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Hessens Bank hilft Firmen und Kommunen mit Geld durch Krieg und Corona

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Von: Peter Hanack

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Die WI-Bank hat Kliniken für das Freihalten von Intensivbetten finanziell unterstützt.
Die WI-Bank hat Kliniken für das Freihalten von Intensivbetten finanziell unterstützt. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Die WI-Bank Hessen weitet ihre Förderung für Firmen, Selbstständige und Kommunen aus. Wirtschaftsminister Al-Wazir kündigt Unterstützung wegen Folgen des Ukraine-Kriegs an.

In der Corona-Krise, die noch immer nicht zu Ende ist, war die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) ein wichtiges Instrument, um Firmen, Selbstständige und Kommunen über die Runden zu bringen. Jetzt wird das Förderinstitut des Landes gebraucht, um auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine zu mildern. Am Mittwoch hat die WI-Bank Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres gezogen.

Den Bedeutungszuwachs der WI-Bank kann man allein schon an der Zahl der Beschäftigten ablesen. Waren es 2019, also vor Corona, noch 435, stieg deren Zahl 2020 auf 454 und 2021 auf 505, wie Gottfried Milde, Sprecher der Geschäftsleitung, berichtete. Ein Zuwachs von rund 15 Prozent in nur zwei Jahren. Die Bilanzsumme sei um 600 Millionen Euro auf nun 26,5 Milliarden Euro gewachsen.

Noch eine andere Zahl deutet auf den Krisenmodus, in dem auch die WI-Bank unterwegs ist. In normalen Jahren bewegte sich das Neugeschäft bei etwa zwei Milliarden Euro. 2020 waren es 3,2 Milliarden, 2021 dann 3,4 Milliarden Euro. Allein 780 Millionen Euro machte zuletzt die Krankenhausförderung aus, davon knapp die Hälfte Corona-Hilfen.

Die Wi-Bank Hessen

Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) ist ein Förderinstitut des Landes. Es gibt sie seit 2009. Rechtlich gehört sie zur Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), wirtschaftlich und organisatorisch ist sie selbstständig.

Sie fördert Projekte der Wirtschaft, des Wohnungsbaus, der Infrastruktur und Bildung und bündelt das monetäre Fördergeschäft des Landes Hessen.

Förderinstrumente sind Beteiligungen, Darlehen, Zuschüsse, Bürgschaften.

Mehr unter wibank.de pgh

Das Geld diente unter anderem dazu, bei Krankenhäusern den Einnahmeausfall zu kompensieren, weil sie aufgrund von Corona Intensivbetten freigehalten hatten und Beatmungsgeräte anschaffen mussten. Weitere knapp 500 Millionen Euro gingen in den Mietwohnungsbau, weil das Land mehr neue Sozialwohnungen errichtet.

Auch an anderer Stelle wirkt die WI-Bank, selbst wenn dort kleinere Brötchen gebacken werden. Das Programm „Hessen Mikroliquidität“ soll Selbstständigen und Betrieben über finanzielle Engpässe hinweg helfen, die durch Corona entstanden sind. Wie Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung, berichtete, gab es dafür fast 8900 Zusagen. In lediglich 99 Fällen werde wegen des Verdachts des Betrugs ermittelt. 172 Empfänger der Finanzhilfen hätten das Geld sogar bereits vorzeitig zurückgezahlt.

Mikrodarlehen gefragt

Einen Anstieg verzeichnet die WI-Bank auch bei Mikrodarlehen, die Unternehmensgründungen fördern sollen. 2021 habe es 69 bewilligte Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Millionen Euro gegeben, erklärte Reckhard. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres seien es bereits 27 gewesen.

Welche Folgen der Ukraine-Krieg für Hessen habe, sei noch nicht abzuschätzen, räumte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ein. Es sei aber klar, dass die aktuellen Krisen für Hessen strukturelle Herausforderungen bringen, „wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben“. Neben Krieg und Corona nannte Al-Wazir den demografischen Wandel, die Digitalisierung und das Ziel, bis zum Jahr 2045 das Land klimaneutral zu machen.

Anfragen wegen Kriegsfolgen

Hessens Unternehmen stellte er Unterstützung wegen der wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in Aussicht. Dieser habe „massive Auswirkungen auf Lieferketten, Energie- und Rohstoffpreise sowie wirtschaftliche Stabilität“. Konkrete Angaben zu möglichen Hilfen machte er nicht. Darüber sei man auch mit dem Bund im Gespräch, so Al-Wazir. Milde sagte, erste Firmen hätten sich bereits mit entsprechenden Anfragen bei der WI-Bank gemeldet - etwa, weil sie bei Aufträgen Festpreise vereinbart hätten und aufgrund der Materialverteuerung nun in Finanznöte gerieten.

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