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Hessens Kinder und Jugendliche wollen mehr Mitspracherecht und fürchten sich vor dem Klimawandel.

Bundesministerium

Kinder fürchten den Klimawandel

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Bundesweite Umfrage zeigt den Wunsch von Kindern und Jugendlichen nach mehr Beteiligung. Denn sie sagen: „Wir fühlen uns nicht ernst genommen“

Kinder fühlen sich mehrheitlich von den Erwachsenen nicht ernst genommen. Dabei wollen sie gerne mitreden und sich an der Gestaltung ihres Umfelds beteiligen - in Hessen mehr als in jedem anderen deutschen Flächenland. Das sind wesentliche Ergebnisse des Kinderbarometers, einer bundesweiten Umfrage unter Viert- bis Siebtklässlern, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt worden ist.

Dass sich Kinder so häufig wünschen, an Entscheidungen beteiligt zu werden, hat auch damit zu tun, dass sie immer besser über ihre Rechte Bescheid wissen. „Mehr als die Hälfte hat von der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen gehört, mehr denn je“, berichtete Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne). Er führt den steigenden Bekanntheitsgrad auch darauf zurück, dass die Kinderrechte seit dem vergangenen Jahr auch in der hessischen Verfassung stehen. „Es ist wichtig, dass wir den Kindern Gehör schenken“, sagte er.

Das Kinderbarometer

Die Hessenstiftung legt regelmäßig die landesspezifischen Ergebnisse einer Umfrage bei Kinder und Jugendlichen vor. Das LBS-Kinderbarometer wird von der Landesbausparkasse Hessen-Thüringen und dem Kinderschutzbund unterstützt und vom Prosoz-Institut für Sozialforschung durchgeführt. Mehr unter www.hessenstiftung.de

In diesem Punkt aber scheint noch Luft nach oben zu sein. 65 Prozent der hessischen Schüler und Schülerinnen geben an, sie wollten sich bei Entscheidungen in ihrem Umfeld gerne beteiligen. Nur in Berlin und Hamburg sind es noch etwas mehr. Allerdings geben gleichzeitig auch mehr als die Hälfte der Befragten an, sie fühlten sich nicht ernst genommen. Etwa ebenso viele wissen nicht, an wen sie sich beispielsweise an ihrem Wohnort wenden können, wenn sie etwas ändern wollen.

„In den Familien und den Kindertagesstätten läuft es mit der Mitbestimmung schon ganz gut“, erläuterte Verone Schöninger, Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Hessen. „In den Schulen hapert es aber wohl noch am meisten.“ Schöninger regte an, die Einrichtung von Kinder- und Jugendparlamenten, wie es sie in manchen Kommunen schon gibt, stärker zu fördern. „Und vielleicht gelingt es ja irgendwann auch, dass wir ein solches Jugendparlament auf Landesebene sehen“, sagte sie. Sozialminister Klose nahm diese Anregung eher verhalten auf. „Diese Parlamente funktionieren meist nur in Wellen, weil es dort die Treiber braucht, die aber selbst irgendwann keine Kinder oder Jugendlichen mehr sind“, entgegnete er. Er setzt dagegen bei der Beteiligung stärker auf dezentrale, digitale Formate. Allerdings wolle man dabei landesseits nichts vorgeben. „Das soll von unten wachsen“, so Klose.

Die Umfrage sei vor Beginn der Corona-Krise gemacht worden, erklärte Kathrin Müthing von Prosoz, eine der Autorinnen. Danach wäre es aufgrund der Schulschließungen auch schwierig geworden, sagte sie. So seien aber noch keine Auswirkungen von Corona erfasst.

Ganz vorne in der Liste der Dinge, die die Kinder beschäftigen, stehe deshalb der Klimawandel. Fast alle hätten davon gehört, ein Drittel fürchte sich davor, und zwei Drittel wollten etwas dagegen tun.

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