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Hessen

Corona: Hessen zahlt zwei Millionen Euro für ein Jahr Luca-App

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die App soll den Gesundheitsämter die Arbeit erleichtern. Im Moment profitiert davon lediglich die Gastronomie.

Wiesbaden - Wenn es um die zentrale Kontaktnachverfolgung geht, scheut die Landesregierung keine Kosten. 2,2 Millionen Euro zahlt Hessen für die einjährige Nutzung der Luca-Applikation bis zum 31. März nächsten Jahres, teilt das Digitalministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Die Gastronomie ist froh über diese kostenlose Möglichkeit, ohne Mehrarbeit und Diskussionen sich auf ihr Kerngeschäft – das Bewirten ihrer Gäste – konzentrieren zu können.

Im Gesundheitsamt Frankfurt hingegen herrscht Skepsis, ob die App ihren Zweck erfüllen und tatsächlich die Kontaktverfolgung erleichtern kann. „E-Tickets bei Veranstaltungen sind hilfreicher, weil man dann auch weiß, wo die Leute gesessen haben“, sagt Udo Götsch, Sachgebietsleiter Infektiologie. In „einem Sammelsurium von Namen“, die zur selben Zeit sich in einem Lokal aufgehalten haben, sehe er erstmal keinen Vorteil. Außer vielleicht, dass die Angaben besser lesbar sind, als die handschriftlich ausgefüllten Zettel. Es gebe ohnehin keine Anhaltpunkte für ein Infektionsrisiko in Lokalen, zumal die unter strengen Hygienevorschriften arbeiten. Erst recht jetzt nicht, wo die Inzidenzen runtergehen und lediglich Getestete, Geimpfte oder Genesene sich überhaupt in den Innenräumen aufhalten dürfen. Auch dort wie im Freien mit Abstand.

Durch die Luca-App können sich die Gastronomen wieder mehr auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren.

Luca-App in Hessen: Keine Erfahrung bislang

Wie Luca exakt funktioniert, entzieht sich der Kenntnis des Infektiologen. Er kennt den Umgang mit der App lediglich aus „Trockenübungen“. Der Ernstfall ist im Frankfurter Gesundheitsamt noch nicht eingetreten. „Wir sind bereit, mit Luca zu arbeiten, haben aber keine praktische Erfahrung“, fasst Götsch zusammen. Und betont gleichzeitig, dass so ein digitaler Helfer nicht das persönliche Gespräch ersetzen kann. Oft stelle sich erst bei Nachfragen heraus, ob der oder die Betroffene tatsächlich als Kontaktperson einzustufen ist. „Ein gewisser Menschenverstand ist dabei schon wichtig.“

Weil sie dem Infektionsschutz vor dem Coronavirus dienen soll, stellt Hessen Handel, Gastronomie oder auch Kulturstätten derzeit die Nutzung von Luca kostenlos zur Verfügung. Die App ist nicht die einzige, die Kontaktverfolgung anbietet. Auch die Corona-Warn-App des Bundes bietet diese Funktion. Manche Gastronomen bieten deshalb beide Lösungen an, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen. Zettelwirtschaft gebe es auch noch, vor allem für die älteren Kunden. Wagner zufolge rangiert Luca derzeit auf der Beliebheitsskala der Gäste auf Platz eins. Medienberichte über Datenlecks haben dem Image offenkundig nicht geschadet.

15.000 Luca-Standorte zum Corona-Schutz in Hessen

Nach Angaben des Digitalministeriums gibt es in Hessen aktuell mehr als 15 000 Luca-Standorte. Die digitale Kontaktdatenerfassung erleichtere den hessischen Gesundheitsämtern die Nachverfolgung. „Ziel ist es, fehleranfällige und möglicherweise unvollständige Papierlisten größtenteils zu ersetzen und Kontakte zu dokumentieren“, sagt Sprecher Markus Büttner.

Die Information über eine nachgewiesene Corona-Infektion werde dem zuständigen Gesundheitsamt verschlüsselt übermittelt und könne dort direkt ausgelesen werden. „Damit werden Kontakte mit infizierten Personen datenschutzkonform identifiziert und Infektionsketten unterbrochen.“ Dass alles seine Richtigkeit hat, habe die Landesdatenschutzbehörde bestätigt.

Die Nutzung der Luca-Applikation sei freiwillig und kostenlos, so Büttner. Als Vorteil gegenüber der Corona-Warn-App des Bundes hebt er hervor, dass sie die für Gesundheitsämter erforderlichen Kontaktdaten erhebe. Die Landesregierung hatte im Frühjahr angekündigt, bis zum Sommer weitere Apps zur Kontaktdatenerfassung an die Gesundheitsämter anzubinden, damit jeder die App seines Vertrauens nutzen kann. An dieser Lösung wird laut Digitalministerium weiter gearbeitet. Wann sie kommt, steht noch nicht fest. (Jutta Rippegather)

Rubriklistenbild: © Michael Schick

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