1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen zahlt Grundschullehrkräften 600 Euro im Monat mehr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Auch Lehrkräfte in der Grundschule sollten nach A13 bezahlt werden, fordern die Demoteilnehmenden. Renate Hoyer
Auch Lehrkräfte in der Grundschule sollten nach A13 bezahlt werden, fordern die Demoteilnehmenden. © Renate Hoyer

Hessen gleicht die Besoldung an die in weiterführenden Schulen schrittweise bis 2028 auf A13 für alle an. Das liegt auch an der Konkurrenz mit den anderen Bundesländern.

Hessens Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen bekommen mehr Geld. Sie sollen in die gleiche Besoldungsgruppe eingruppiert werden wie Lehrkräfte an weiterführenden Schulen. Das haben Ministerpräsident Boris Rhein und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Donnerstag in Wiesbaden angekündigt. Die hessische Landesregierung kommt damit einer langjährigen Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach.

600 Euro mehr als bislang sollen es sein. Das ist der Unterschied zwischen der bisherigen Besoldungsgruppe A12 und der künftigen A13. Die Angleichung soll in sechs Stufen erfolgen, erläuterte Kultusminister Lorz. Zum 1. August steigt die Besoldung zunächst um rund 60 Euro, also zehn Prozent der Differenz zwischen A12 und A13. 2024 kommen weitere 15 Prozent hinzu, 2025 dann 40 Prozent, bis schließlich 2028 die Angleichung zu 100 Prozent erreicht ist.

Handlungsdruck für Hessen

Andere Bundesländer zahlen Grundschullehrkräften bereits mehr, setzen eine Erhöhung der Bezüge gerade um oder haben diese zumindest angekündigt. Hessen stand damit unter Handlungsdruck, wollte man im Wettbewerb um die knappen Lehrkräfte nicht ins Hintertreffen geraten.

„Wir setzen mit der Anhebung ein wichtiges Signal im Wettbewerb mit den anderen Ländern“, sagte dazu Ministerpräsident Rhein. Hessen, so Lorz, bleibe damit ein attraktiver Arbeitgeber. Die höhere Besoldung werde helfen, den Beruf „noch attraktiver zu gestalten“ und mehr junge Menschen dafür zu gewinnen.

„Erfolg der GEW“

Die Anhebung sei ein „Riesenerfolg für die GEW“, sie führe endlich zur „Besoldungsgerechtigkeit“, sagte der hessische GEW-Landesvorsitzende, Thilo Hartmann. Es gehe dabei auch um die Wertschätzung der Arbeit in den Grundschulen. Die Gewerkschaft hatte sich seit acht Jahren für die gleiche Bezahlung der Lehrkräfte eingesetzt. Es sei gut, dass Hessen nun so handele. Dies könne eine Abwanderungswelle verhindern, so Hartmann. Einziger Wermuttropfen sei, dass die Angleichung erst im Jahr 2028 vollständig erreicht werde.

Profitieren sollen auch die nicht beamteten Lehrkräfte an den Grundschulen, die nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Deren Gehalt soll parallel zu dem der Beamteten steigen. Lorz kündigte zudem an, dass auch die Besoldung der Schulleitungen angehoben werde. Diese erhalten bereits jetzt schon A13 mit einer Zulage oder – bei besonders großen Grundschulen – auch A14.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht eine zentrale Forderung erfüllt. Es sei allerhöchste Zeit gewesen, „dass hier für Gerechtigkeit gesorgt wird“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Besoldung

3676 Euro beträgt das Einstiegsgehalt einer Grundschullehrkraft in der Besoldungsgruppe A12. Künftig sollen es gemäß A13 dann 4278 Euro sein, also rund 600 Euro mehr im Monat.

Nordrhein-Westfalen hat die stufenweise Erhöhung von A12 auf A13 bis 2026 beschlossen, Niedersachsen und Bayern wollen nachziehen. Hessen wird diese bis 2028 umsetzen. pgh

Die Landesregierung rechnet mit jährlichen Mehrkosten von rund 110 Millionen Euro, wenn die Angleichung im Jahr 2028 abgeschlossen sein wird. Für die Anhebung der Besoldung muss noch ein Änderungsantrag in die Haushaltsberatungen eingebracht und von der Mehrheit des Landtags beschlossen werden.

Für Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, dauert die Angleichung zu lange. Die Situation an den Grundschulen sei angespannt, dort fehlten besonders viele ausgebildete Lehrkräfte. Er forderte zudem, die Studiendauer für Grundschullehrkräfte zu verlängern und der anderer Lehrämter anzupassen.

Geld auch in Ferien

Dass nun A13 komme, sei ein positives Signal, um angehende Lehrkräfte in Hessen zu halten und eigentlich eine selbstverständliche Anerkennung der Leistung von Grundschullehrkräften, sagte SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. Allerdings handle die Landesregierung nicht aus Überzeugung, sondern auf Druck von SPD und Gewerkschaften. Auch die Linke reklamiert für sich einen Erfolg.

Kultusminister Lorz kündigte am Donnerstag zudem an, dass weniger Lehrkräfte über die Sommerferien arbeitslos werden sollen. Künftig genüge eine Beschäftigungsdauer von 30 Wochen statt wie bisher 35, um auch in den Ferien angestellt zu bleiben. Davon profitierten hessenweit rund 1500 Lehrkräfte. Weiterhin sind im nächsten Landeshaushalt 4000 neue Lehrerstellen vorgesehen.

Siehe Kommentar: „Lehrermangel bleibt auch bei A13“

Auch interessant

Kommentare