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Hessens Polizeifliegerstaffel: Millimeterarbeit in der Luft

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Von: Jutta Rippegather

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Im Sommer 2021 traf die Flutkatastrophe die Menschen auch in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) unvorbereitet.
Im Sommer 2021 traf die Flutkatastrophe die Menschen auch in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) unvorbereitet. Das Wasser riss ganze Straßen weg. © Thomas Frey/dpa

Hessens Polizeifliegerstaffel rettete 200 Menschen im Ahrtal. Ein Beispiel für Katastrophenschutz, in den das Land mehr investieren will.

Das verheerende Hochwasser vor einem Jahr wird kein singuläres Ereignis bleiben, mutmaßt Moritz von Zetschwitz. Der Leiter der hessischen Polizeifliegerstaffel geht davon aus, dass dem Einsatz im Ahrtal weitere folgen werden, für welche das Know-how seines 55-köpfigen Teams gefragt ist. Dass es darauf vorbereitet ist, hat es vor einem Jahr bewiesen. 200 Personen konnten die Hessen bei der Flutkatastrophe vor einem Jahr helfen. Der älteste Gerettete war 93 Jahre alt, der jüngste ein Säugling. Es gelang, Menschen aus einem Haus zu holen, das zehn Minuten später einstürzte. „Eine surreale Situation.“ Es kam aber auch vor, dass lediglich ein Teil einer Familie das Unglück überlebte, erinnert sich der Chef der Polizeifliegerstaffel, in der sich alleine zehn Leute mit Drohnen beschäftigen. „Teilweise gab es tragische Szenen, die schwer zu verarbeiten waren.“

Extremwetterlagen

Eigentlich ist die Polizeiflugstaffel in Egelsbach stationiert. Am Freitag steht ihr Hubschrauber Ibis 1 auf einem Sportflugplatz in Gießen. Innenminister Peter Beuth (CDU) ist dorthin gekommen. Er will der Presse zeigen, dass der hessische Katastrophenschutz im Bundesvergleich eine Spitzenposition einnimmt. Und darauf aufmerksam machen, dass die Zukunft große Herausforderungen bringen wird, auf die sich die Landsregierung vorbereitet. „Aufgrund zunehmender Extremwetterlagen, aber auch anlässlich der angespannten Sicherheitslage in Europa kommt der Stärkung des Katastrophenschutzes in unserem Land eine besondere Bedeutung zu“, sagt Beuth. Das Land habe sie in den vergangenen Jahren mit „modernsten Einsatzmitteln ausgestattet“, investiere umfassend in die Ausbildung der Helfer:innen.

Knifflige Manöver

Ibis 1 ist einer der insgesamt drei Hubschrauber des Typ Eurocopter 145 der Polizeifliegerstaffel. Hinter dem Steuer sitzt Andreas Bruns – einer von 23 Piloten in der Staffel – alles Männer. Sie fliegen mindestens zu dritt, sagt Brand im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Pilot, Copilot, Operator. Mit der Wärmebildkamera spüren sie Vermisste auf, überwachen den Verkehr, jagen Geldautomatensprenger. Sie beherrschen aber auch kniffelige Manöver: Mit einem 800-Liter-Wassersack am Haken Waldbrände löschen. Mit der Rettungswinde kollabierte Kranfahrer bergen, verunglückte Menschen in den Bergen oder aus anderen Situationen, in denen die Rettung aus der Luft die schonendste, manchmal auch die einzig mögliche Variante ist. „Ein sehr riskantes Verfahren“, sagt von Zetschwitz. Das zweimal im Jahr intensiv geübt werde – seit 14 Jahren. Dank der Erfahrung sei der Einsatz im Ahrtal gut verlaufen.

Extremwetterlagen

Gewicht, Wärme, Geschwindigkeit spielen bei der Fliegerei eine maßgebliche Rolle. Das Seil ist stoßempfindlich. Der sogenannte Windenbediener sagt dem Piloten das Ziel an. Millimeterarbeit, wenn eine Person vom Schornsteinfegerpodest eines Hausdachs hochgezogen werden muss. Bei der Höhenrettung kooperiert die Fliegerstaffel mit der Berufsfeuerwehr in Wiesbaden. Bei dem Einsatz in der Flut arbeiteten sie auch mit anderen Bundesländern zusammen, sagt von Zetschwitz, der als Pilot ebenfalls dabei war. Außer Bayern verfüge kein anderes Bundesland über so viel Erfahrung wie Hessen. Baden-Württemberg habe jetzt nachgezogen. Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verfügten ebenfalls über Hubschrauber mit Winden. Denn diese Flut werde wohl nicht die letzte sein.

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