischen Waldfläche unter die Rubrik Bannwald. Die Schwerpunkte liegen rund um den Frankfurter Flughafen, nördlich von Wiesbaden und südlich von Darmstadt sowie in Nordhessen im Gebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee. (jur)

Angst vor Schließung

Mit ähnlichem Tenor melden sich mehrere Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme zu Wort, darunter der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen, der Industrieverband Steine und Erden, der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen, der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. „Derzeit wird die Versorgung der Region Südhessen und des Großraums Frankfurt nur noch von wenigen Sand- und Kieswerken sichergestellt. Sollte die Änderung des Bannwaldgesetzes wie vorgeschlagen beschlossen werden, wird dies dazu führen, dass mittelfristig mehrere Betriebe ihre Gewinnungstätigkeit einstellen müssten“, stellen sie fest.

Die Autoren warnen nicht nur vor Engpässen bei der Versorgung der Region, sondern bringen selber ökologische Argumente ins Spiel. Durch die verpflichtende Rekultivierung werde „sichergestellt, dass dort, wo ein Eingriff erfolgt, auch der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt, in vielen Fällen sogar verbessert“ werde. Die „Rohstoffgewinnungsstätten“ böten sogar „Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten“, die der Bannwald nicht aufweise.

Umweltverbände widersprechen. „Raubbau ist keine Lösung“, betont Thomas Norgall vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Erhalt des Bannwalds müsse „Vorrang vor kurzfristigen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen haben“. Es sei sogar „zynisch“, die Forderung nach einer Rodung von Bannwald mit der Einsparung des Klimakillers CO2 zu begründen. „Seit der Klimawandel unser Bundesland mit zunehmender Wucht erfasst, hat der Bannwald im Rhein-Main-Gebiet eine so hohe Bedeutung wie noch nie“, sagt Norgall.

Die Argumente der Industrie weist Norgall zurück. Mittelfristig bestehe kein Mangel an Sand und Kies in Hessen „und langfristig benötigen wir ein komplettes Umsteuern in der Bauwirtschaft, denn diese Rohstoffe sind nur begrenzt vorhanden“.

Die Linke sieht das ebenso. Sie hat beantragt, den Gesetzentwurf von CDU und Grünen um ein Stoppschild für den weiteren Ausbau des Flughafens auf Kosten der Natur zu ergänzen. Danach solle es im Gesetz heißen: „Die vollständige oder teilweise Aufhebung einer Erklärung zu Bannwald für den Zweck des Neu- oder Ausbaus von Flugplätzen nebst Infrastruktur oder zum Abbau von Bodenschätzen ist ausgeschlossen“.

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