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Hessens Schülerticket kommt gut an

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Von: Jutta Rippegather

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Die S-Bahnen sollen pünktlicher fahren. dpa
Einfach S-Bahn fahren mit der Flatrate © dpa

Das Flatrate-Angebot verringert Zahl der Autofahrten. Das Ziel bleibt allerdings ein günstiges Angebot für alle.

Das Elterntaxi hat Konkurrenz bekommen. Und die heißt: Schülerticket. Rund ein Fünftel der Inhaber:innen dieser Fahrkarte werden seltener mit dem Auto zum Unterricht gebracht oder von dort abgeholt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Begleitstudie, die das hessische Verkehrsministerium am Dienstag veröffentlicht hat.

Das vor fünf Jahren eingeführte 365-Euro-Jahresticket sei ein voller Erfolg, folgert der zuständige Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Die Idee, Jugendlichen selbstständige und klimafreundliche Mobilität zu verschaffen, ist aufgegangen.“ Das langfristige Ziel bleibe eine preisgünstige landesweite Jahresfahrkarte für alle Menschen in Hessen.

Stärkung von Bus und Bahn

Das Schülerticket ist ein Angebot nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Auszubildende. Zum Preis von 365 Euro können sie ein Jahr lang Busse und Bahnen in ganz Hessen benutzen. Der Vorteil gegenüber der früheren Regelung ist neben dem günstigeren Preis die größere Reichweite. Zuvor galten die Jahreskarten nur innerhalb eines Landkreises beziehungsweise einer Stadt.

Die Untersuchung basiert auf Vertriebsdaten und Befragungen, die während der dreijährigen Einführungsphase erhoben wurden. Sie umfasst die Zeit bis zum Schuljahr 2019/20. Zu diesem Zeitpunkt waren 418 000 Exemplare verkauft worden, demnach hatten mehr als die Hälfte der Schülerinnen, Schüler und Azubis ein solches Ticket in der Tasche. Das waren 20 Prozent mehr als vor der Einführung des neuen Angebots. „Das hat zur Refinanzierung der Preissenkung beigetragen und stärkt den ÖPNV, weil sich dessen Einnahmen und die Nutzung damit verstetigen und verbessern“, sagte Minister Al-Wazir.

Stärkung von Bus und Bahn

Theoretisch ist es möglich, damit den ganzen Tag kreuz und quer durch Hessen zu touren. Doch wie aus der Studie hervorgeht, wird diese Chance keineswegs exzessiv genutzt. Zwar komme die Karte gelegentlich auch bei längeren Fahrten zum Einsatz. Doch mehr als 90 Prozent nutzten sie vor allem für die „alltägliche Mobilität im Nahbereich“ und auch nicht mehr als zweimal täglich: „Von einem Städtetourismus kann keine Rede sein“, heißt es in der Zusammenfassung.

Mit dem Schülerticket, so das Fazit der Studie, sei ein „einfaches, leicht verständliches Produkt geschaffen“. Es versetze eine große Bevölkerungsgruppe in die Lage, ihre Alltagsmobilität mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu organisieren. „Die Wirkungsanalyse zeigt, dass das Schülerticket Hessen die erwarteten positiven Wirkungen tatsächlich erzielen konnte.“

Im laufenden Schuljahr ist die Zahl der Nutzer:innen allerdings leicht gesunken: Nach Angaben des Ministeriums nutzen rund 410 000 Schülerinnen, Schüler und Auszubildende aktuell das Angebot. Sie sind nicht die einzigen mit einer Flatrate. Inzwischen gibt es auch ein Seniorenticket in zwei Varianten für die Altersgruppe ab 65 Jahren. Rund 67 000 Fahrgäste sind gegenwärtig damit unterwegs. Außerdem gibt es das Landesticket als Jobticket für die rund 150 000 Beschäftigten des Landes.

„Preisgünstige und einfache Flatrate-Angebote tragen erheblich zur Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs bei“, sagte der Minister und kündigte an, diesen Weg weiter zu gehen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten die Branche zwar finanziell besonders stark getroffen und das müsse jetzt kurz- und mittelfristig erst einmal bewältigt werden. Doch: „Unser langfristiges Ziel bleibt das Bürgerticket, also ein preisgünstiges landesweites Jahresticket für alle Hessinnen und Hessen.“

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