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Lehre trotz fünf Kindern: Hessen wirbt für mehr Berufsausbildung in Teilzeit

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Von: Peter Hanack

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Trotz aller Kampagnen sinkt die Zahl der jungen Leute, die nach der Schule eine duale Ausbildung beginnen wollen, immer weiter.
Trotz aller Kampagnen sinkt die Zahl der jungen Leute, die nach der Schule eine duale Ausbildung beginnen wollen, immer weiter. © Andreas Arnold/dpa

Eine Kampagne des Landes soll helfen, freie Lehrstellen in Hessen zu besetzen. Denn der Mangel an Fachkräfte-Nachwuchs ist groß. Viele Plätze in der dualen Ausbildung sind noch frei.

Am Donnerstag dieser Woche beginnt das neue Ausbildungsjahr. In Hessen werden so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, wie schon lange nicht mehr. Die Landesregierung wirbt nun für die Ausbilung in Teilzeit und will so dem Mangel an Nachwuchs an dieser Stelle etwas entgegensetzen.

Wie das funktionieren kann, lässt sich auf der Kampagnenwebsite teilzeitausbildung.de nachlesen. Dort berichtet Magdalena über ihre Erfahrungen. Die 35-Jährige absolviert zurzeit eine Teilzeitausbildung zur Mechatronikerin. „Ich habe fünf Kinder. Das ist ja eigentlich schon ein Vollzeitjob“, erzählt sie. Es sei ihr aber wichtig, den Kindern ein Vorbild zu sein. Mit der Ausbildung versuche sie, sich selbst und ihren Kindern „Zukunftsperspektiven zu eröffen“, wie sie sagt. Eine Vollzeitlehre sei einfach zeitlich nicht zu machen, ist sie sicher.

Gute Erfahrungen

Auf der Kampagnenwebsite gibt es zudem ausführliche Informationen für Menschen, die an einer Ausbildung interessiert sind, für Berufsschulen sowie für Unternehmen, die sich ein solches Modell (vielleicht auch noch nicht) vorstellen können.

Zu Wort kommen dort außerdem Firmen, die bereits in Teilzeit ausbilden, wie etwa die Technolit GmbH in Großenlüder, eine Gemeinde im Landkreis Fulda. „Die Unterschiede sind eigentlich kaum spürbar“, berichtet Ausbildungsleiterin Lea Otterbein. Die Auszubildenden durchliefen die gleichen Schritte wie bei einer Vollzeitausbildung. „Unsere bisherigen Erfahrungen sind so gut, dass wir die Teilzeitausbildung in Zukunftstandardmäßig anbieten werden“, sagt Otterbein.

15000 freie Stellen

Dass mehr Menschen in Hessen – auch solche, für die das bisher kaum möglich schien – einen Beruf erlernen, scheint dringend nötig. Denn wie es aussieht, können noch weniger Ausbildungsplätze besetzt werden als im vergangenen Jahr. Die Bundesagentur für Arbeit meldete für Mitte Juli lediglich 31 000 junge Menschen, die eine duale Ausbildung beginnen wollten. Das sind 4,8 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Und es waren noch 14 690 Lehrstellen unbesetzt. Dem gegenüber gab es zum Stichtag lediglich 10 270 Bewerberinnen und Bewerber.

Anne Janz (Grüne), Staatssekretärin im hessischen Sozial- und Integrationsministerium, empfiehlt Betrieben, offen für das Teilzeitmodell zu sein. „Die Teilzeitausbildung trägt zur Fachkräftesicherung bei, was den Wirtschaftsstandort Hessen als Ganzes stärkt“, sagte sie zum Start der Kampagne. Auszubildende, die beispielsweise nebenher für Familienmitglieder sorgten, könnten zusätzliche Kompetenzen mitbringen und würden sich möglicherweise auch langfristig an einen Betrieb binden.

1,5 Millionen Euro für Beratung

Die Kampagne soll zunächst bis Ende des Jahres laufen und auch im öffentlichen Raum präsent sein. So soll es von September bis November Werbung auf und in Bussen sowie mit Plakaten geben. Damit sollen sowohl Betriebe als auch Ausbildungsinteressierte auf die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung aufmerksam gemacht werden.

Um mehr Firmen dafür zu gewinnen, sollen diese verstärkt von der Servicestelle Teilzeitausbildung beraten werden, die beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft angesiedelt ist. Sie wird mit 1,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

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