Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Impfung ab 12

Corona: Hessens Ärzteschaft sagt Nein zum Impfen ab 12 Jahren

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Der Strategiewechsel der Politik stößt auf Kritik. Die Empfehlungen der Wissenschaft werde ignoriert und die Stimmung in den Schulen könnte sich verschlechtern.

Wiesbaden - Eine generelle Corona-Impfung ab zwölf Jahren lehnen Hessens Kassenärztinnen und -ärzte entschieden ab. Auch der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte bleibt bei der Linie, dass die Datenlage für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen zu dünn sei, um Nutzen und Risiko einer Impfung genau abwägen zu können.

Die Landesregierung hingegen kündigte am Dienstag (03.08.2021) an, die am Vortag getroffenen Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz umsetzen zu wollen. Alle 28 Impfzentren würden künftig ein Angebot für Menschen ab zwölf Jahren vorhalten.

Auch die beschlossenen Auffrischungsimpfungen für besonders vulnerable Gruppen von September an trage Hessen mit. Unerwähnt bleibt in der Mitteilung der Staatskanzlei, dass dafür noch kein Impfstoff zugelassen ist.

Eine generelle Corona-Impfung ab zwölf Jahren lehnen Hessens Kassenärztinnen und -ärzte entschieden ab. 

Corona-Impfung ab 12: Politik stellt sich gegen Stiko

Auf den ersten Blick ändert der Beschluss vom Montag nicht viel. Schon jetzt erhalten 12- bis 17-Jährige in einigen Impfzentren den Piks. Auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte impfen. Bedingungen sind ein Aufklärungsgespräch und Begleitung oder Zustimmung der Sorgeberechtigten. Dabei bleibe es, heißt es in der Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne).

Kritisch bewertet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen, dass sich die Politik gegen das Votum der Ständigen Impfkommission (Stiko) stellt. Der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte sieht die Gefahr, dass Eltern sich nicht mehr frei entscheiden könnten. „Ich habe die Sorge, dass in den Schulen ein Gruppendruck entsteht, um Quarantäne oder den nächsten Lockdown zu vermeiden“, sagt Barbara Mühlfeld, die in Bad Homburg praktiziert. Bisher wirbt sie nur für die Impfung von unter 18-Jährigen, wenn eine Infektion mit Covid-19 für das Kind ein gravierendes Gesundheitsrisiko darstelle – etwa wegen Adipositas oder Diabetes. Das betrifft immerhin 15 Prozent der Altersgruppe. Den anderen rät Mühlfeld weder zu noch ab. Alleine die Eltern entschieden darüber, etwa weil sie in Urlaub führen.

Impfquote der Minderjährigen

In Hessen hatten bis Montag 19,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen die Erstimpfung erhalten, 9,3 Prozent waren vollständig geimpft.

In Deutschland sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie bisher nur für junge Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. jur

Corona-Impfung ab 12: Beschluss ein „Beitrag zur Verunsicherung“

Es sei „nicht unkritisch“, dass die Gesundheitsministerkonferenz sich über die Empfehlung der Stiko hinwegsetze, sagt KV-Sprecher Karl Roth. „Soll die Wissenschaft nur eine wichtige Rolle spielen, wenn sie den politischen Landeschefs passt?“ Der Beschluss sei ein „Beitrag zur Verunsicherung“ und ein Wechsel der Strategie, wie die Herdenimmunität zu erreichen sei. „Bisher bestand immer der Konsens, dass die Volljährigen die Hauptlast tragen sollen.“

Hessens Gesundheitsministerium sieht den Widerspruch zur Stiko-Empfehlung nicht und verweist auf die „fundierte ausführliche ärztliche Aufklärung“. Auch in Haus- oder Kinderarztpraxen sowie in Betrieben würden die Kinder gespritzt. „Sonderimpfaktionen vor Ort werden durch die Impfzentren und Gesundheitsämter, teils in Kooperation mit Arztpraxen, umgesetzt.“ (Jutta Rippegather)

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare