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Corona

Hessens Kliniken schalten wegen Covid auf Notbetrieb

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Verschiebbare Eingriffe sind abgesagt. Die Lage in Südhessen besonders angespannt.

Am Freitag meldete sich Hessens größter öffentlicher Klinikverbund von der Versorgung ab: Weder Frankfurt-Höchst hatte noch Kapazitäten noch Bad Soden. Für das Krankenhaus im Main-Taunus-Kreis galt auch am Montag noch Aufnahmestopp. Die dritte Corona-Welle ist für die stationäre Versorgung eine weitere Belastungsprobe. Ob das System kollabiert, hängt maßgeblich vom Mitwirken der Bevölkerung ab, betont Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Montag in Wiesbaden. Das Einhalten der AHAL-Regeln (Abstand, Hygiene, Atemmaske, Lüften) könne Menschenleben retten.

„Aktuell ist die Situation sehr angespannt und wird sich weiter verschärfen“, sagt Klose. Die Krankenhäuser sind aufgerufen, planbare und nicht lebensnotwendige Eingriffe zu verschieben. Schon jetzt liege die Belegung zehn Prozent über dem Höhepunkt der zweiten Welle Ende Dezember. Ein Ende des Wachstums sei nicht in Sicht. „Wir stellen uns auf weitere steigende Zahlen ein“, sagt Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt und Leiter des Planstabs stationäre Versorgung des Sozialministeriums. Besonders angespannt sei die Lage in den Versorgungsregionen Darmstadt sowie Frankfurt/Offenbach. Kassel habe noch etwas Luft, so dass Patientinnen oder Patienten dorthin verlegt werden können.

Klinikauslastung

In Hessens Krankenhäusern werden (Stand 16. April) insgesamt 1528 Personen mit oder Verdacht auf Covid-19 stationär behandelt.

Intensivpflichtig sind 484. Davon werden 301 beatmet.

Landesweit sind rund 83 Prozent der Normalbetten belegt. Es gibt regionale Unterschiede. Am höchsten belastet ist Südhessen.

An der „strukturierten Notfallversorgung“ nehmen in Hessen 77 von 127 Kliniken teil. jur

Wie in der gesamten Republik kann auch in Hessen von Normalbetrieb schon länger keine Rede mehr sein. Manche Menschen warten seit Monaten auf eine Operation, die medizinisch als nicht so dringlich eingestuft und deshalb verschoben wird. Die Kriterien nähern sich wieder denen vom Dezember. „Es wird noch gemacht, was absolut notwendig ist.“ Die Entscheidung hänge stets von der individuellen Situation ab, betont Graf. „Es kam auch schon vor, dass die dringliche Herz-Operation verschoben wurde.“ Ein solcher Schritt biete kurzfristigen Spielraum, „geht mittelfristig aber zulasten der Versorgungsqualität“.

Die Priorisierung soll Kapazitäten schaffen. Bei der Covid-Behandlung fehlt es laut Graf weniger an Betten oder Beatmungsgeräten. Der limitierende Faktor sind die Menschen, die sie richtig bedienen können. Für die Kränksten der Kranken werden die Kräfte zusammengezogen: „Um weitere zwölf Betten auf der Intensivstation zu schaffen, muss ich acht Operationssäle und sechs bis zehn Normalstationen schließen“, sagt Graf.

Die dritte Welle sei anders. So habe sich die Behandlung stark in Richtung Intensivversorgung und dort der Beatmung verlagert. Die ganz alten Menschen sind fast alle geimpft. „Wir beobachten eine Tendenz, dass das Durchschnittsalter sinkt und vermehrt jüngere Personen intensivmedizinisch betreut werden müssen“, so Graf. Darunter befänden sich auch Kinder. Wissenschaftlich erklärbar sei das nicht. Von guten Ratschlägen an die Politik sieht der Uniklinikchef ab. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass kein Mensch in Hessen in einem Behelfskrankenhaus behandelt werden muss. Ob das Ziel mit Notbremse oder Ausgangssperre erreicht wird, spielt für ihn keine Rolle: „Alles, was die Infektionszahlen senkt, ist nützlich.“

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