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Schule

Hessens Lehrer warnen: „Wir verlieren jeden Fünften“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Lehrerverbände sehen viele Schüler und Schülerinnen in Hessen abgehängt. Und fordern ein massives Gegensteuern.

Mehrere Lehrerverbände haben am Donnerstag deutlich mehr Unterstützung für die hessischen Schülerinnen und Schüler angemahnt. Sie fürchten, zahlreiche Kinder und Jugendliche könnten den Anschluss verlieren – vor allem jene, die seit Monaten keine Schule mehr von innen gesehen haben. Diese müssten wenigstens tageweise wieder in die Klassenräume kommen dürfen.

„Wir müssen dringend gegensteuern“, forderte Thomas Schwarze, der den Arbeitskreis der Gesamtschuldirektor:innen leitet und mehr als 100 hessische Gesamtschulen vertritt. Seine Sorge: „Manche Kinder und Jugendliche haben wir seit Monaten nicht mehr gesehen, sie könnten uns definitiv verloren gehen.“

Diese Sorge teilt auch Birgit Koch, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen. „Von den Klassen 7 bis 11 waren viele seit den Weihnachtsferien nicht mehr in der Schule“, mahnte sie.

Gleichberechtigung gefordert

Petition aus Frankfurt: Eine von Eltern der Wöhlerschule angestoßene Petition fordert Wechselunterricht für alle Jahrgänge. Die Klassen sieben bis elf würden nicht gleichberechtigt beschult und stünden bei Überlegungen, ob die Schulen geöffnet bleiben, nicht im Fokus, heißt es darin. Bis Montag, 26. April, ist die Petition noch zur Stimmabgabe geöffnet. Das Ergebnis soll dem Kultusministerium mit der Aufforderung übergeben werden, alle Jahrgänge gleichberechtigt einzuplanen. Zur Petition: change.org/Wechselunterricht_für_alle_Jahrgänge
Die Aktion Mensch fordert, Kinder mit Behinderungen mehr zu unterstützen. Es gebe in der Regel keine Differenzierungsmaterialen und keine differenzierte Unterstützung für Schüler:innen mit Behinderung, die sonderpädagogische Förderung werde komplett den Eltern überlassen und hänge vom individuellen Engagement einzelner Lehrer:innen ab, kritisiert die Wohltätigkeitsorganisation. Die beabsichtigte Schließung der Schulen ab einer Inzidenz von über 165 bringe viele Familien an ihre Belastungsgrenzen und vergrößere die Bildungsschere. pgh

Es sind rund 240 000 hessische Schülerinnen und Schüler, die seit 16. Dezember ausschließlich auf Distanz unterrichtet werden. Koch forderte, dass diese wenigstens einen Tag in der Woche in die Schulen kommen dürfen. Es sei nötig, dass alle regelmäßig persönlich in Kontakt mit ihren Lehrerinnen und Lehrern und den Mitschüler:innen kommen könnten. Koch schlug vor, dass die Siebt- bis Elftklässler an einem Tag die Schule besuchen, an dem andere, die bereits jetzt wenigstens teilweise im Präsenzunterricht seien, zu Hause blieben.

Auch der Arbeitskreis der Grundschulleiter:innen hält Homeschooling für keinen ausreichenden Ersatz. Selbst bei optimaler Ausstattung könne der Distanzunterricht nicht die Inhalte und Kompetenzen des Präsenz-unterrichts vermitteln, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Besorgniserregend seien auch die „zunehmenden Wissensunterschiede“. Während die einen zu Hause viel Hilfe erhielten und ihre Aufgaben motiviert bearbeiteten, gelinge es in anderen Elternhäusern nicht, die Kinder beim Lernen zu unterstützen.

„Wir erreichen zu Hause längst nicht jeden“, sagte dazu Thomas Schwarze. Viel zu sehr sei der Lernerfolg dort von den Elternhäusern und den technischen Voraussetzungen abhängig. GEW-Vorsitzende Koch forderte, das Impfen der Lehrerschaft zu beschleunigen, die Schulen besser mit Lüftern auszustatten und insgesamt mehr Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Nach Einschätzung von Schwarze wäre es möglich, in ein bis zwei Wochen wenigstens die Klassen 7 und 8, die bislang ausschließlich zu Hause unterrichtet werden, wieder in die Schulen zu holen, zumindest im Wechselunterricht. Ob dies möglich sei, hänge auch von der Wirksamkeit der verpflichtenden Selbsttests ab, die seit dieser Woche für alle Schülerinnen und Schüler vorgeschrieben sind, die den Präsenzunterricht besuchen wollen. An diesem Tag, so Schwarze, gehe es dann nicht um die Vermittlung von Lernstoff. Sondern darum, „dass wir uns treffen und fragen, wie es uns in der letzten Zeit ergangen ist“, sagte er.

Koch forderte zudem ein Programm, um die Lernrückstände aufzuholen und die sozial-emotionale Entwicklung der Schüler:innen zu fördern: „Dafür sind mindestens 100 Millionen Euro nötig.“

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