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Die Kronen werden lichter. Nicht nur, weil im Herbst die Blätter fallen, sondern auch, weil die Bäume in Hessens Wäldern leiden.
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Die Kronen werden lichter. Nicht nur, weil im Herbst die Blätter fallen, sondern auch, weil die Bäume in Hessens Wäldern leiden.

Klima-Krise

Hessens Umweltstaatssekretär sagt: „Der Wald ist todkrank“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Der aktuelle Zustandsbericht macht deutlich: Die Schäden im Forst durch den Klimawandel sind massiv. 2021 hat nach den trockenheißen Sommern nur eine Atempause gebracht. Und doch gibt es Hoffnung.

Der Augenschein täuscht. Donnerstagvormittag in der Nähe von Taunusstein, nicht weit weg von der Eisernen Hand: Ortstermin zur Vorstellung des Waldzustandsberichts, der doch vor allem ein Waldschadensbericht ist. Feuchtes Herbstlaub bedeckt den Boden, der vom Regen der Nacht getränkt ist, die Buchen wirken kräftig, in der Nähe trillert ein Waldbaumläufer. Und doch: „Der Wald ist krank, todkrank, ihm wird keine Impfung helfen“, leitet Hessens Umweltstaatssekretär Oliver Conz (parteilos) die Vorstellung des Berichts ein. 2021 habe trotz vermehrten Niederschlags keine Erholung gebracht, „allenfalls eine Atempause“.

Nach diesem ernüchternden Einstieg wird es nicht viel besser, wenn Ulrike Talkner von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt spricht, die den Waldzustandsbericht erstellt. Die mittlere Kronenverlichtung, ein Indikator für die schlechte Verfassung der Bäume, liege zurzeit bei 26 Prozent. Das seien nur zwei Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Bei älteren Bäumen liege der Wert sogar bei 31 Prozent. Kaum eine Baumart sei ausgenommen, auch wenn die Fichten besonders schlecht dastünden. Von denen sei fast jede zweite so geschädigt, dass die Kronen immer lichter werden.

Alarmstufe Rot

„Alarmstufe Rot“ ruft auch Stefan Nowak aus. Der Förster ist Abteilungsleiter für Weltentwicklung und Umwelt bei Hessenforst, die den Staatswald bewirtschaftet. „Wir sehen überall massive Schäden“, sagt er. Und das sei erst der Anfang.

Auch in Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet gebe es Flächen, die aufgrund der Waldschäden fast kahl geworden seien. „Aber schauen Sie nach Ost- oder Nordhessen, da sind das riesige Areale.“ So werde es auch andernorts kommen.

Der Bericht

Auf 44 Seiten dokumentiert der Waldzustandsbericht 2021, in welcher Verfassung sich die hessischen Wälder befinden.

Erstellt wird er von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Herausgeber ist das Hessische Umweltministerium.

Erhältlich ist der Bericht als Download unter www.nw-fva.de und unter www.umwelt.hessen.de pgh

So seien allein im Staatsforst 30 000 Hektar wieder zu bewalden. Aber welche Bäume könnten die richtigen sein, um dem Klimawandel standzuhalten? „Wir treffen jetzt Entscheidungen für die nächsten 80 oder 200 Jahre“, sagt Nowak. So alt könnten die Bäume werden, die jetzt gepflanzt würden.

Natürlich gibt es auch Hoffnung. Andere Baumarten könnten mit den zu erwartenden trockenen Sommern und höheren Temperaturen besser zurechtkommen als der Bestand, erläutern Nowak und Talkner. Spitzahorn könnte das sein, Winterlinde, Elsbeere, Roteiche, Douglasie oder Weißtanne. Zudem können sich jüngere Bäume, auch Fichten, Eichen oder Buchen, offenbar besser auf die Klimaveränderungen einstellen als die alten, mächtigen Waldriesen. Der Waldzustandsbericht aber müsse „wachrütteln“, hofft der Förster, es sei Zeit zum Handeln.

Stickstoff und Kohlendioxid als Problem

„Wir brauchen drastische Maßnahmen, um die Kohlendioxid-Emissionen zu verringern“, fordert auch Ulrike Talkner. Zudem müsse Stickstoff aus Landwirtschaft und Verkehr reduziert werden. Selbst die Versauerung der Böden sei noch ein Problem. Immerhin habe die massive Kalkung der 1990er Jahre gezeigt, dass man etwas tun könne, wenn man entschlossen handele.

Baumfällungen nahe der Eisernen Hand bei Taunusstein. Gefällt wird häufig das, was ohnehin schon so gut wie tot ist.

„Für einen effektiven Klimaschutz braucht Hessen mehr Wildnisgebiete ohne Holznutzung“, erklärt Mark Harthun, Geschäftsführer des Nabu Hessen. Dort könne sich das Kronendach der Bäume schließen und den Wald vor gefährlicher Austrocknung schützen. Die wieder entstehenden Naturwaldstrukturen seien zudem wichtige Lebensräume für waldtypische Arten. „Walderhalt geht vor Holznutzung“, so Harthun.

Dass der Wald in 30 oder 40 Jahren ein anderer sein wird als der, den wir kennen, ist den versammelten Fachleuten aber auch klar. Ob dann dort noch Platz für den kleinen Waldbaumläufer ist, wie ihn der leidenschaftliche Vogelkundler Conz identifiziert hat, scheint eher fraglich.

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