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Bettina Hoffmann ist fraglos eine Fachfrau.
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Bettina Hoffmann ist fraglos eine Fachfrau.

Hessen

Grünen-Spitzenkandidatin: „Ich will regieren“

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die neue hessische Grünen-Spitzenkandidatin Hoffmann spricht über ihre Priorität für den Umweltschutz und ihre Pläne für en Autobahn-Moratorium.

Bettina Hoffmann ist Spitzenkandidatin der hessischen Grünen für die Bundestagswahl. Sie setzte sich beim Parteitag am Wochenende in Frankfurt gegen zwei Mitbewerberinnen durch.

Frau Hoffmann, Sie haben Umwelt- und Klimapolitik zum Schwerpunkt im hessischen Grünen-Wahlkampf erklärt. Wie sehr dringt man damit durch, wenn Corona das Thema Nummer eins ist?

Covid ist natürlich im Moment die zentrale Frage. Viele Menschen leiden darunter. Wir wissen nicht, ob eine Überlastung des Gesundheitssystems vermieden werden kann. Es wichtig, dass darauf das Hauptaugenmerk liegt. Aber es darf auf keinen Fall passieren, dass wir darüber die anderen Dinge vernachlässigen. Man muss alles tun, um Klimaschutz voranzubringen. Wie „Fridays for Future“ sagen: Jetzt das Nötige tun. Dazu gehört beides.

Sie haben in Ihrer Bewerbungsrede gesagt, dass Sie Politik auch für Menschen machen wollten, für die Klimaschutz nicht die höchste Priorität besitze, sondern soziale Nöte. Wie soll das gelingen?

Je mehr Zeit vertan wird, desto krassere Dinge müssen passieren, um im Klimaschutz voranzukommen. Da muss man alle mitnehmen, damit die Leute nicht abgehängt werden und nicht unter den Maßnahmen zum Klimaschutz leiden. Dazu passt ein CO2-Preis, der einen sozialen Ausgleich hat. Oder dass die Wohnsituation verbessert wird und Mieten angemessen sind. Das gehört zusammen, damit unsere Gesellschaft zusammenbleibt.

In Hessen hat der Streit über die Rodung des Dannenröder Forsts für den Autobahnbau eine große Rolle gespielt. Wo stehen Sie da?

Wir Grünen stehen alle klar gegen diese Autobahn, gegen die A49. Ich habe selber in meinem Wahlkreis, dem Schwalm-Eder-Kreis, seit 20 Jahren gegen diese Autobahn gearbeitet. Ich halte sie für völlig unnötig und aus der Zeit gefallen. Natürlich muss man schauen, wo man Dinge ändern kann. In Hessen konnte man das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Da ist die Bundesregierung gefragt. Man muss an den Bundesverkehrswegeplan ran. Wir brauchen ein Gesetz, wo geklärt wird, dass Klimaverträglichkeit in die Umweltprüfung gehört bei allen Planungen von neuen Infrastrukturmaßnahmen.

Heißt das: genereller Verzicht auf jede weitere Autobahn?

Nein. Wir werden sicherlich noch Straßen bauen und auch Autobahnteilstücke. Das werden wir Grüne nicht verhindern können. Einerseits brauchen wir Grüne dafür Mehrheiten. Andererseits ist vielleicht an der einen oder anderen Stelle auch ein Abschluss sinnvoll. Aber wir werden neue Maßnahmen kritisch betrachten ebenso wie wir den Weiterbau von Projekten, die 20 Jahre und älter sind und längst verstaubt sind, neu bewerten. Alles muss auf den Prüfstand. Daher fordern wir ein Moratorium.

Sie wollten diesmal Spitzenkandidatin werden und sind es geworden. Weshalb war das für Sie wichtig?

Ich finde es wichtig, dass in diesen Zeiten, wo es wirklich darauf ankommt, die Umweltpolitik ganz nach vorne kommt. Das ist einerseits ein Signal in die Partei, dass das unser Kernthema ist und bleibt. Und andererseits ist es ein Signal nach außen: Bei allen anderen Fragen, die es gibt, von der Gesundheits- bis zur Sozialpolitik, ist die Umwelt entscheidend. Alles hängt zusammen. Ich glaube, ich bringe alles dafür mit von meiner Fachlichkeit als Biologin und von meinem ehrenamtlichen Engagement, um glaubwürdig zu sein.

Wollen Sie in Berlin mitregieren?

Ich will regieren. Man muss am Tisch sitzen, wenn Entscheidungen getroffen werden. Es nützt nichts, wenn man sich im Nachgang an irgendwelchen Dingen abarbeitet. Wir haben 2013 und 2018 hier in Hessen hart die Koalition mit der CDU verhandelt. Gerade in unseren Bereichen Umwelt und Soziales haben wir viel herausgeholt. Genau das will ich auch für den Bund erreichen.

Wo sehen Sie in diesen Bereichen Erfolge in Hessen?

Die ganze Waldpolitik: Dass wir auf FSC-Zertifizierung umgestellt haben. Dass wir den Nationalpark Kellerwald erweitert haben. Dass wir große Waldschutzflächen ausgewiesen haben, die aus der Nutzung kommen, und dass wir damit die biologische Vielfalt erhalten. Das sind ganz zentrale Punkte für mich. Wir haben in der Landwirtschaft die Ökomodellregionen eingerichtet. Es wird mehr Ökolandbau geben. Wir haben ein tolles Programm „100 wilde Bäche“ aufgelegt. Da werden Bäche renaturiert von der Quelle bis zur Mündung. Das ist entscheidend für die biologische Vielfalt und für den Hochwasserschutz.

Der Wahlkampf wird im Corona-Jahr anders als sonst. Wie wird er aussehen?

Das stellt uns vor ganz große Herausforderungen. In meinem Wahlkreis, dem Schwalm-Eder-Kreis, arbeiten wir mit Podcasts und machen digitale Veranstaltungen. Aber wir müssen auch physisch den Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern haben. Denn man braucht das Gespräch. Da werden wir uns etwas einfallen lassen, ob das Gartenzaunwahlkampf ist oder Pop-up-Wahlkampf mit wenigen Leuten auf der Straße. Ich glaube, da bin ich ziemlich kreativ.

Bettina Hoffmann wurde am Samstag zur Spitzenkandidatin der hessischen Grünen für die Bundestagswahl gekürt. Die 61-jährige promovierte Biologin gehört dem Parlament seit 2017 an. Sie ist in der Grünen-Fraktion Sprecherin für Umweltpolitik. Hoffmann lebt in Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis.

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