1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Tankrabatt, 9-Euro-Ticket und Co.: Diese Veränderungen wünscht sich Hessen beim ÖPNV

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Unter anderem die Sperrung des S-Bahn-Tunnels stellt die Menschen in Frankfurt aktuell vor Herausforderungen.
Das Neun-Euro-Ticket kam in Hessen gut an. Der 49-Euro-Nachfolger wird es schwerer haben. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa

Wie stehen die Hessen zu aktuellen Themen aus dem Bereich Verkehr und Mobilität? Eine aktuelle Studie gibt Antworten.

Wiesbaden - Der Schwerpunkt des aktuellen Mobilitätsreports liegt auf der Frage, wie das Neun-Euro-Ticket ankam. Auch zum Tankrabatt wurden die Hessinnen und Hessen befragt.

Ergebnis: „Sehr gut“ oder „gut“ kennen das Ticket 85 Prozent. Unter den Befragten unter 30 Jahren sind es 90 Prozent. In Metropolen ist das Ticket mit einem Anteil von 92 Prozent sehr gut bekannt und auch unter Befragten mit hohem ökonomischem Haushaltsstatus zu 93 Prozent. Am unbekanntesten ist es bei den über 65-Jährigen im ländlichen Raum, bei Ärmeren und in Haushalten mit drei oder mehr Autos sowie unter den wenig Mobilen.

ÖPNV in Hessen: Hoher Bekanntheitsgrad für Neun-Euro-Ticket

Insbesondere für Personen mit geringem Einkommen und ohne Auto bot das Neun-Euro-Ticket eine gute Gelegenheit, um günstig auch entferntere Urlaubsziele zu erreichen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) in der Stadt haben mindestens in einem Monat das Ticket erworben. Auf dem Land waren es nur 37 Prozent. Ein Unterschied, der sich mit mangelnder Offenheit und Erfahrung im Umgang mit dem Öffentlichen Verkehr erklären lässt sowie das im Vergleich mit der Stadt wesentlich schlechtere Angebot.

Knapp ein Drittel der Befragten gab an, das Neun-Euro-Ticket über einen Umtausch der Zeitkarte oder des Jobtickets erhalten zu haben. Bundesweit liegt der Anteil mit 22 Prozent deutlich niedriger, was auf die vielen Flatrate-Tickets in Hessen zurückzuführen ist – etwa für alle Landesbediensteten und Beamte, das Schülerticket oder das Seniorenticket für jeweils 365 Euro im Jahr.

Mobilität in Hessen: Ausbau in der Stadt und auf dem Land nötig

Durch das günstige Ticket wurden verstärkt im ländlichen Raum Personen zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs motiviert, die diesen bislang weitgehend gemieden hatten. Ergo: Bei geringem Preis verliert die schlechte Erreichbarkeit von Zielen an Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl.

Die Entlastung von der Tarifkenntnis und der Sorge, mit einem falschen Ticket unterwegs zu sein, erhielt bei 89 Prozent der Befragten mit Neun-Euro-Ticket Zustimmung. Ein Drittel gab an, dass Unternehmungen möglich wurden, die man sich sonst nicht hätte leisten können. „Das Ticket war für viele somit auch eine Möglichkeit zur verbesserten gesellschaftlichen Teilhabe“, heißt es in der Studie. Um den Nutzen aber voll zu entfalten und langfristig den Umstieg attraktiver zu machen, müsste der Öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt.

Verkehr in Hessen: Tankrabatt wird eher kritisch gesehen

Der Tankrabatt hingegen kam schlecht an. Die höchste Zustimmung mit 76 Prozent erhielt die Aussage, er habe nicht funktioniert, da die Steuerersparnis nicht an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden sei. 41 Prozent der Befragten sagten, mit dem subventionierten Kraftstoff wurden falsche Anreize gesetzt. Das könnte zu höherem Verbrauch geführt haben, obwohl Energie hätte gespart werden sollen. Am besten kam der Tankrabatt bei den 50- bis 64-Jährigen an, einer Altersgruppe, die das Auto mindestens einmal pro Woche nutzt, und bei Haushalten mit mehreren Autos.

Wenn zum 1. Mai das 49-Euro-Ticket zu haben ist, wird es nicht den Effekt haben wie das Neun-Euro-Ticket: „Voraussichtlich wird es bei diesem Preis eher für die regelmäßigen ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer in Betracht kommen als für Gelegenheits- oder sogar Neukundinnen und -kunden.“ Weiter hieß es in dem vom Land beauftragten Mobilitätsbericht: „Zudem werden die Menschen im ländlichen Raum mit dem höheren Ticketpreis schlechter gestellt, da dort, wo größere zeitliche und räumliche ÖV-Bedienlücken bestehen, diese häufig durch das eigene Auto als Verkehrsmittel für die erste und letzte Meile gefüllt werden.“ Die Kosten für den eigenen Wagen fielen also mit dem höheren Preis für das 49-Euro-Ticket zusammen, wodurch die Kombination beider Verkehrsmittel an Attraktivität verliere. (Jutta Rippegather)

Auch interessant

Kommentare