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Hessens Schulen sind auf ukrainische Kinder vorbereitet

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Von: Pitt von Bebenburg

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15.03.2022, Hessen, Alsfeld: Oksana (43) aus der Ukraine gibt ihrer Tochter Jana (10) Unterricht am Laptop: Alltag in der zur Notunterkunft umfunktionierten Hessenhalle in Alsfeld. In der Stadt im Vogelsbergkreis befindet sich eine der vier Notunterkünfte für bis zu 1000 Menschen, mit deren Einrichtung das Land Hessen die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Wetterau, Vogelsberg und Hochtaunus beauftragt hatte. Foto: Nadine Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Oksana (43) aus der Ukraine gibt ihrer Tochter Jana (10) Unterricht am Laptop: Alltag in der Notunterkunft in Alsfeld. © dpa

Hessische Schulen haben bereits mehrere hundert Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Die Strukturen aus der Flüchtlingsaufnahme von 2015 zahlen sich aus.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht die Schulen gut vorbereitet für die Aufnahme von ukrainischen Schülerinnen und Schülern. Seit Kriegsbeginn am 24. Februar seien 1174 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine von den Schulbehörden in Hessen registriert worden, berichtete Lorz am Mittwoch im Kulturpolitischen Ausschuss des Hessischen Landtags.

Mehr als 500 von ihnen seien bereits Schulen zugewiesen worden. Weitere gut 500 seien bereits vom Aufnahmezentrum beraten worden, aber noch nicht in den Schulen angekommen. Daneben hätten 135 Anträge auf Einschulung gestellt, die noch nicht hätten bearbeitet werden konnen.

Kinder aller Altersgruppen

Die Zahlen änderten sich aber stündlich, betonte der Minister bei seinen Antworten auf die Fragen, die von der FDP eingereicht worden waren. Registriert worden seien Kinder aller Altersgruppen, erläuterte Lorz. Das sei ein Unterschied zur Aufnahme der geflüchteten Menschen in den Jahren 2015 bis 2017, als vorwiegend junge Männer nach Hessen gekommen seien.

Die Erfahrungen jener Jahre und die Strukturen, die seinerzeit aufgebaut wurden, kommen dem Land und den Schulen nach Darstellung des Kultusministers jetzt entgegen. Mittlerweile besäßen 500 hessische Lehrkräfte eine Fakultas, also Lehrbefähigung, in Deutsch als Zweitsprache oder Deutsch als Fremdsprache. Weitere 6000 Lehrerinnen und Lehrer hätten eine Basisqualifikation in diesen Fächern erworben.

Mehr als 900 Intensivklassen

In Hessen gibt es nach Angaben von Minister Lorz mehr als 900 Intensivklassen, in denen das Deutschlernen im Vordergrund steht. Auf dem Höhepunkt der zugewanderten Schülerinnen und Schüler im Jahr 2017 seien es 1400 gewesen. Noch aber gebe es viele freie Plätze in den Intensivklassen: mehr als 1100 an den Grundschulen, fast 1400 an den weiterführenden Schulen und gut 300 an den Berufsschulen, wo Jugendliche über 16 Jahren unterrichtet werden.

Lorz ermunterte die Lehrkräfte dazu, mit Schülerinnen und Schülern über den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu sprechen, da die Ereignisse auch hierzulande zu Verunsicherung führen könnten. Er empfahl, dies „im Kontext der Curricula und in Anbindung an den aktuellen Unterricht“ zu tun.

Gespräch mit dem Generalkonsul

Vor der Ausschusssitzung hatte Lorz den Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt, Vadym Kostiuk, zu einem Gespräch getroffen. Beide warben um die Unterstützung durch pädagogisches und psychologisches Fachpersonal unter den Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten oder bereits vorher in Deutschland gelebt hatten. Sie könnten etwa als Dolmetscherinnen und Dolmetscher behilflich sein oder die Neuankömmlinge bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen unterstützen.

„Die Kinder, die jetzt aus der Ukraine zu uns kommen, sind teilweise traumatisiert und bringen Erfahrungen von Leid und Zerstörung mit“, sagte Minister Lorz. Deshalb sei es „wichtig, den Kindern in dieser Situation mit festen Strukturen wie Schule und Unterricht möglichst frühzeitig Halt zu geben“.

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