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Hessens Ministerpräsident: „Brauchen drastische Einschränkungen für Ungeimpfte“

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Von: Peter Hanack

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Bisher gab es 2G (Einlass nur für Geimpfte und Genesene) nur hier und dort. Von Sonntag an wird das in Hessen zur Regel.
Bisher gab es 2G (Einlass nur für Geimpfte und Genesene) nur hier und dort. Von Sonntag an wird das in Hessen zur Regel. © Monika Müller

Hessen verschärft von Sonntag an die Corona-Regeln. Ungeimpfte sind besonders betroffen. Nur an Schulen und bei Gottesdiensten ändert sich so gut wie nichts.

Die Eintracht darf im Waldstadion nur noch vor 15 000 Fans spielen, der Hessische Landtag soll nächste Woche eine „pandemische Lage“ für Hessen feststellen, Ungeimpfte dürfen sich in der Öffentlichkeit nur noch mit den Angehörigen eines zweiten Hausstands treffen. So lauten die Verschärfungen der Corona-Regeln, wie sie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag vorgestellt haben.

Von Sonntag, 5. Dezember, an gelten in Hessen verschärfte Bestimmungen zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion. „Für Ungeimpfte brauchen wir drastische Einschränkungen“, sagte Bouffier mit Hinweis auf überlastete Krankenstationen und weiter steigende Infektionszahlen. „Wir stehen vor einer sehr, sehr ernsten Situation“, mahnte er. Die jetzigen Maßnahmen seien nicht ausreichend. Um die vierte Corona-Welle zu brechen, müssten Kontakte deutlich eingeschränkt werden.

Demnach gilt für Ungeimpfte, dass sie sich im öffentlichen Raum – beim Einkaufen, bei Freizeitaktivitäten oder beim Besuch des Weihnachtsmarkts – nur mit den Angehörigen eines einzigen weiteren Hausstands treffen dürfen. Wohnungen bleiben davon unberührt. Allerdings mahnte Bouffier dringend, auch dort die Kontakte nach Möglichkeit einzuschränken.

Von Sonntag an gilt die 2G-Regel (geimpft oder genesen) in allen Gaststätten und Geschäften. Ausnahmen gibt es für Betriebe, in denen Güter des täglichen Bedarfs verkauft werden, also etwa Supermärkte, Drogerien und Apotheken. In Gaststätten und Hotels gilt zudem, dass dort Abstände eingehalten und Masken bis zum Sitzplatz getragen werden müssen.

Abstand auch in Clubs

Die Neuen Regeln

Eingeschränkte Kontakte für Ungeimpfte: Im öffentlichen Raum dürfen sich höchstens zwei Hausstände treffen.

2G im Einzelhandel: In die Läden dürfen nur Geimpfte und Genesene. Ausgenommen sind Geschäfte der Grundversorgung wie Supermärkte, Drogerien und Apotheken.

Für Veranstaltungen im Innen- und Außenbereich gelten verschärfte Infektionsschutz-Bestimmungen. pgh

Gestrichen wird die Option auf eine 2G+-Regel. Dann ist es auch in Bars oder Clubs nicht mehr möglich, auf Abstandsregelungen und Maskenpflicht zu verzichten, selbst wenn nur Genesene und Geimpfte mit aktuellem Test Einlass erhalten.

Bei Veranstaltungen im Innenbereich gilt ab elf Personen die 2G-Regel, bei mehr als 100 Personen außerdem das Abstandsgebot. Für Veranstaltungen mit mehr als 250 Personen ist eine Genehmigung durch das Gesundheitsamt erforderlich. Bei Außenveranstaltungen gilt 2G erst ab 1000 Besucher:innen, bei mehr als 3000 muss auch dort eine Genehmigung des Gesundheitsamtes eingeholt werden.

Eingeführt wird zudem eine Kapazitätsbeschränkung auf 25 Prozent für Veranstaltungsstätten mit mehr als 3000 Plätzen. So gilt etwa für das Frankfurter Waldstadion, in dem die Eintracht spielt, dass dort statt 51 000 Fans lediglich 15 000 zu den Spielen kommen dürfen.

Kaum Veränderungen gibt es an den Schulen. Dort wird lediglich eine wöchentliche Testpflicht auch für Geimpfte eingeführt. Ungeimpfte müssen sich wie bisher dreimal in der Woche testen. Auch Gottesdienste bleiben weitgehend ausgenommen. Dort wird die 3G-Regel lediglich dringend empfohlen. Bouffier schloss aus, dass Schulen geschlossen oder Wechselunterricht eingeführt werden, solange noch Fußballspiele vor Zuschauern erlaubt und Weihnachtsmärkte geöffnet blieben. Verlängerte Weihnachtsferien wie in einigen anderen Bundesländern lehnte er ab.

Der Ministerpräsident kündigte an, dass der Hessische Landtag nächsten Dienstag über eine „pandemische Lage“ für Hessen entscheiden solle. Würde diese festgestellt, könnten weitere Maßnahmen wie ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit erlassen oder das Schließen von Freizeit- und Kultureinrichtungen verfügt werden. Bouffier mahnte, die Corona-Regeln sollten möglichst bundeseinheitlich beschlossen werden, um deren Akzeptanz zu erhöhen.

Die Lage sei „sehr beunruhigend“, sagte auch Gesundheitsminister Klose. So seien in Hessen aktuell 307 Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt, etwa doppelt so viele wie noch vor wenigen Wochen. Klose verwies darauf, dass die Impfkapazitäten in einen „Kraftakt“ drastisch ausgeweitet worden seien, von 130 000 vor drei Wochen auf nun 280 000.

Von 5. Dezember an sollen wöchentlich sogar 400 000 Impfungen möglich sein. „Voraussetzung dafür ist eine ungestörte Impfstoffzufuhr“, so Klose. Er erwarte, dass der Bund nach den Kürzungen der letzten Tage nun schnell nachliefere.

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