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Endstation: Mehr als 80 000 Fahrzeuge passieren normalerweise täglich die Brücke der Autobahn 66.
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Endstation: Mehr als 80 000 Fahrzeuge passieren normalerweise täglich die Brücke der Autobahn 66.

Verkehr

Hessens vernachlässigte Infrastruktur

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Salzbachtalbrücke: Der Landtag diskutiert über politische Verantwortung und die vielen anderen maroden Bauwerke im Land.

Ein solches Desaster wie mit der Salzbachtalbrücke darf sich nicht wiederholen. In diesem Punkt herrscht Einigkeit im Landtag. Doch während die Koalition nach vorne blicken will, nimmt sich die FDP den Grünen-Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vor: „Die Landesbehörde Hessen Mobil hat das Projekt nicht so betrieben, wie es notwendig gewesen wäre“, urteilt der verkehrspolitische Sprecher Stefan Naas. Der Minister versichert, seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren daran gearbeitet zu haben, dass die marode Autobahnbrücke erneuert werde und bis dahin der Verkehr auf Straße und Schiene fließen könne. „Eine Vollsperrung ist genau das, was nicht passieren sollte.“

Doch genau das ist geschehen. Seit dem 18. Juni sind beide Teile der Spannbetonbrücke aus den 60er Jahren wegen akuter Einsturzgefahr nicht mehr nutzbar. Betonbrocken waren heruntergefallen. Die darunterliegende Bahnlinie ist aus Sicherheitsgründen stillgelegt, der Wiesbadener Hauptbahnhof abgehängt. Für den Durchgangsverkehr gibt es großräumige Umleitungen. In der Innenstadt kommt es immer wieder zu Staus. Und der Gastronomie im Rheingau mangelt es auch ohne Lockdown an Gästen. Sie ist abgeschnitten vom Rhein-Main-Gebiet.

Für Wiesbaden, sagt Al-Wazir, sei das „der größte anzunehmende Unfall“. Er drängt darauf, dass jetzt möglichst schnell die Arbeiten für den Neubau beginnen. Doch noch ist die Ruine im Weg. Aus Sicherheitsgründen darf sie nicht betreten werden. Das gilt auch für den dort abgestellten Lastwagen.

„Die Sprengung sollte möglichst schnell erfolgen“, sagt der Minister – damit wenigstens die Bundesstraße und die Bahnstrecke unter der Brücke wieder ohne Einschränkungen nutzbar seien. Keiner könne sich bislang erklären, warum die Lager der südlichen Brücke gerade jetzt versagen, wo dieser Teil doch bereits seit November 2019 für den Verkehr gesperrt ist. Zudem wurde Asphalt abgetragen, um das Eigengewicht zu reduzieren. „Die Autobahngesellschaft will jetzt bundesweit alle Brücken mit solchen Lagern überprüfen“, sagte Al-Wazir.

Zum 1. Januar ging die Zuständigkeit für die Autobahnen von den Ländern auf die neue bundeseigene Autobahngesellschaft über. Die 14-tägigen händischen Kontrollen an der Südbrücke wurden schon im November 2019 eingestellt. Ergo trägt nach Ansicht von FDP-Mann Naas der grüne Minister die Verantwortung für „den traurigen Höhepunkt einer beispiellosen Pannenserie“. Nicht zuletzt wegen des Streits um die Abbruchtechnik habe sich der Neubau zudem immer wieder verzögert.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tobias Eckert, wundert sich, dass die Probleme nicht früher erkannt wurden: „Seit 2009 ist bekannt, dass die Brücke marode ist und dringend erneuert werden muss.“ Und wie, fragt er, sei der Stand bei den 37 Brücken im Bereich der Landesstraßen, die aufgrund ihres Zustands bezüglich des Gewichts nur eingeschränkt befahrbar seien. Auf die Frage hat der Minister eine konkrete Antwort: 18 werden bis 2023 saniert oder erneuert, fünf sind zwei Jahre danach fertig. Und bei den anderen sei eine dauerhafte Lastenbeschränkung sinnvoll.

Für die Fraktionschefin der Linken, Janine Wissler, steht die Salzbachtalbrücke exemplarisch für eine Vernachlässigung der Infrastruktur, die weit vor der Amtszeit von Al-Wazir begann. „Lieber wurden immer neue Autobahnen gebaut und Umgehungsstraßen eröffnet, als sich ausreichend um den Altbestand gekümmert.“

Statt Nachwuchs zu gewinnen, habe es in den vergangenen 25 Jahren immer wieder Stellenbesetzungssperren und -abbau gegeben – anfangs auch noch unter Schwarz-Grün. „Das hängt natürlich auch direkt zusammen mit der Ideologie der schwarzen Null“, sagt Wissler. Hier habe die Argumentation stes gelautet, wer Schulden mache, tue das auf Kosten der kommenden Generation. „Tatsächlich ist es aber wohl eher fahrlässig, ihnen nicht nur bröckelnde Brücken, sondern auch zerfallende Schulen und Bahnhöfe zu hinterlassen.“

Wiesbaden. 25.06.2021. Sperrung der Salzbachtalbruecke in beiden Fahrtrichtungen der Autobahn A66 und der darunter liegenden Bahngleise und der Mainzer Strasse.

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