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Wenn der Meter Dachlatte plötzlich 1,90 Euro statt 45 Cent kostet, bereitet das auch manchem Dachdecker Schwierigkeiten.
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Wenn der Meter Dachlatte plötzlich 1,90 Euro statt 45 Cent kostet, bereitet das auch manchem Dachdecker Schwierigkeiten.

Wirtschaft

Hessens Handwerk kämpft mit dem Mangel: Wenn die Dachlatte plötzlich vier Mal so viel kostet

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Es gibt viele Aufträge, aber auch Lieferengpässe und zu wenig Nachwuchs. In Hessen fehlen mindestens 10 000 Fachkräfte. Für Kunden heißt das: länger warten und mehr zahlen.

Hessens Handwerker kommen kaum hinterher mit der Arbeit. Die Auftragsbücher sind voll, doch Personalmangel und Lieferengpässe beim Material belasten die Betriebe. Zugleich sind die Preise im Einkauf stark gestiegen.

Es ist ein widersprüchliches Bild, das die Vertreter des hessischen Handwerks am Mittwoch in Wiesbaden gezeichnet haben. Einerseits können sich die Betriebe vor Aufträgen kaum retten. Das führt dazu, dass Kunden sich auf längere Vorlaufzeiten und steigende Preise einstellen müssen. Andererseits gehen bei vielen Betrieben die Rechnungen nicht mehr auf, weil sie Aufträge kalkuliert und angenommen haben und nun für das benötigte Material deutlich mehr als veranschlagt zahlen müssen.

„Das kann die Betriebe durchaus in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen“, sagte Wolfgang Kramwinkel, Vizepräsident des Hessischen Handwerkstages. Kunden seien in der Regel nicht bereit, im Nachhinein Preiserhöhungen zu akzeptieren. Das gelte auch für die öffentliche Hand, also Kommunen oder das Land.

Hessens Handwerk in Zahlen

77 108 Handwerksbetriebe gab es in Hessen zum Stichtag 31. Dezember 2021. Im Vorjahr waren es lediglich 76 037 gewesen.

Etwa 370 000 Menschen sind in den hessischen Handwerksbetrieben beschäftigt.

Sie erwirtschafteten einen Umsatz von rund 37,4 Milliarden Euro.

Mehr unter handwerk-hessen.de pgh

2021 sei ein „Ausnahmejahr“, sagte Kramwinkel. Was das heißt, machte er am Beispiel der Dachlatten deutlich. Habe der laufende Meter bisher 40 bis 45 Cent gekostet, sei der Preis auf bis zu 1,90 Euro gestiegen, also auf mehr als das Vierfache. Da spielt die Weltwirtschaft in Hessen eine Rolle. So hätten etwa die USA fast alles Holz aus Kanada für sich reserviert. „Engpässe gab und gibt es bei Holz, Dämmstoffen, Stahl, PVC-Rohren, Aluminium, Farben und Lacken“, erklärte er. Auch der Mangel an Computerchips treffe das Handwerk, etwa wenn es um die Installation neuer Elektroanlagen gehe.

Ein weiterer Schuh drückt beim Nachwuchs. 2021 konnten 9512 neue Lehrverträge abgeschlossen werden, wie Geschäftsführer Bernhard Mundschenk berichtete. Das seien 383 oder 4,2 Prozent mehr als 2020, aber deutlich weniger als 2019, also vor Corona. Damals zählte das hessische Handwerk 10 357 neue Ausbildungsverträge.

Energiewende gefährdet

Damit fehlten nicht nur Auszubildende, sagte Handwerkstags-Präsident Stefan Füll, sondern in der Folge auch Gesellen, Meister und damit Menschen, die einen Betrieb übernehmen könnten. In den nächsten Jahren stünden rund 8000 solcher Betriebsübernahmen an. „Nachwuchs zu gewinnen, ist die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre“, sagte Mundschenk. Insgesamt fehlten in Hessen rund 10 000 Handwerker:innen.

Damit stehe auch infrage, ob Projekte wie die Energiewende oder der geplante Wohnungsbau umgesetzt werden könnten. Die Handwerksvertreter forderten mehr Unterstützung durch die Politik. So müsse die Meisterausbildung kostenlos werden, es müsse mehr Berufsberatung gerade auch an Gymnasien geben, Praktiker sollten in der Lehrerfortbildung eingesetzt und die berufliche Bildung der akademischen gleichgestellt werden.

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