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Hessens Ex-Generalstaatsanwalt ist tot: Ein Leben für die Prävention

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Interview mit Helmut Fünfsinn, hessischer Opferbeauftragter: Wie könnte der Staat Opfern wie in Hanau besser helfen? Ort: Frankfurt, Bleichstraße 6
Helmut Fünfsinn war hessischer Generalstaatsanwalt und erster Landes- Opferbeauftragter. Er starb mit 67 Jahren. © Christoph Boeckheler

Der ehemalige hessische Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn starb mit 67 Jahren. Er war Hessens erster Opferbeauftragter

Von Pitt von Bebenburg

Das Verhindern von Straftaten war Helmut Fünfsinns Lebensthema. Das ist nicht selbstverständlich für einen Staatsanwalt, dessen Kernaufgabe im Verfolgen von Delikten besteht. Fünfsinn wollte mit Prävention dafür sorgen, dass sie gar nicht erst geschehen.

Fünf Jahre lang Generalstaatsanwalt

Am Sonntag ist der Jurist aus Liederbach, der von 2015 bis 2020 als hessischer Generalstaatsanwalt amtierte, im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Seit seiner Pensionierung hatte Fünfsinn als Opferbeauftragter des Landes Hessen gewirkt. Er war die erste Person in dieser neu geschaffenen Funktion.

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (beide CDU) zeigten sich am Montag „zutiefst bestürzt“ über Fünfsinns Tod. „Die hessische Präventionsarbeit ist untrennbar mit seinem Namen verbunden“, hob Kühne-Hörmann hervor. Im Jahr 1992 war der hessische Landespräventionsrat gegründet worden. Er ging maßgeblich auf die Initiative Fünfsinns zurück, der bereits seit 1984 im Hessischen Justizministerium tätig war. Von Anfang an koordinierte er das Gremium nebenamtlich als Geschäftsführer. Seit 2018 amtierte er als Vorsitzender.

Fußballer beim TSV Taras

Dabei war er bestrebt, für eine enge Zusammenarbeit der Institutionen aus dem Arbeits-, Sozial- und Bildungsbereich mit der Justiz zu sorgen. Der begeisterte Fußballer, der beim TSV Taras in Frankfurt gekickt hatte, band Sportprofis wie Ioannis Amanatidis und Sebastian Rode als hessische Präventionsbotschafter ein, ebenso die Schauspielerin Asli Bayram. Die Botschafter:innen trafen Jugendliche, um bei ihnen für Respekt und ein Leben ohne Gewalt einzutreten.

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) würdigte vor allem Fünfsinns Tätigkeit als Opferbeauftragter. Der Jurist hatte dazu eigentlich erst am 1. April 2020 antreten sollen. Doch nach dem rassistischen Anschlag von Hanau am 19. Februar 2020 nahm er seine Arbeit früher auf, um den Angehörigen zur Seite zu stehen. Auch die Schicksale der Menschen in Volkmarsen bewegten ihn, wo am 24. Februar ein Amokfahrer in einen Fastnachtsumzug gerast war.

In der Kommission zum Loveparade-Unglück

Zuletzt arbeitete Fünfsinn auch in der Expertenkommission mit, die Konsequenzen aus dem Loveparade-Unglück von Duisburg 2010 vorschlagen soll. Die Veröffentlichung dieses Berichts erlebt er nun nicht mehr.

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